Pfandbriefe und Kommunalobligationen

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Pfandbriefe oder Kommunalobligationen?

Pfandbriefe
3
14%
Kommunalobligationen
7
32%
Günter Beckstein ist bayerischer Staatsminister des Innern. Nach einer Ausbildung zum Pfifferling arbeitete er als Assassine für den Schwarzen Lotos, kann jedoch auf Schwatzmagier umschulen und wird wahrscheinlich Innenminister.
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Prof. Adorno
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Pfandbriefe und Kommunalobligationen

Beitrag von Prof. Adorno » Mi Jul 20, 2005 9:19 am

Wussowianer sammeln gern obskure Sachen. Wohlan: ich habe ein neues Gebiet entdeckt. In Büchern verschiedener Häuser, v.a.a. des Rowohlt-Verlages, warb die Bundesbank für einige Jahrzehnte mit außergewöhnlich intelligenten, gleichzietig zum Himmel schreiend reaktionären und dadurch sehr komischen zweiseitigen Anzeigen, die nach folgendem Schema konstruiert waren: zunächst eine Zeichnung aus der Hand eines Künstlers, dessen Name sich aus der Signatur nur erahnen läßt (Parger? Farger? Fargo?), dann der Anfang eines Zitats aus dem jeweiligen Buch, das auf der folgenden Seite fortgesetzt und dann gelehrsam-bieder-witzelnd, jedoch stilsicher und sprachmächtig interpretiert wurde in der Hinsicht, daß der Autor eigentlich Pfandbriefe und Kommunalobligationen kaufen möchte. Das Werk beendet stets eine Schlussvignette: "Pfandbrief und Kommunalobligation - Wertpapiere mit hohen Zinsen - Für jeden Sparer - Ab 100 DM bei Banken und Sparkassen - Verbriefte Sicherheit"

Das Beispiel, das ich gerade zur Hand habe, stammt aus David Riesman: Die einsame Masse (Reinbek 1966).

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Bundesbank in David Riesman, op. cit. p329f hat geschrieben:Glauben Sie, daß man etwas tun kann, um Wirtschaftskrisen zu vermeiden? - fragte die amerikanische Soziologin Dr. Genevieve Knupfer eine Einwanderin aus Britisch-Westindien (siehe Seite 178). Die Interviewte, eine Putzfrau mittleren Alters, gab auf diese Frage (an der Generationenn von Nationalökonomen sich schon die Zähne ausgebissen haben) die schlichte und treffliche Antwort: "Man kann versuchen zu arbeiten und sich was zu sparen - aber es gibt immer schlechte und gute Zeiten. Wenn man'n bißchen was hat, geht's einem wohl besser, aber irgendwie kommt man auch so durch." Wer's also 'n bißchen besser haben will...
Das ist sooo geil. Erlesene Bildung und subtiler Witz trifft auf knallhartes marktwirtschaftliches Verwertungsinteresse - eine ganze untergegangene Epoche leuchtet in den wildesten Farben vor uns auf. Da auch Google keinen Alltagshistoriker findet, der diese Blüte historischen Werbeschaffens analysiert, rufe ich den alphabetisierten Teil der Wussowianer zu Hilfe.
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MMC
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Beitrag von MMC » Mi Jul 20, 2005 11:13 am

Herr Professor, Sie haben - wie immer - ein wichtiges Thema zur richtigen Zeit angesprochen. Wie waere es mit einem kleinem Ratespiel, um das Thema etwas aufzulockern. Hier ist die Beschreibung, ich denke, es sollte relative einfach sein:
Der Kriminalist muss mitunter Umwege machen...

...um eine Spur zu finden, die zum Ziel fuehrt. Das Ziel, fuer den Detektiv aus Leidenschaft, ist der Sieg der menschemmoeglichen Gerechtigkeit - das ist mehr als der Sieg der Justiz.
Ein Kriminalist wie Baerlach is also dem Richter naeher verpflichtet als dem Staatsanwalt. Letzterer ist den Gesetzen verpflichtet - und die sind wandelbarer als das Empfinden fuer Gerechtigkeit.

(So war, als ein Beispiel, ueber Jahrhunderte das Zinsnehmen bei strenger Strafe verboten. Gaelte das Verbot heute noch, gaebe es kein Sparen - oder jeder Sparer waere ein Verbrecher. Pfandbriefsparer, da sie besonders hohe Zinsen erhalten, waeren sogar Schwerverbrecher.)
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Frage: Wie heissen die beiden Herren, die da oben im blauen(!) Mercedes herumfahren?

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General Amnestie
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Beitrag von General Amnestie » Mi Jul 20, 2005 12:03 pm

Das wird gewiß eine Riesengaudi.

