Potzblitz

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Quodlibet
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Potzblitz

Beitrag von Quodlibet »

Wieder einmal presste Hans Gästebuch einen Wechselbalg ins grelle Licht des Zwischennetzes:

Schaffen wir ein Asyl für vom Aussterben bedrohte Wörter!

Garstig, dufte, ulkig, töricht, fürwahr, da bin ich bass erstaunt wurden leichthin in die Runde geworfen…

Ich bitte also um weitere Zuschriften – und um dies nicht zum „Blöde-Sprüche-Strang“ verkommen zu lassen auch um die letzte aktuelle Fundstelle des bedrohten Wörtchens und – wenn notwendig – die Bedeutung und ethnologische Heimat.

Tragen Sie also Ihr Scherflein bei…

Bin gespannt wie ein Flitzebogen.

Q.
"Die Dynamik der Verbesserung lässt etwas nach" Frank-Jürgen Weise
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Barschel
Wussow Blockwart
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Beitrag von Barschel »

Ich hoffe, ich bin hier richtig.

Zum einen habe ich in Ihrer Aufzählung das hübsche Wörtchen "tofte" (auch "töfte") vermisst und auch "knorke" fehlte. Schön auch der Ausruf: "Pfui Spinne!"

Zum anderen habe ich so einige antike Redensarten auf Lager, die wegen ihrer eigentümlichen Ästhetik nicht wirklich in den "dumme Sprüche"-Strang passen.

Hier mein erster Liebling, den Sie vermutlich alle kennen. In der ursprünglichen Form lockt er auch keinen hinterm Ofen vor, mit dem ironischen Zusatz allerdings gewinnt er an gewissem Charme:

Hoch die Tassen!: Hoch die Gläser! Prost! (zuweilen mit dem ironischen Zusatz: 'in Afrika ist Muttertag')*

Folgendes wird Ihnen auch geläufig sein. Das Salz in der Suppe besorgt auch hier wieder ein Zusatz:

Da brat' mir (aber) einer 'nen Storch! (auch mit dem Zusatz: "aber die Beine recht knusprig'): da bin ich aber sehr erstaunt, das ist unerhört, das ist unmöglich. Dieser redensartliche Ausruf der Verwunderung hängt damit zusammen, dass Störche in der Tat nicht gebraten und gegessen werden. 'Du kannst mir 'nen Storch braten!' bedeutet aber auch: du kannst mir gewogen bleiben.*

Soweit erst einmal. Sie können mir ja bei Gelegenheit verraten, ob ich mit dieser Art von Beiträgen hier wirklich richtig bin. Gruß vom

großen B.


*Quelle: Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten
Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.
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Pikahuna Burger
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Beitrag von Pikahuna Burger »

meiden sie lästige modewörter wie jetzt. Sagen sie stattdessen lieber itzt. Zeigen sie traditionsbewusstsein.

auch "ob dem" vermisse ich im täglichen Sprachgebrauch.
Hallo erstmal ! Grüße vom PIKATOR
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Olaf Ittenbach
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Beitrag von Olaf Ittenbach »

Sapperlot! Fürwahr ein urster Strang!
Der verbreitetste Ruffel ist der Unruffel!
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Erdgeruch
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Beitrag von Erdgeruch »

Befragen wir doch einige Tattergreise unserer Nachbarschaft.
Es genügt nicht, sich keine Gedanken zu machen, man muss auch unfähig sein, diese auszudrücken.
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The Mars Volta
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Beitrag von The Mars Volta »

Man möge in Zukunft statt der umgangssprachlichen Begriffe "ausziehen" oder "nackich machen" lieber sagen, er/sie/es hat blank gezogen.

Hört sich geilomat an, oder?

