Beliebte Rechtschreibfehler gesucht

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Der Korrektor
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Beliebte Rechtschreibfehler gesucht

Beitrag von Der Korrektor » Mo Okt 25, 2004 2:44 pm

Hallo,

da ich derzeit an einer entsprechenden Sammlung arbeite, suche ich beliebte Fehler, also Wörter, die immer wieder gerne falsch geschrieben werden. Zur Verdeutlichung ein paar Beispiele:

Gallerie (richtig: Galerie)
Ein typischer Denglisch-Bastard. Schwappte wohl aus Englisch "gallery" hier rüber und ist Bestandteil vieler Homepages. Zur gleichen Kategorie gehört auch etwa "authorisieren" statt "autorisieren".

hahnebüchen (richtig: hanebüchen)
Ehemals "hagebüchen", ursprüngliche Bedeutung "derb, grob, klotzig", Herkunft von "aus Hagebuchenholz bestehend" (Holz der Hainbuche). Hat nichts mit einem Hahn zu tun.

Rückrat (richtig: Rückgrat)
Ein sehr häufig vorkommender Fehler aus der Kategorie "Wie man es spricht, so schreibt man's wohl auch".

Standart (richtig: Standard)
Eine ähnliche Kategorie, offenbar entsteht hier auch durch die "Standarte" ein wenig Verwirrung.

seelig (richtig: selig)
Auch wenn es nahe liegend erscheint: Das Wort leitet sich nicht von "Seele" ab, sondern geht auf althochdeutsch "sälig" = "gut, glücklich; gesegnet; heilsam" zurück.

Nirvana (richtig: Nirwana)
Ein weiterer Denglisch-Fehler, an dem der längst dort befindliche Kurt Cobain sicher nicht ganz unschuldig ist.

Um mein Anliegen zu präzisieren: Es geht um rein orthografische Fehler, also nicht um Vertipper, auch nicht um Grammatikfehler und auch nicht um Verwechslungen wie "dass/das" oder "[Ihr] seid/seit". Auch soll es nicht um Alt- versus Neuschreibungen nach der Rechtschreibreform gehen und auch nicht um komplizierte Fremdwörter.

Im Zweifel machen Sie einfach den Google-Test: Das "Rückrat" generiert beispielsweise immerhin 7.320 Treffer gegenüber 89.800 bei "Rückgrat", was einer Fehlerquote von ca. 7,5 Prozent entspricht. Da kann man schon von einem "beliebten" Fehler sprechen.

Vielen Dank für Ihre Mithilfe,
Der Korrektor
Zuletzt geändert von Der Korrektor am Mo Okt 25, 2004 3:58 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Es war die Personifikation und Inkarnation des Grauens, des Abartigen, des Anderen. Doch bevor er diesen Gedanken vertiefen konnte, riss ihm das Monster gemütlich schmatzend den Kopf ab.

Loïk Le Floch-Prigent
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Beitrag von Loïk Le Floch-Prigent » Mo Okt 25, 2004 3:14 pm

Da weiß man eigentlich gar nicht, wo man anfangen soll:

Ich biete zunächst mal:
Ereigniss, Ergebniss und andere derartige Nissen.
Die beliebte Variante der zweiten Singular von "halten": Du hälst. Klar, wer hört da auch schon ein "t"? Der umgekehrte Gang des Einfügens zusätzlicher Brückenkonsonanten ist mir auch schon begegnet. Da war von Ämptern die Rede.
Auch wenn es sich um einen Eigennamen handelt, möchte ich auch Otto Rehagel hier nicht unerwähnt lassen. Dehnungs-h mit schönen Augen und Anlaut-h am Anfang heftigen Unwetters, ist es denn so schwer?
Nicht übermäßig beliebt im Sinne von häufig, aber bei mir persönlich ganz weit vorne ist die recht heftige Wörtschöpfung wehhemmend. Wenn Sie nicht sofort drauf kommen, was das sein sollte: Bei mir hat es auch eine Weile gedauert.
Sag nein zum Ignorieren des Tippspiel-Threads!

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Müller
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Beitrag von Müller » Mo Okt 25, 2004 3:21 pm

Proffessor (richtig: Professor)
Google: 19500 Treffer gegen 25 300 000 (naja, sind doch nur 0,8%)

Untericht (richtig: Unterricht)

Rythmus (richtig Rhythmus)
immerhin 5,5% Google-Treffer

auch Rhytmus bietet noch einige Treffer...

und abgedroschen: Wer nämlich und dämlich mit "h" schreibt,...