Vor der Analyse muss natürlich zuerst Material gesammelt werden.

Bertolt Brecht, Kalendergeschichten, Rowohlt 1985, S. 113f.

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Ein paar Bojen im Wasser begrenzen den Besitz und das Denken der wasserständigen Fischer von Island.
Nicht immer ist der Eigentumstrieb so schlicht und ohne Geld zu befriedigen. Ein Beispiel: „Eine halbwegs komplette Kenntnis des Marxismus kostet heut, wie mir ein Kollege versichert hat, zwanzigtausend bis fünfundzwanzigtausend Goldmark... Drunter kriegen Sie nichts Richtiges, höchstens so einen minderwertigen Marxismus, ohne Hegel oder einen, wo der Ricardo fehlt“ – bemerkte Brecht in den „Flüchtlingsgesprächen“.
„Ein halbwegs ordentlicher Kapitalismus kostet viel weniger; ein paar Hunderter genügen zum Anfang“, wie ein Bankmann versicherte. Etwas boshaft freilich fügte er hinzu: „Sie brauchen dazu nicht einmal ein Schweizer Bankkonto, wie Bert Brecht es hatte. Eine deutsche Bank oder Sparkasse genügt.“
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Danny
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Beitrag von Danny » Mi Jul 20, 2005 12:06 pm

MMC hat geschrieben: Frage: Wie heissen die beiden Herren, die da oben im blauen(!) Mercedes herumfahren?
Bärlach und Tschanz.
Hat man das Unmögliche eliminiert, so muß das, was übrigbleibt, und mag es noch so unwahrscheinlich erscheinen, die Wahrheit sein.

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Beitrag von Doktor Rasanoff » Mi Jul 20, 2005 2:55 pm

Ein feines Thema. An einer Materialsammlung beteilige ich mich folglich auch sehr gerne, wo schon nicht mit meiner kompletten Kollektion "verbriefter Sicherheit", so doch immerhin mit zwei -wie ich finde- Perlen derselben.

Albert Camus: Die Pest, rororo 1969, S. 97 f.

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Als Gefangener der Pest...
...versucht Rambert die fast aussichtslose Flucht. Seine Situation in Oran, der Stadt „der Steine und des Staubes“, ist komisch; sie wäre absurd, wenn er sich entschlossen hätte, in Oran zu bleiben.
Aber Rambert ist kein absurder Typ; er glaubt an Möglichkeiten. Er glaubt an eine Zukunft, und er tut etwas dafür. Wie es auf seine Art der Doktor Rieux tut. Wie es auf seine Art jeder tut, der - für sich oder andere - vorsorgt.
Noch schöner sogar:

Jean-Paul Sartre: Der Ekel, rororo 1966, S. 67 f.

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Was für Walther von der Vogelweide die Leier war...
...ist für Jean-Paul Sartre das Mikrofon. Für den Dichter von heute empfiehlt Sartre daher: „Die wahren Quellen, über die wir verfügen, um das mögliche Publikum zu erobern, sind: Zeitung, Rundfunk, Kino“ (Sartre: Was ist Literatur?). Die Mittel der Ansprache haben sich also, wie die Mittel der Aussage, mit dem Kreis der Angesprochenen verändert.
Unverändert aber ist die Situation des Schriftstellers insoweit, als er für die Freiheit zum Schreiben und Handeln eine gewisse Freiheit von materieller Bedrängnis braucht. „Ich han min Lehen“, sang deshalb schon Walther von der Vogelweide, als ihm sein Kaiser ein Bauerngut schenkte, für den Dienst an Seiner Majestät.
Seine Majestät das Volk gibt zwar heute keine Güter mehr zum Lehen, läßt jedoch die Dienste des Schriftstellers von Buchverlagen, Fernsehen, Funk und Massenpresse geziemend honorieren. Ein erfolgreicher Dichter unserer Zeit kann es sich leisten, unabhängig zu handeln. Ein kleines Vermögen im Hintergrund wurde selbst von Philosophen wie Schopenhauer nicht verschmäht: „So viel zu besitzen, daß man...in wahrer Unabhängigkeit leben kann, ist ein unschätzbarer Vorzug. Nur unter dieser Begünstigung...ist man Herr seiner Zeit und seiner Kräfte und darf jeden Morgen sagen: Der Tag ist mein. Auch ist eben deshalb zwischen dem, der tausend, und dem, der hunderttausend Taler Renten hat, der Unterschied unendlich kleiner, als zwischen ersterem und dem, der nichts hat.“
Zuletzt geändert von Doktor Rasanoff am Mi Jul 20, 2005 4:24 pm, insgesamt 1-mal geändert.
As I told the tribunal at Nuremberg, I did not know that Hitler was a Nazi. The truth was that for years I thought he worked for the phone company.

