Rechtschreibreform

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Malimarc
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Beitrag von Malimarc »

Och noee, muss das jetzt sein?

Sie, Herr Mugabe, sind doch sonst intelligent und nicht auf den Kopf gefallen - da moechten Sie doch uns nicht weismachen, sie haetten nicht verstanden, wass der Herr Korrektor mit "Regeln" gemeint hat. Der Link ist ja tatsaechlich recht nett, aber dass Sie das so aggressiv und streitsuchend verpacken muessen?

Da fand ich Herrn Adornos Vorstoss wg. Tippspiel kreativer.
Robert Mugabe
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Beitrag von Robert Mugabe »

Ich bitte um Verzeihung.
Es stimmt. Ich werde - wie sich in diesem Strang ja auch nachlesen läßt - beim Thema Rechtschreibreform mitunter etwas ungehalten.

Allerdings glaube ich tatsächlich, daß der Korrektor sich nicht im klaren darüber ist, um was für eine Art von Regeln es sich in der Rechtschreibung handelt (die Reformer insgesamt - verzeihen Sie bitte die wiederum harten Worte - haben es nicht verstanden).

Um bei dem hier angesprochenen konkreten Fall zu bleiben: Wer sich für Stilleben ernsthafter interessiert und sich eingehender mit ihnen befassen und auch Literatur über sie lesen möchte, der ist gut beraten, sich an die Schreibweise <i>Stilleben</i> mit zwei <i>l</i> zu gewöhnen. In dieser Schreibweise nämlich wird er das Wort in 95 Prozent der Bücher, die er liest, antreffen.

Verinnerlicht er dagegen die angebliche Regel, daß "man" <i>Stillleben</i> mit drei <i>l</i> schreibt, dann wird er sein Leben lang (oder jedenfalls so lange, wie er sich mit Stilleben befaßt), über die Schreibweise mit zwei <i>l</i> stolpern.

Das ist nun mal so. Darin liegt der große und nicht zu reparierende Denkfehler der Rechtschreibreform. Rechtschreibung ist nicht für den Schreiber, sondern für den Leser da. Rechtschreibung ist eine seit Generationen eingespielte Konvention. Und auch sechs Jahre nach der Reform gibt es jede Menge kluge Verlage, die das wissen und beherzigen. Schauen Sie nur:

<img src="http://images-eu.amazon.com/images/P/38 ... ZZZZZZ.jpg">

(<b>Erscheinungsdatum: September 2004</b>)
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Malimarc
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Beitrag von Malimarc »

Nun, vielleicht ist Stilleben/Stillleben kein so recht gutes Beispiel (dies sei kein Angriff auf Sie, Herr Mugabe, da das Beispiel ja von Herrn Korrektor stammt, und Sie es ja nur aufgegriffen haben), da ja grundsaetzlich (d.h. ohne implizierte Bedeutung) beide Varianten vorkommen koennten (also Leben mit Stil, stilles Leben). D.h. die Schreibweise Stilleben in einer Publikation muesste also nicht unebedingt darauf hindeuten, dass der Publizist die Rechtschreibreform grundsaetzlich ablehnt, sondern bspw. Ignoranz oder aber auch die Vorstellung, dass es sich beim Stilleben ueberhaupt nicht um ein "zusammengesetztes" Wort handelt sondern eher sowas wie ein "Terminus technicus" oder so aehnlich

Ggf. muss ich obige Aussage korrigieren, es koennte sich auch um ein gerade deswegen sehr gutes Beispiel handeln.

Es muss doch bestimmt auch eine Neuerscheinung zum Thema Schiffahrt/Schifffahrt geben, wie sieht es denn da aus?
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Tscheki
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Beitrag von Tscheki »

Sie, Herr Mugabe, sind doch sonst intelligent
Ah! Schon wieder dieses "sonst intelligent"! Ich fordere Sie auf, sich bei Hrn. Mugabe zu entschuldigen.
Ist Ihnen dieses Forum zu verweichlicht, zu ehrpusselig, zu konservativ? dann hier entlang. . . zum Hardcore-http://www.idiotenforum.de!!
Robert Mugabe
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Beitrag von Robert Mugabe »

Haben Sie Dank für Ihren Beistand, Tscheki.
Aber wissen Sie, wer Beistand bald viel nötiger haben wird?
Der <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1 ... ntent.html" target="_blank" class="postlink">Korrektor</a>!
Robert Mugabe
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Beitrag von Robert Mugabe »

Im nächsten Duden (August) soll jetzt u. a. auch <i>sogenannt</i> wieder "erlaubt" sein.
Muß man sich da - gerade als Korrektor! - nicht etwas blöd vorkommen?
Fünf Jahre lang hat man gewissenhaft jedes <i>sogenannt</i> zu <i>so genannt</i> verbessert.
Jetzt auf einmal heißt es wieder, daß das wohl doch eher Quatsch war.
Hätte man da nicht auch selbst drauf kommen können?

