Teenage Dresscodes

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Prof. Adorno
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Beitrag von Prof. Adorno »

Und ich werde zur Strafe auch noch diesen Strang ignorieren.
Ich bin gut informiert. Ich weiß viel. Ich habe viel Material.

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Cherno Jobatey
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Beitrag von Cherno Jobatey »

Prof. Adorno hat geschrieben:Und ich werde zur Strafe auch noch diesen Strang ignorieren.
Sie haben es so gewollt, Professor. Ich ignoriere im Gegenzug Sie.

Und damit zurück zum Thema.
In England haben speziell bei den Schulbuben die Werbespots für <i>Lynx</i> (= <i>Axe</i>; Posting Nr. 21) derart eingeschlagen, daß die Lehrkräfte in den Klassenzimmern kaum noch Luft bekommen.
Aber dürfen die Lehrer sich wirklich beschweren? Sie selbst sind dafür um so tätowierter. Nicht mal die britische Soldatenschaft kann mehr mit ihnen mithalten.

Sassi

warum lasst ihr sie nicht tragen was sie wollen?

Beitrag von Sassi »

Sag mal ich versteh euren Aufruhr hier echt nicht.
Warum das ganze? Lasst sie doch tragen was sie wollen. Die Skater und Rocker tuns doch auch. Da beschwerrt sich keiner darüber. Man kann auch diese Meinung vertreten, ohne diese Klamotten zu tragen. Und warum tragen dann teilweise Ausländer Lonsdale?

Und im übrigen, wir sind doch ein Land der Meinungsfreiheit. warum darf man dann diese Meinung nicht haben`?????
Ich kann mir kaum vorstellen, dass ihr es toll findet wie die meisten auf unsere Kosten leben und "Deutschland" damit irgendwann zu Grunde geht???
Und das ist leider Fakt.

Ich lasse die Ausländer in Ruhe und die mich.
Ich mag die nicht, die hier leben vom Staat und nie mehr zurück gehn-
Deshalb bin ich aber nicht rechts.
Was Hitler damals gemacht hat, war falsch klar. Aber deshalb muss man die Ausländer noch lange nicht lieben.
Geht doch mal in die Türkei, lebt da 10 Jahre oder mehr. Glaubt ihr deshalb seid ihr dann auch Türke? NEIN:

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Barschel
Wussow Blockwart
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Beitrag von Barschel »

Hach, dieser Doppelpunkt hinter dem kapitalen Nein, das hat schon was.

Aber trotzdem hätte ich Ihren Beitrag doch eher hier vermutet.

JA:
Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.

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BLUBBER
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Beitrag von BLUBBER »

Wussten sie, das man in Bundeswehrkasernen über die Kurzwahl 88 die Auskunft erreicht?

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Axel G.
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Beitrag von Axel G. »

Wußten sie, dass der Titel eines Stranges auch etwas über dessen Inhalt auszusagen hat?

A.G.
"Diese Zustände werden wir nicht weiter hinnehmen - gegen diesen Haufen kann man sich ja kaum mehr auf der Straße blicken lassen!"

justine
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Beitrag von justine »

Skandalstrickjacken!
War nicht sicher, ob das in den SPON-Strang gehoert, oder gab es nicht irgendwo mal einen Kinka-Kissen-Strang?
Jedenfalls hat Esprit Strickjacken produziert, die rechtsradikales Gedankengut verbreiten. Sehen Sie es sich nur an:
Bild
Unerhoert! Das ist ja eindeutiger als LoNSDAle!
hier und hier

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Quodlibet
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Beitrag von Quodlibet »

Oh, entweder ist das wirklich dreist, oder die lassen ihre Joppen in Indien fertigen und der Einkäufer hat bei der Abnahme gepennt.

Aber mal eine ganz andere Frage, diese albernen und viel zu kleinen Basecaps, die man jetzt immer öfter sehen kann (bisher nur bei männlichen Teenagern), haben die auch irgend eine versteckte Botschaft, außer "Ich weiß, daß ich damit echt scheiße aussehe"?
"Die Dynamik der Verbesserung lässt etwas nach" Frank-Jürgen Weise

Stoßseufzer

Beitrag von Stoßseufzer »

Jajaja, was meinen Puls momentan zum kochen bringt sind zuhauf diese Erstsemester-Erscheinungen:
Bild
Cool, daß solche Schopfe das hinbringen, dieses Hassende in mir zu kitzeln, ebenso wie hochgestellte dünne Krägchen. How does that work, Mr. Pawloff? Vor 10 Jahren gab es gar nix, daß dieses ekelige Gefühl von Plastik und verkümmerten Gehirn in mir evozierte, es kommt aus mir selber dieser Ekel.
"Emofrisuren" kauderwelschte es mir eben bei der Hassbild-Suche entgegen. "Fallallaarotzodigallofrisur" gälle ich zurück! Mit Recht!