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Beitrag von Prof. Adorno » Mi Jul 20, 2005 2:57 pm

Hin und wieder muß man sich bei den 'hohen' Herren in der Bundesbank doch noch gefragt haben, ob die ganze Chose eigentlich auch nur ein Quentchen Sinn ergibt. Zeuge solcher Selbstreflexion ist der Band "Primanerlyrik - Primanerprosa. Eine Anthologie hg. von Armin Schmid. Mit einem Vorwort von Peter Rühmkorf" (Reinbek 1965).

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Bundesbank apud op. cit. p67sq. hat geschrieben:Mancher, der ein Buch liest, murrt ...wenn er Werbung findet, wo er Literatur suchte. Reklame in Büchern!!!? [sic] Warum nicht auch zwischen den Akten in Bayreuth oder neben den Gemälden in der Pinakothek?
"Rowohlts Idee mit der Zigarettenreklame im Buch (finde ich) gar nicht anfechtbar, vielmehr sehr modern. Hauptsache, es hat Erfolg und nützt dem Buch, was die deutsche Innerlichkeit dazu sagt, ist allmählich völlig gleichgültig, die will ihren Schlafrock und ihre Ruh und will ihre Kinder dußlig halten und verkriecht sich hinter Salbadern und Gepflegtheit und möchte das Geistige in den Formen eines Bridgeclubs halten - dagegen muß man angehen." Das schrieb Ende 1950 - Gottfried Benn. An Stelle der 'Zigarettenreklame' findet man nun in diesen Taschenbüchern Werbung für Pfandbriefe und Kommunalobligationen. [sic sic sic] "Hauptsache, es hat Erfolg und nützt dem Buch." Und es nützt auch dem Leser. (Für die Jahreszinsen eines einzigen 100-Mark-Pfandbriefs kann man sich beispielsweise drei Taschenbücher kaufen.)

Wie sagte Hermann Hesse schon so schön: "Ich find grundsätzlich alles gut, was man mir gibt, Rechnung anbei."
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Beitrag von Louis Antoine Saint-Just » Mi Jul 20, 2005 3:01 pm

Prof. Adorno hat geschrieben:Hin und wieder muß man sich bei den 'hohen' Herren in der Bundesbank doch noch gefragt haben, ob die ganze Chose eigentlich auch nur ein Quentchen Sinn ergibt.
Bundesbank apud op. cit. p67sq. hat geschrieben:Mancher, der ein Buch liest, murrt ...wenn er Werbung findet, wo er Literatur suchte. Reklame in Büchern!!!?
Diese Version tauchte häufiger auf. Ich nehme an, daß das der Standard-Text war, der immer geschaltet wurde, wenn keine eigens auf das jeweilige Buch zugeschnittene Anzeige produziert wurde.

Ansonsten: Sehr schöne Idee, die Herren! Ich wandere heute abend mal durch mein Regal. Wenn diese Anzeigen auch in "rowohlts deutscher enzyklopädie" erschienen sind, kann ich einen Fundus von ca. 250 Bänden zur Verfügung stellen.

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Beitrag von General Amnestie » Mi Jul 20, 2005 3:50 pm

Prof. Adorno hat geschrieben:
Bundesbank apud op. cit. p67sq. hat geschrieben:"Hauptsache, es hat Erfolg und nützt dem Buch." Und es nützt auch dem Leser. (Für die Jahreszinsen eines einzigen 100-Mark-Pfandbriefs kann man sich beispielsweise drei Taschenbücher kaufen.)
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Macht unsere Bücher billiger! forderte Tucholsky einst, 1932, in einem "Avis an meinen Verleger". Die Forderung ist inzwischen eingelöst.
Man spart viel Geld beim Kauf von Taschenbüchern. Und wird das Eingesparte gut gespart, dann zahlt die Bank oder Sparkasse den weiteren Bucherwerb: Für die Jahreszinsen eines einzigen 100-Mark-Pfandbriefs kann man sich zwei Taschenbücher kaufen.
(Tucholsky, Kurt, Wenn die Igel in der Abendstunde, Reinbek 1985)

Das war so gut ausgedacht. Der Verlag macht die Bücher billiger, der Leser kauft vom Ersparten Pfandbriefe, die Bundesbank freut sich über die erfolgreiche Werbung in den Büchern und erhöht ihr Anzeigenvolumen, der Sparer Leser kauft von den Zinsen mehr Bücher, Rowohlt muss die Auflage erhöhen, die Anzeigengewinne steigen dadurch, der Verlag kann die Bücher billiger machen, der Leser kauft vom Ersparten Pfandbriefe und so weiter. Eine prima Anzeigen-Auflagen-Spirale und der Leser hat auch noch was davon!
Leider, leider nur ein schöner Traum. Wenn man 1965 für die Jahreszinsen eines einzigen 100-Mark-Pfandbriefs drei Taschenbücher kaufen konnte, 1985 aber bereits zwei, dann, ja, dann... hat sich die ganze Kohle ja wohl irgend ein abgefeimter Abgreifer (Rowohlt, Bundesbank) in die Tasche gesteckt!