Ausserdem liebe ich legliche spontanen Überraschungsausdrücke in der Form "Potzblitz!", "-tausend!", "Tausendteufel!", "Himmelarschundzwirn!", "Kruzitürkn!", "Eiderdaus!", "Herrgottsakra!" usw. usf.
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Belle Tristik
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Beitrag von Belle Tristik »

Meine Oma leitete Erinnerungsgespräche mit ihrem Gatten immer ein mit der Frage: "Gedenkt Dir noch, wie damals..." [dieses und jenes passierte.]

Wunderhübsch, wie ich finde. Vielleicht aber auch falsch oder Dialekt. Ehrlich gesagt: keine Ahnung.

Belle.
"Verlage brauchen ihre Produkte nicht mehr als Kunst auszugeben. Die Wahrheit, daß sie nichts sind als Geschäft, verwenden sie als Ideologie, die den Schund legitimieren soll, den sie vorsätzlich herstellen." (E. Herman)
Adorno
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Beitrag von Adorno »

"plötzlich" wird ja auch viel zu oft verwendet. Sagen Sie lieber "spornstreichs", das hebt die Stimmung und weist Sie als eine kutlivierte, belesene Erscheinung aus, die nicht alle Tassen im Schrank hat.

Von Jean Paul Friedrich Richter stammt meines Wissens auch das brillante Pendant zu "hiesig" - nämlich "dasig" -, welches wirklich schon lange überfällig war.
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terf
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Beitrag von terf »

die oma meiner ex meinte immer, daß sie es dauert, wenn ihr etwas leid tat. aber sie verwandte es auch nur, wenn sie es gar nicht so meinte, die alte hexe!
Laizität

Beitrag von Laizität »

Frau, mit der man fremdgeht = Kebsweib
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Verkatert
Wussow-Todesengel 2005
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Beitrag von Verkatert »

Ein wunderschöner Strang!

Statt "macht´s gut!" (ja, was denn eigentlich?) - was unweigerlich ein "mach´s doch besser" provoziert und somit ab in den blödeste-sprüche-strang gehört - ein traditionelles "Gehab´ dich wohl!"

Gehaben Sie sich wohl,
verkatert
Dürer? Hab ich nie gelesen.
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Quodlibet
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Beitrag von Quodlibet »

Ei der Daus!*

Dieses Gefallen hätte ich nicht zu träumen erhofft! Wobei anzumerken ist,
er/sie/es hat blank gezogen
hat mitnichten etwas mit entblößen gemein…

Nur zu!

Q.

Wußten Sie, daß in dieser Phrase der Teufel steckt?
"Die Dynamik der Verbesserung lässt etwas nach" Frank-Jürgen Weise
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ruffel
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Beitrag von ruffel »

Ich bin eine leidenschaftliche Benutzerin von "zunächst" statt "erstmal".
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Wolpers
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Beitrag von Wolpers »

Quodlibet hat geschrieben:Ei der Daus!*
Oh, sehr schön Herr Q!

Wussten Sie, dass der Daus seinen Ursprung in einem mittelalterlichen Kartenspiel (dem heutigen Skat sehr ähnlich) hat? Dort nämlich war der "Daus" eine sehr hohe Karte, ja man könnte sagen, der "Daus" war ein richtiges As.

Spielte nun jemand diese Karte auf, wurde das Geschehen zur Unterstreichung der Überraschung oftmals mit einem "Ei, der Daus!" quittiert.

Übrigens wurde der "Daus" bisweilen auch "die Sau" genannt. Ob es daher rührt, dass man auch heute noch gerne selbige raus lässt, wage ich aber nicht zu mutmaßen.
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Pikahuna Burger
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Beitrag von Pikahuna Burger »

Was auch schön ist; aber nur im schwäbischen richtig zu Geltung kommt an irgendwelche Adjektive ein "inchen" dranhängen. Wie? zu blöderinchen? Macht nichts; trinken Sie was oder nehmen sie andere Drogen. Dann lachen Sie auch obschon es eigentlich sehr scheißerinchen ist.
Hallo erstmal ! Grüße vom PIKATOR
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