- Es braut sich was <a href="http://www.bild.t-online.de/BTO/news/20 ... engig.html" target="_blank" class="postlink">zusammen.</a>
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Olaf Ittenbach
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Beitrag von Olaf Ittenbach »

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Der Korrektor
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Beitrag von Der Korrektor »

Robert Mugabe hat geschrieben:Muß man sich da - gerade als Korrektor! - nicht etwas blöd vorkommen?
Fünf Jahre lang hat man gewissenhaft jedes <i>sogenannt</i> zu <i>so genannt</i> verbessert.
Jetzt auf einmal heißt es wieder, daß das wohl doch eher Quatsch war.
Herr Mugabe,

vielleicht überschätzen Sie den emotionalen Einsatz, mit dem ich meinem Job nachgehe, jedenfalls ist es mir eigentlich ziemlich egal, ob "so genannt" nun auseinander oder zusammengeschrieben wird (allerdings finde ich bei diesem Beispiel die zusammengeschriebene Variante einleuchtender). Ob jemand die deutsche Sprache beherrscht, macht sich nicht daran fest, ob er nun der 20., 21. oder 22. Auflage des DUDENs folgt oder aber auch dem WAHRIG - Hauptsache er hält überhaupt irgendwelche Regeln ein.

Und "Regel", das hat Herr Malimarc schon verstanden, meine ich nicht im Sinne von "Vorschrift", sondern im Sinne von "Übereinkunft" - welche letztlich dem Leser das Lesen erleichtern soll.

Sprich: Ich bin ganz sicher nicht der Reformfanatiker, für den Sie mich halten, sondern sehe die ganze Sache recht pragmatisch. Um auf das Beispiel "Folgendes" zurückzukommen: Es ging mir nicht darum, dass die Großschreibung die "bessere" Schreibung ist, sondern nur darum, dass "Folgendes" nun einmal im vorliegenden Kontext nach aktuellen Dudenregelungen großgeschrieben wird und man ja nicht noch zusätzlich Verwirrung stiften muss, indem man es dann im Forum kleinschreibt.

In meinem Korrekturservice biete ich ja auch explizit die Korrektor nach alter Rechtschreibung an; ein Angebot, was freilich seit ca. 4 Jahren nicht mehr nachgefragt wurde. Was ich verstehen kann. Es würde sich ja auch niemand von einem IT-Spezialisten sein Netzwerk mit Windows 3.11 for Workgroups einrichten lassen.

Letztlich halte ich es aber fürs gegenseitige Verständnis wichtiger, dass man (wenigstens grundsätzlich) den Unterschied zwischen "das" und "dass" beherrscht, für weniger relevant halte ich es, ob man dann "dass" oder "daß" schreibt.

Freundliche Grüße
Der Korrektor
Es war die Personifikation und Inkarnation des Grauens, des Abartigen, des Anderen. Doch bevor er diesen Gedanken vertiefen konnte, riss ihm das Monster gemütlich schmatzend den Kopf ab.
Robert Mugabe
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Beitrag von Robert Mugabe »

Der Korrektor hat geschrieben: Es ging mir nicht darum, dass die Großschreibung die "bessere" Schreibung ist, sondern nur darum, dass "Folgendes" nun einmal im vorliegenden Kontext nach aktuellen Dudenregelungen großgeschrieben wird und man ja nicht noch zusätzlich Verwirrung stiften muss, indem man es dann im Forum kleinschreibt.
Nun hat z. B. gerade dieses Forum aber als Gastgeber ein Magazin, in dem "folgendes" klein geschrieben wird und die - noch! - aktuellen Dudenregelungen <i>nicht</i> befolgt werden. Gibt Ihnen das nicht zu denken?
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Beutelrobotier
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ja also...

Beitrag von Beutelrobotier »

Robert Mugabe hat geschrieben: ..innerlicht er dagegen die angebliche Regel, daß "man" <i>Stillleben</i> mit drei <i>l</i> schreibt, dann wird er sein Leben lang (oder jedenfalls so lange, wie er sich mit Stilleben befaßt), über die Schreibweise mit zwei <i>l</i> stolpern.

Das ist nun mal so. Darin liegt der große und nicht zu reparierende Denkfehler der Rechtschreibreform. Rechtschreibung ist nicht für den Schreiber, sondern für den Leser da. Rechtschreibung ist eine seit Generationen eingespielte Konvention. Und auch sechs Jahre nach der Reform gibt es jede Menge kluge Verlage, die das wissen und beherzigen. Schauen Sie nur:
<skip>
Also wenn das so ist: dann fördere und erhalte ich ab sofort die Form mit ¡einem! L:
Stil->Eben.

Frau weiß was sie erfreut, und woran der geschwollene Kamm zu erkennen ist.