Edit: Zur zeitlichen Einordung möchte ich anmerken, dass in der Ausgabe von Sartres "Der Ekel" von 1964 keine solche Anzeige zu finden ist. Wer findet eine in Büchern vor 1965?
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Knolle
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Beitrag von Knolle » Mi Jul 20, 2005 8:33 pm

Ein wunderbares Thema, Prof!

Auf die Schnelle fand ich zwei Beiträge dazu.

Der eine ist eine kleine Besonderheit, weil der Autor des Buches - Schreiber und Zeichner in einer Person - die Zeichnung gleich selbst mitlieferte:

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Der Text folgt dagegen den Inserats-üblichen Gepflogenheiten und versucht, sich dem spöttelnden Ton des Buches, in dem er erscheint, anzupassen. Schwierig zu erraten ist der Autor dieses Buches wohl nicht; der Titel schon eher.
Ganz einfach wird es, wenn ich die Anzeige aus einem anderen Buch des gleichen Autors zitiere. Sie verzichtet auf die Zeichnung - war das den Inserenten in einem Comic-Sammelband zu doof? - und lautet schlicht:
Pfandbrief und Kommunalobligation hat geschrieben:Richtiges Kombinieren ... führt auch in anderen Fällen rascher zum Erfolg, so nicht nur, wenn das Ersparte gemopst wurde, auch, wenn es sich mausern soll!
Verurteilen Sie ihr Geld nicht immer nur zu sechs Monaten Sparbuch, geben Sie ihm ruhig auch mal ein paar Jahre Pfandbrief, vielleicht sogar lebenslänglich. Auf höhere Zinsen zu verzichten, ist zwar kein Kapitalverbrechen, aber fast sowas wie eine Verbrechen am Kapital. Oder kann Geld Ihnen gestohlen bleiben?
Wer errät jetzt den Autor und wenigstens den zweiten Titel?

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Beitrag von Louis Antoine Saint-Just » Mi Jul 20, 2005 9:29 pm

Eine Überraschung und gleichzeitig eine reine Text-Anzeige ohne Bild lieferte "Asche und Diamant" von Jerzy Andrzejewski: Es wurden bei Rowohlt nicht nur die Pfandbriefe und Kommunalobligationen beworben.
Echtes Leder hat geschrieben:GESINNUNG!

Dieses Buch lehrt, daß Gesinnung das Entscheidende ist. Nur Ehrlichkeit zählt - auch in der Dingwelt der Dinge. Ein echter Diamant hat sein ehrliches Feuer und seine ehrliche Härte... So ist es auch mit dem LEDER. Es hat seine echte, ehrliche Schönheit, unvergleichbar mit dem, was nur wie Leder aussehen möchte und sich wie Leder gebärdet. Die Schönheit, die echtes Leder besitzt, ist zugleich eine brauchbare Schönheit. Als natürliche Haut, die es ist, ist Leder porös und hat damit den unnachahmlichen Vorteil, daß es dem Fuß oder Körper, den es bekleidet, zum Atmen verhilft. In dieser Beziehung ist Leder nicht nur schön für das Auge, sondern zugleich auch gesund. Dies ist der entscheidende Grund, warum man sich in Leder so wohl fühlt!

Leder ist nicht nur zäh, sondern auch immer höchst elegant!
(Symbol: Echtes Leder)
Demnächst mehr, sobald ich das mit dem Hochladen von Bildern kapiert habe.

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Beitrag von Holz. Das Fünfte Element. » Mi Jul 20, 2005 9:49 pm

Knolle hat geschrieben:Wer errät jetzt den Autor und wenigstens den zweiten Titel?
Manfred Schmidt; das zweite wird Nick Knatterton sein.

Ich erinnere mich, als kleiner Bub eine Sammlung von (im Klappentext vermutlich so genannten) ver-schmidt-sten Reiseerzählungen namens Mit Frau Meier durch die Wüste o. s. ä. gelesen zu haben. Vielleicht ist das der erste Titel?