Gottseidank: Alles sei momentan erlaubt (frisurentechnisch! bei Männern!), bin außer Gefahr.

Tschö mit ö.

DirtDigger

Beitrag von DirtDigger »

Emos werden auch in Verbindung mit der "Playmobil-Frisur" gebracht.
Gar nicht leicht sich diesem Phänomen zu nähern. Die Bildsuche bei google erbringt nichts näheres, man muss es schon über die Textkritik erschließen.

In einem Beauty-Forum meint eine junge Frau:

"Einmal diese "60`s"-Modtypen (Britpopkerle) mit "Playmobil-Frisur"(eben so läner und ins Gesicht), etwas a la Oasis-(wobei ich diese Gallagherbrüder einfach nur prolig finde von ihrer Art)."
http://board.beauty24.de/showthread.php ... adid=27913


Dann heißt es in einem wegen meines fortschreitenden Alters schon nicht mehr total verständlichen Satz (was ist "Screamo"?):

"Screamo- oder Metalcorejungs müssen eine schwarz gefärbte Playmobilfrisur, hellblaue Jeans und ultraenge, schwarze T-Shirts tragen. So lautet das ungeschriebene Gesetz."
http://www.bandsmagazine.ch/konzertberi ... 32006.html

Auch junge Christen machen da mit:

"Die alternative Christenszene wandelt sich; Playmobilfrisur und buttonbewehrte Sweater sind Birkenstock und Norwegerpulli von heute. Klar, dass dann auch die Wanderklampfenmusik einer entsprechenden Generalüberholung unterzogen werden musste."

http://www.sound7.de/soundcheck.php?art ... &channel=4

Als berühmte Referenzen werden Ingo Appelt, Peter Klöppelt und Angela Merkel genannt. Ich glaube, das hilft auch nicht so recht weiter.
Ich denke, da ist eher so was gemeint:

http://www.pbase.com/camera0bug/image/22264920

Stoßseufzer

Beitrag von Stoßseufzer »

Ah ja, danke Herr Digger für den kleinen Überblick. Ich hatte die selben Googel'schen Suchprobleme, bin prompt im selben Beautyforum gelandet, das wohlgemerkt schon 2002 "Playmobil-Frisur" ins Spiel bringt.

Naja, heute sah ich dem schicken Inferno auch schon wieder lässiger entgegen. Übel nehme ich denen wohl das Mehr an Zeit, das die in Frisur, Gesichts-, Bodypflege und Schick stecken, aber mit dem Verweis auf Metrosxl. bisse sich dieser Strang ja in den eigenen Schwanz, um danach selber gemetrosexuellt etc pp

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Prof. Adorno
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Beitrag von Prof. Adorno »

Die 'Oldenburgische Volkszeitung' (Vechta) zu dem ganzen Amokblabla (Auszug in der FAZ vom 8.12.06) hat geschrieben:Ein standardisierter Notfall-Plan ist erforderlich. Denn laut Experten war die Bedrohung sehr ernst zu nehmen. Nicht nur die zeitliche Nähe zum Amoklauf in Emsdetten ist auffällig, sondern auch die Wiederkehr von Aspekten wie Entschlossenheit zum Selbstmord, Einzelgängertum, Internet, Killerspiel. Ein Muster. Die Frage, ob es bereits eine Art 'Szene' potentieller Amokläufer gibt, muß geklärt werden.
Muß sie? Muß sie.