Süße Träume
Zuletzt geändert von Beutelrobotier am Do Jul 22, 2004 2:05 am, insgesamt 3-mal geändert.
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MMC
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Beitrag von MMC »

Robert Mugabe hat geschrieben:
Der Korrektor hat geschrieben: Es ging mir nicht darum, dass die Großschreibung die "bessere" Schreibung ist, sondern nur darum, dass "Folgendes" nun einmal im vorliegenden Kontext nach aktuellen Dudenregelungen großgeschrieben wird und man ja nicht noch zusätzlich Verwirrung stiften muss, indem man es dann im Forum kleinschreibt.
Nun hat z. B. gerade dieses Forum aber als Gastgeber ein Magazin, in dem "folgendes" klein geschrieben wird und die - noch! - aktuellen Dudenregelungen <i>nicht</i> befolgt werden. Gibt Ihnen das nicht zu denken?
Ich denke, dass wir hier nicht als Claqueure unseres "Gastgeber"-Magazins herhalten muessen sondern auch in der Lage sein sollten, geistige Unabhaengigkeit zu demonstrieren. Durch die Aenderung in "Folgendes" hat Herr Terf Mut und Eigenstaendigkeit bewiesen. Wir sollten das wuerdigen und nicht kleinreden.
Robert Mugabe
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Beitrag von Robert Mugabe »

Ach, MMC.
Was Sie "geistige Unabhängigkeit" nennen, nennen andere - - -
doch lesen Sie selbst:
ein paar herrlich deutliche Worte von <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF41441 ... ntent.html" target="_blank" class="postlink">Hans Magnus Enzensberger</a>.
Gast

Beitrag von Gast »

jetzt habe ich "Stillleben" nur in 5 % der Bücher ausfindig machen können. Doch ach! was verrät Grimms Wörterbuch über die Wurzeln dieses Wortes?
STILLEBEN, n., aus still, adj., und leben, n., seit der 2. hälfte des 18. jhs.; zunächst für das 'stilleben in der malerei' gebraucht (im anschlusz an holl. stilleven, 17. jh., engl. still-life; engl. belege seit 1695 bei MURRAY 9, 1, 962b. von da übertragen auf 'idyllisches, zurückgezogenes leben'. den übergang bildet das dichterische stilleben als schilderung idyllischer zustände. bei den belegen des 19. jhs. ist jedoch für die bedeutung 'idyllisches leben' weitgehend mit selbständiger neubildung (ohne anlehnung an das malerische stilleben) zu rechnen; im heutigen sprachbewusztsein ist eigentlich nur das malerische stilleben lebendig.
die zeugnisse für 'stilleben in der malerei' beginnen rund 30 jahre früher (1776) als die für das 'idyllische leben' (anf. des 19. jhs.). voraus geht die bezeichnung stilliegende sachen für das malerische stilleben (seit dem anfang des 18. jhs. für holl. stilstaand leven und stilliggend leven...
Und was spräche jetzt dagegen, sich auf die ursprüngliche Bedeutung des Substantivs zu besinnen und dieses mit drei "L" zu schreiben? Nein, diese unsinnige Reform aber auch...
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Der Korrektor
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Beitrag von Der Korrektor »

Robert Mugabe hat geschrieben:Nun hat z. B. gerade dieses Forum aber als Gastgeber ein Magazin, in dem "folgendes" klein geschrieben wird und die - noch! - aktuellen Dudenregelungen <i>nicht</i> befolgt werden. Gibt Ihnen das nicht zu denken?
Um ehrlich zu sein, nein. Sprechen Sie übrigens von dem gleichen Magazin, welches in den "Briefen an die Leser" permanent die direkte Anrede Plural "ihr" großschreibt? Was wohlgemerkt auch vor der Reform schon grottenfalsch war.
Robert Mugabe hat geschrieben:ein paar herrlich deutliche Worte von Hans Magnus Enzensberger.
Wieso sind eigentlich vor allem alte Säcke gegen die Rechtschreibreform? Gibt Ihnen das nicht zu denken? Wie gesagt, ich bin kein "Fan" der Rechtschreibreform, aber Ihre fanatische Art schreit ja geradezu nach Widerspruch.

Grüße vom
Korrektor
Es war die Personifikation und Inkarnation des Grauens, des Abartigen, des Anderen. Doch bevor er diesen Gedanken vertiefen konnte, riss ihm das Monster gemütlich schmatzend den Kopf ab.
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MMC
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Beitrag von MMC »

Wenn man bei Hans dem Grossen mal beispielsweise einen Abschnitt wie diesen herausgreift:
Damit meine ich zum einen die Schullehrer. Sie sind allesamt praktisch unkündbar; selbst einen Narren oder einen Alkoholiker loszuwerden, verbietet das heilige Beamtenrecht. Gleichwohl halten sich sogar Pädagogen, die aus Erfahrung wissen, daß die Reform ihre Schüler schädigt, sklavisch an die unsinnigen Vorschriften von Amtsinhabern, die selber nicht imstande sind, einen vernünftigen deutschen Satz hervorzubringen.
Also jetzt mal ehrlich, das ist doch populistisches Gefasel. Ein kodensierter, inhaltsloser Rundumschlag bezueglich liebgewordener Klischees. (Lehrer-Alkoholiker, Beamtenschelte, deutscher Gehorsam, Schaedigung der Schueler, usw. ). Dialektisch nicht schlecht aufgezogen, aber letzlich inhaltslos.
Zuletzt geändert von MMC am Do Jul 29, 2004 3:08 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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