Auch ich freue mich über diesen wunderbaren Strang. Schön auch, dass er jetzt schon verdient in den Top 10 auftaucht! Terfs Bewertungssystem funktioniert besser, als ich erwartet hätte.
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Knolle
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Beitrag von Knolle » Do Jul 21, 2005 8:09 am

Holz, sie haben anscheinend eine zumindest punktuell ähnliche Literatur-Sozialisation wie ich erlebt. Sie haben Recht, es geht um Manfred Schmidt. Der zweite Titel ist in der Tat ein Nick Knatterton-Sammelband, beim ersten liegen Sie so gut wie richtig: Es handelt sich um einen zweiten Sammelband mit Reisereportagen, erschienen unter dem Titel: "Frau Meier reist weiter".
Zumindest den Knatterton werde ich, wo er jetzt anlässlich dieses herrlichen Strangs aus den Tiefen des Regals auftauchte, nicht gleich wieder versenken.

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Lavard
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Beitrag von Lavard » Do Jul 21, 2005 10:11 pm

Eine konsequent ökonomische Betrachtungsweise des gedruckten Wortes liefert uns die Bundesbank in Jean-Paul Sartres „Der Ekel“, Rowohlt Verlag, Reinbek 1982:
Fünfhunderttausend Buchstaben...

...wenn nicht mehr oder weniger, sind in einem einzigen Taschenbuch abgedruckt, die Satzzeichen nicht mitgezählt. Eine halbe Million!
Umgerechnet auf den Preis bedeutet das: Man bekommt etwa 1500 gemischte Buchstaben pro Pfennig. Aneinandergereiht eine zweieinhalb Meter lange Letternkette. Das ist preiswert, verglichen mit den Buchstaben auf einer Briefmarke.
Für den Jahreszins eines einzigen Hundertmark-Pfandbriefs kann man bei günstigem Kauf von Prosa bis zu ca. 1 Million gedruckter Vokale und Konsonanten erwerben, ca. zwei Kilometer Alphabetschnur. Bei Lyrik sind die Stückzahlen entsprechend dem Versmaß kleiner, besonders bei moderner Raumsparlyrik.

„Moderne Raumsparlyrik? Sind Sie wahnsinnig? So dicke hab` ich`s dann auch nicht...“

„Die ist immerhin noch wesentlich günstiger zu haben als die Buchstaben auf einem Tausendmark-Schein...“

„Gut, wo Sie recht haben... Nee, lassen Sie mal, geben Sie mir einfach 700000 Konsonanten und 300000 Vokale lose, den Rest mach´ ich dann zu Hause selbst.“


Was ist, dieser Logik folgend, wohl das günstigste Buch der Welt?

Feldsalat
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Beitrag von Feldsalat » Do Jul 21, 2005 10:41 pm

Aus: Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht. (Ausgabe 1968)
Auf dem Bild sieht man eine Römerin und eine moderne Hausfrau, die mit der einen Hand gemeinsam ein Sparschwein halten, in das sie mit der anderen eine Münze zu stecken sich anschicken.

Sparsam und fleißig ...

... soll die Ehefrau sein, nach Wunsch und Neigung der Männer von jeher. Schon Xenophon wollte sie so. Später, im Mittelalter, pries Fischart den Ehgenoß als "Besenfürstin, Windelkönigin, Sparbüchslein, Küchenkaiserin ..., die ihren Mann nach seinem Geschmack kocht und ihm das Seine zusammenhält."
Und der Adam des zwanzigsten Jahrhunderts? Seine Wünsche unterscheiden sich kaum von denen seiner Ahnen: Sparsamkeit, Treue, Sauberkeit, Fleiß - das ist die richtige Reihenfolge der schätzenswerten Eigenschaften einer Frau nach Meinung des bundesdeutschen Mannes. Eine frappante Konsequenz!
Geben Sie's zu: Auch sie dachten, der Text würde noch eine ironische Wendung nehmen und wurden überrascht ...
(Wer zum Teufel ist "Fischart"?)

Gruß,
Fs.

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katchoo
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Beitrag von katchoo » Fr Jul 22, 2005 4:47 pm

Feldsalat hat geschrieben:
..., die ihren Mann nach seinem Geschmack kocht und ihm das Seine zusammenhält."
Empfehle Kochbeutel, damit der Gute zusammengehalten wird. Welche Zubereitung wird von "Adam" denn gerne genommen?

Hat noch nicht versucht, sich auf diesem Wege beliebt zu machen:

katchoo

(Offtopic, entschuldigen Sie bitte, konnte es mir einfach nicht verkneifen. Bitte fahren Sie ontopic fort.)

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