In diesen Teil Oldenburgs verirren sich brave Bürger selten: in der St. Anger-Straße trifft sich alles, was in der Isolierten- und Marginalisiertenszene Rang und Namen hat. Im Club 'Festung der Einsamkeit' feiert gerade der 'Bundesverband der Eremiten' lautstark und feuchtfröhlich seinen Jahrestag, nebenan, in 'Ede's Frustrations-Stüber'l'chen' tagt gerade der Debattierklub der Autistengewerkschaft. Doch uns zieht es in düsterere Gefilde. Das 'Amour fou' ist Treffpunkt für Oldenburgs harte Amok-Szene. Der Türsteher, ein äußerlich ganz normaler junger Mann, höflich, zurückhaltend, unauffällig, winkt uns freundlich lächelnd herein, bevor er urplötzlich mit einem unartikuliertem Schrei und wildem Händegefuchtel in die Nacht hinausstürmt.

Innen nimmt uns der Geruch von Moschus, schwerem Parfum und verbotenen Sex-Drogen für einen Moment den Atem. Wir sehen noch mehr scheinbar harmlose junge Männer, die schüchtern herumstehen, wenig sprechen, ganz normalen Hobbys nachgehen. Sie interessieren sich für Modelleisenbahnen, Tennis oder ultrabrutale Gewaltverherrlichung: "Viele von uns lassen den Abend mit leichten Sachen beginnen, so etwa der 'Tagesschau'", gesteht uns einer von ihnen nicht, weil er zu gehemmt zum Sprechen ist. Doch in separierten Einzelzimmern nehmen dann die Exzesse Ihren Lauf: kleine Grüppchen, die sich enthemmt FAZ-Leserbriefe vorlesen; Pärchen, die sich an den neuesten Arbeitslosenzahlen aufgeilen. "Die intellektuelle Verwahrlosung der Rechtspresse ist für uns der äußerste Extrem-Kick; hier steigt unser Zorn ins Unermeßliche", verschweigt uns ein [...]


Die Fortsetzung lesen Sie morgen sowie das ganze Wochenende über überall, in Fernsehen, Presse und TV. Schalten nicht Sie ein, wir schalten Sie ein!
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Prof. Adorno
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Re: Teenage Dresscodes

Beitrag von Prof. Adorno »

Beckham – Wanderungen einer Frisur. Ein kulturanalytisches Lehrstück

Die Historie des Phänomens ist das Entscheidende. Beckham trug die nach ihm selbst benannte Frisur, die Beckhamfrisur, ca. im Jahr 2000, vielleicht auch wann anders. Im Zuge seiner tatsächlich sensationellen Kick- und Herumtreterfolgen dauerte es nicht allzu lange, bis bei der zuerst britischen, dann gesamteuropäischen und schon damals nicht gerade hellen Großstadtjugend der Groschen fiel: Keilfrisur istgleich Erfolg, Schlag bei Frauen, Remmidemmi! Der ‚Beckham’ an und für sich bedurfte dabei keines großen hermeneutischen Aufwands: es war der aus Gel nachgebaute Hahnenkamm. Der Hahn, der cock – in der Anverwandlung ans Tier steckt hier wie ehedem der gute alte Machismo (Phallus, Pimmel).

Wenig später, Beckham hatte inzwischen den Keil ab-, sich auf Poshspice drauf- und eine neue Frisur zugelegt, angesiedelt zwischen Skinhead und Pinhead, dann später was mit Zöpfchen, egal – in jedem Fall war das Phänomen bereits verselbständigt. Die uptodaten Großstädter hatten’s zwar geschwind mitbekommen und es Beckham gleichgetan – doch in der Provinz trat eben der Keil dann einen beispiellosen Siegeszug an; Frisur und Frisierkopf hatten sich „entkoppelt“ (Luhmann). Die Vorlage Beckham war längst vergessen, bedeutungslos; es zählte das bloße Ornament, das bis auf den heutigen Tag in den Dorfdiskos umeinandermäandert und gar nicht dran denkt, damit aufzuhören! An sich bereits aerodynamisch geformt, gleitet der Beckham nun widerstandslos durch die Welt, trotzt windschnittig dem Sturm der Geschichte, welcher schon ganz andere Phänomene des frühen 21. Jahrhunderts – Blümchen, Captain Jack, Dönhoff – vernichtet hatte. Das alles ist für sich besehen natürlich durchaus nichts Neues, im Gegenteil: bloßes Symptom des seit ca. 200 Jahren wohldokumentierten Fakts, daß die Angehörigen der unteren Schichten den Prunk der Herrschenden zwar zeitversetzt und sinnentleert, doch stets noch assimilieren, und sei er noch so blöd – kulturanthropologisch also Kleingeld.