Hoffe, es hilft etwas weiter,

Müller

Edit: Also ich habe ca. 10 Sekunden gebraucht, um "wehhemmend" zu durchschauen
Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt zur Quelle. Schwimmer gegen den Strom dürfen nicht erwarten, daß dieser seine Richtung ändert.
(Stanislaw Jerzy Lec, 1909-1966)

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Der Korrektor
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Beitrag von Der Korrektor » Mo Okt 25, 2004 3:29 pm

Loïk Le Floch-Prigent hat geschrieben:bei mir persönlich ganz weit vorne ist die recht heftige Wörtschöpfung wehhemmend.
Herrlich, Herr Le Floch-Prigent,

da kommt man wirklich ins Grübeln. Aber immerhin zeitigt Google auch bei so einem Quatsch <a href="http://www.google.de/search?hl=de&q=wehhemmend" target="_blank">41 vehemente Treffer</a> (Google: Meinten Sie "wehemend"?). Eigenartigerweise scheint diese Schreibweise besonders bei Kampfhundfreunden sehr beliebt zu sein.

Es dankt
Der Korrektor
Es war die Personifikation und Inkarnation des Grauens, des Abartigen, des Anderen. Doch bevor er diesen Gedanken vertiefen konnte, riss ihm das Monster gemütlich schmatzend den Kopf ab.

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Beitrag von Müller » Mo Okt 25, 2004 3:29 pm

59762 Datum: 2004-10-24 19:35:31
Karrikatur des Tages ( keine Email / http://www.ov-online.de/v3/karrikatur/karrikatur.html)
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Beitrag von Olaf Ittenbach » Mo Okt 25, 2004 3:39 pm

Müller hat geschrieben:59762 Datum: 2004-10-24 19:35:31
Karrikatur des Tages ( keine Email / http://www.ov-online.de/v3/karrikatur/karrikatur.html)
Das ist kein Fehler, sondern ein Markenzeichen!

Ansonsten wäre da noch das Packet, auch hier dürfte es sich um Denglish handeln. Und dann wäre da noch das allseit's beliebte 's und dessen Geschwister `s und ´s statt ’s, sofern an die Stelle überhaupt ein Apostroph gehört
Der verbreitetste Ruffel ist der Unruffel!

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Beitrag von The Mars Volta » Mo Okt 25, 2004 3:51 pm

Ich kann leider keine Sammlung anbieten, nur fällt mir aktuell das Wort vieleicht ein, das auch wunderbar in die Kategorie "Wie man es spricht, so schreibt man's wohl auch." passt.

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Beitrag von Louis Antoine Saint-Just » Mo Okt 25, 2004 3:54 pm

Mir fallen da aus dem Stehgreif (haha!) insbesondere folgende Beispiele ein, die dann auch exorbitante Werte erzielen:

Stehgreif
7.210 : 14.300 --> 50,4% (oha!)

Häckchen (statt Häkchen):
47.900 : 84.300 -> 56,8%
Nun gut, "Häckchen" könnte auch doppeldeutig sein, aber ein kurzer Blick über die ersten Treffer zeigt, daß es selten um kleine Hackwerkzeuge geht.

Erstaunlich geringe Quoten erzielen hingegen die folgenden Begriffe, bei denen die gefühlte Fehlerhäufigkeit weitaus höher liegt:

Maschiene
22.700 : 1.750.000 --> 1,29%

intelektuell
3.610 : 108.000 --> 3,34%

höhren
16.700 : 1.660.000 --> 1,00%

Auf dieser trotz der durchaus dubiosen Adresse (von der Sie sich bitte nicht abschrecken lassen sollten) sehr lesbaren Seite findet sich auch eine umfangreichere Übersicht unter dem Stichwort "Neoreformierte Rechtschreibung":

http://www.leckse.net/profilieren/rechtschreibung

Mit freundlichen Grüssen (haha!)
LASJ
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Der Korrektor
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Beitrag von Der Korrektor » Mo Okt 25, 2004 4:21 pm

Meine Herrschaften,

ich danke Ihnen für die doch in kurzer Zeit schon so zahlreich eingetrudelten Beispiele, die auch deutlich machen, dass bei diesem Thema wohl jeder seinen persönlichen Leidensdruck hat. Und, wie konnte mir bloß der Stehgreif entfallen, dieser seltsame Vogel! Allerdings:
Louis Antoine Saint-Just hat geschrieben:Stehgreif
7.210 : 14.300 --> 50,4% (oha!)
Bei der Prozentermittlung muss man natürlich gerechterweise von der Gesamtzahl der Versuche ausgehen, das Wort zu schreiben, seien sie nun geglückt oder nicht. Also zum Beispiel:

Stehgreif
7.210 + 14.300 = 21.510, davon 7.210 --> 33,5 %

Grüße
Der Korrektor
Zuletzt geändert von Der Korrektor am Mo Okt 25, 2004 8:12 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Louis Antoine Saint-Just » Mo Okt 25, 2004 4:31 pm

Der Korrektor hat geschrieben: Bei der Prozentermittlung muss man natürlich gerechterweise von der Gesamtzahl der Versuche ausgehen, das Wort zu schreiben, seien sie nun geglückt oder nicht.
8O

Ich würde ja gerne noch antworten, aber ich muß jetzt leider zur Mathe-Nachhilfe. Oder so.

Beschämt ab
LASJ
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Aprilfischer
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Skurriles

Beitrag von Aprilfischer » Mo Okt 25, 2004 5:55 pm

Werter Herr Korrektor,
werte Kokorrektoren,

aus gegebenem Anlass habe ich mich mit dem Wort "skurril" befasst - und das Ergebnis hält, was das Wort verspricht.

Spitzenreiter unter den skurrilen Schreibweisen ist in der Tat
"skuril", das mit 6700 von 64854 Treffern den Aufnahmetest locker besteht (= 10,3 %), dicht gefolgt von
"skurill" (6240 = 9,6 %). An dieser Stelle habe ich mich übrigens gefragt, inwieweit Internetseiten wie diese - oder diese - das Ergebnis dadurch verfälschen, dass mitunter die falschen Schreibweisen als solche gebrand(t)markt werden (ob die von mir zitierte Seite wirklich dazugehört, ist wieder eine andere Frage).

Egal, weiter im Text:
Durchgefallen ist "skuriel" (1480 = 2,3 %), und noch deutlicher "skurriel" (34 = 0,05 %) - obwohl letztere Version erheblich näher am Original ist ("Orginal" übrigens ganz schwach, nur gut 1 %, bestimmt vor allem dank international-phonetischer "i"-Dominanz).

Ich nehme an, dass es sich hier um Profis handelt, die mit "Google" die deutlich ökonomischere Variante http://www.googlefight.com meinen - aber vielleicht gibt es ja Neuankömmlinge, die für den Hinweis auf die Kampfseite dankbar sind.

Dieser Strang wäre, nebenbei bemerkt, ein prima Argument dafür, Strangeröffnungen nur von registrierten Wussowisten zuzulassen. Nach einigen fragwürdigen Gastauftritten ist hier Herrn Korrektor wieder ein veritables Schätzchen geglückt. Mein Kompliment!

Mit schmerzlindernden Grüßen:

Aprilfischer
Wenn du in einem erleuchteten Raum den Lichtschalter drückst, erwarte nicht, dass es heller wird. (Konfuzius)

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Der Korrektor
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Beitrag von Der Korrektor » Mo Okt 25, 2004 6:44 pm

Hochgeschätzter Herr Aprilfischer,

die Varianten "skuriel" bzw. "skurriel" sind sicher deshalb so unbeliebt, weil man hier doch zur gleichen Aussprache wie beim Waschmittel "Ariel" neigt.

Beim Orginal ist wiederum die gefühlte Fehlerhäufigkeit, diesen schönen Begriff borge ich mir gerne bei Herrn Saint-Just aus, doch deutlich höher als nur 1 Prozent. Und tatsächlich verbietet sich in diesem Ausnahmefall Googlefight als Messinstrument, da es auch das ebenso geschriebene englische Wort original mit einbezieht. Nutzt man stattdessen google.de mit der "Seiten auf Deutsch"-Option, ergeben sich mit 234.000 Treffern zu 3.470.000 Treffern immerhin respektable 6,3 %, was eine Aufnahme in die Sammlung doch allemal rechtfertigt.

Besonders schön finde ich es, wenn sich die Falschschreiber bei ihren Kreationen "etwas denken", prominentes Beispiel ist der Flachbrettscanner. Doch auch der Stehgreif, auf den ich nur zu gerne immer wieder zurückkomme, wird eine ähnlich assoziative Etymologie haben: Man steht vorne und greift nach Worten ...

Herzlichen Gruß,
Der Korrektor
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terf
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Beitrag von terf » Mo Okt 25, 2004 7:03 pm

das ist ja alles ganz gut und schön, aber in diesem forum hat es eigentlich nichts verloren. ich verschiebe es einstweilen in die lobby.

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katchoo
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Beitrag von katchoo » Mo Okt 25, 2004 7:13 pm

Eine auch ganz hübsche Sammlung findet sich hier.

Natürlich fallen einige der Beispiele unter Herrn Korrektors Ausschlußkriterien.

Die anderen Listen die http://www.oberlehrer.org zu bieten hat, sind, wie ich finde, ebenfalls nicht zu verachten. (Die URL gab's hier doch hoffentlich noch nicht? Ich konnte sie zumindest nicht finden.)

Nachdem heute mein erster Arbeitstag nach einwöchigem Urlaub war und gerade eine Auflage Prospekte, die man mir, obwohl noch vor dem Urlaub, nicht vorgelegt hat, aufgrund fieser Fehler erneut gedruckt werden müssen, erfreue ich mich derzeit der Sicherheit, einerseits mittelfristig nicht vor die Tür gesetzt zu werden und andererseits vielleicht doch noch den einen oder anderen eigenen und bis jetzt noch nicht genannten Begriff zu dieser Liste beisteuern zu können.

Carola
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Beitrag von Carola » Mo Okt 25, 2004 7:42 pm

Ganz spontan fallen mir da die Eßlöffel ein.

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