Doch dann – das schlagende Argument der Empirie! Der Verf. dieses Beitrags, selbst Provinzler bis ins Mark, saß dumm auf dem Ku’damm herum, lutschte ein Schleckeis in sich hinein, dachte an nichts, freute sich an der ihn umgebenden Urbanität. Da schob sich ein Grüppchen von Zwanzigjährigen heran. Gertenschlank, solariengebrutzelt – und auf dem Kopfe, als hätten sie niemals Lyotard gelesen, den Keil, den Beckham! Jaleckmichfett! Dem gesamten Habitus war unmißverständlich zu entnehmen: wir sind Avantgarde, ihr seid scheiße, Beckham rulez. Die Provinz war an sämtlichen Verteidigungslinien vorbei ins Adyton urbanen Lebens eingedrungen, das Alpha ward zum Omega, die Geschichte stand kopf. Sämtliche wohlfeile Modernetheorien waren hinfällig geworden, die Urbanisierungsforschung auf Jahrzehnte hinaus beschädigt. Der Betrachter nuckelte nun sehr viel nachdenklicher an seiner Eiskrem herum.

Was ist die Moderne? Der große S. Kracauer vermutete sie noch in den „von Ford“ (Das Ornament der Masse) massenfabrizierten Revuegirls – heute wissen wir: sie steckt im Beckham bzw. dem Lorealstudio Paris und seiner Geilheit, quatsch: Gelheit. In Kinshasa, Lhasa oder Mombasa sieht man antike Vorläufer: Buddhastatuen mit irokesenmäßig nach oben hin verlängertem Schädel, Weisheit symbolisierend. Beim ähnlich verzierten Urzeitsauriervieh Triceratops steht sie hingegen für ein erdnußgroßes und erschütterungsresistentes Gehirn. Ein Widerspruch? Nur scheinbar! Denn im modernen Großstadtjüngling, dem metrosexuellen, metrofahrenden, bei Metro einkaufenden urbanen Jungdepp treffen sich Weisheit wie Winzhirn auf Augenhöhe, sagen einander Grüßgott und auf Wiedersehen – man kennt sich. Einen Beckham-Schädel erschüttert nichts. Der Buddha, der so weltabgewandt vor sich hin starrt – hat er nicht ein Headset eingestöpselt? Der Triceratops – trägt er nicht ein Muskelshirt? Kulturanthropologisch gesehen auf jeden Fall, freilich! Ob in New York oder in Nürtingen, in Philadelphia oder Viehhausen, auf Madeira oder auf Sherry – überall stelzt er durch die Gegend und schiebt seinen keilförmigen Kopf in den Himmel, jener so leer wie dieser. Theodizee at its best.

„Einen Keil zu treiben“ (Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung) zwischen Anspruch und Wirklichkeit, dies war Zentralbegehren des „unvollendeten Projekts Moderne“ (Habermas). War Beckham Habermarsianer? Wohl kaum. Er war vielmehr: Marxist! Wie lesen wir’s im Kommunistischen Manifest: die „Beseitigung des Unterschieds von Stadt und Land“ ist Kennzeichen der Utopie, des Glücks schlechthin! Der Beckham macht’s möglich. Minikaff und Megacity vermengen sich in hoc signo zum universellen Gesamtprovinziariat; Dorfdepp und Urbanidiot, Landmaus und Stadtmaus, Aufklärung und Massenbetrug versöhnen sich, überwinden ihre Spaltung (gebannt in das Symbol des trennenden Keils!), reichen sich die Hand und gelen sich den Kopf, das Ende der Geschichte zu feiern, hallelujah.

Fazit: Der Beckham ist vielleicht nicht schön, aber historisch notwendig.
Ich bin gut informiert. Ich weiß viel. Ich habe viel Material.

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Paschinski
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Registriert: Mi Dez 13, 2006 5:55 pm
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Re: Teenage Dresscodes

Beitrag von Paschinski »

Interessant auch die Entwicklung, die die Phantombildindustrie mitmachen muss. Die armen Leute häckseln, sägen und pürieren tagein und tagaus. Und wenn dann einer mit nem Haufen Scheiße auffem Kopp gesucht wird, haben die doch glatt die passende Vorlage. Chapeau!
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Die Meldung: http://www.westline.de/index_8814.php
Schlangen und Katzen können nicht Schlatzen zeugen. (Niklas Luhmann)

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