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Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 1. Mai 2011, 14:33
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
http://www.youtube.com/watch?v=PdFt3NEXcCY Ein geniales Werk! Eine geniale Bild-und-Ton-Collage!
Auch meine Ente kann sich an diesem Video nicht satt sehen!
http://www.facebook.com/pages/Pulcinato ... 5583858749 (Das Forum der Ente)
ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 14. Mai 2011, 10:12
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Pulcinator als Gast in einer Talkshow! Zum ersten Mal in der TV-Geschichte nimmt ein sprechendes Tier an einer TV-Diskussionsrunde teil! Mehr dazu hier:
Gastgeber: John Querner; Gäste: Prinzessin Estefania, Verona, die Ente Pulcinator, Prof. Tüdeltack, Ökemöke - und als Provokateur der fiese Percyval, der glaubt, mit seinem Geld die Welt manipulieren zu können.
Zum Verständnis sei gesagt: Es ist eine virtuelle Talkshow, die wir hier in Freiburg mit primitiven, technischen Mitteln aufzeichnen werden und dann bei youtube reinstellen! Vorher erfinde ich den Verlauf des Gesprächs - und das wird hier nur teilweise vorher veröffentlicht!
John Q:"Herzlich willkommen in meiner Sendung! Ich begrüße Eure königliche Hoheit Prinzessin Estefania, Verona Quacküsemang, dann Deutschlands älteste, aktive Hippiefrau - Ökemöke von Gonsenheim, und noch Herrn Prof. Eulogius Tüdeltack sowie den Chef der Heuschreckenbank Percyval Seallord - und natürlich unsere sprechende Ente Pulcinator di Campi Bisenzio!"
Pulcinator:"Als Ente will ich mal anfangen! Wenn ihr nix dageben habt!"
John Q:"Na dann quak mal los, Ente!"
Pulcinator:"Es ist nicht 5 vor sondern schon 5 nach 12! Es ist einfach unfassbar, wie es mit der Gesellschaft in diesem Lande den Bach runtergeht! Ein arrogantes Gutmenschentum, Überheblichkeit und Ungerechtigkeit greifen immer mehr um sich! Sind wir ein dekandentes Pack? Sind wir grausam?"
Prinzessin Estefania:"Ich hätte es ein wenig freundlicher formuliert, aber die Ente hat nicht ganz unrecht!"
John Q:"Liebe Ente, nennen Sie uns doch mal ein Beispiel? Was machen wir Menschen falsch?"
Pulcinator:"Thema Babies und KITA für die unter 3-Jährigen! Fast alle Politiker labern über eine Erhöhung der Quote! Wollen die eigentlich die Babies für blöd verkaufen? Schon mal was von Bindungstheorie gehört? Es ist einfach ein übel unserer Zeit, dass die Kleinen zu wenig Zuwendung bekommen! Morgens liefert die Mama das Baby in der Kita ab und 12 Stunden später holt sie es wieder ab; wie soll es da Vertrauen lernen?"
Verona:"Aber nicht alle Mütter stecken ihr Baby in die Kita!"
Pulcinator:"Okay, die meisten warten, bis das Kind 12 Monate alt ist - aber 10 bis 20 Prozent zumindest der großen Babies halten sich dort tagsüber auf."
Merkel:"Gehöre ich auch zu den 10 bis 20%?"
John Q.:"Watt? Wer bist Du denn?"
Ökemöke:"Wer hat den Müttern eigentlich jahrhundertelang eingeredet, ihren eigenen Babies die Zuwendung zu verwehren? Das waren doch solche Typen wie Sie, Percyval! Früher waren es böse Diktatoren oder Könige, heute treiben die Finanzheusch recken dasselbe Spiel!"
Percyval:"Das ist ja eine Unverschämtheit! Wie können Sie sowas sagen?"
John Q:"Ruhe im Schiff! Noch ein Wort und ich werfe Sie beide aus der Sendung!"
Prof. Tüdeltack:"Ich habe dazu auch noch was zu sagen! Vor sehr langer Zeit kamen böse Aliens auf die Erde, welche den zwischenmenchlichen Frieden zerstörten! Zuerst brachten sie die Gewalt in die Sexualität, was folglich zu Mord und Krieg führte. Danach redeten sie den Menschen ein, die Baby-Eltern-Bindung zu sabotieren - warum? Um die Kleinen schon früh zu willenlosen Sklaven der Mächtigen abzurichten!"
Percyval:"Da haben Sie Recht! Das ist unser Ziel!"
Ökemöke:"Jetzt sind Sie entlarvt! Leute wie Sie gehören hinter Gitter!"
später mehr, ciao, euer Kükator
Entwurf für BUCH (in From eines Interviews)
Verfasst: 14. Mai 2011, 10:23
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
(Abenteuer eines verrückten Deutschen)
Interviewer Mr. Bullfroggy: Auszüge aus dem Leben eines Menschen namens Eulogius Tüdeltack.
Pulcinator:"Am besten erzähl ich kurz was über mich selbst! Ich wurde 1984 in Campi Bisenzio bei Florenz (Firenze) geboren. Kurz danach lernte ich diesen verrückten Eulogius kennen."
Froggy:"Darüber möchte ich mehr wissen!"
Pulcinator:"Ich erblickte also vor 27 Jahren das Licht der Welt und kann mich noch gut dran erinnern, wie ich nahe des Flusses Bisenzio aus dem Ei kletterte und dann vergeblich nach meinen Enten-Eltern suchte. Stattdessen sah ich ein schöne, junge Dame. Es war die Prinzessin Lia die Campi-Bisenzio. Ihr Vater war der Herzog und ihm gehörte das Land am Fluss mitsamt dem quakenden und schnatternden Federvieh. Lia sagte mir, dass ich ein schöne Ente sei und sie mich aufziehen wollte. Ich blieb wochenlang immer an ihrer Seite. Das war ein herrliches Kükenleben. Tagsüber schwimmen und abends mit der Prinzessin alberne TV-Shows schauen oder Stadt-Land-Fluss spielen oder gemeinsam Pizza essen! Nachts hatte ich das Badezimmer für mich allein zum plantschen."
Froggy:"Und dann tauchte bald dieser verrückte Kerl aus Deutschland auf?"
Pulcinator:"Genau! Ich werde nie vergessen, wie wir gerade mit der ganzen Herzogsfamilie zusammen ein schönes Abendessen einnahmen und uns am dezenten Rotwein labten, als es klingelte. Lia öffnete die Tür und empfing ihren jungen Gast freudestrahlend! Er sah lustig aus und sprach leider kein Italienisch, aber dafür neben Deutsch auch noch Englisch. In der ganzen Familie war die Prinzessin die Einzige, die Englisch verstand."
Froggy:"Aber bevor wir hier weiter über die Zeit von Eulogius in Italien sprechen, solltest Du, Eulogius, uns was über Deine Kindheit und Jugend erzählen!"
"Okay, gehen wir ins Jahr 1957 zurück - damals kam ich in Lüneburg als 2tes von 3 Geschwistern auf die Welt. Zunächst gings mir recht gut, aber im Alter von 2 Jahren hatte ich einen Unfall mit Kopfverletzungen und wurde danach häufig für lange Zeit von meiner Mutter getrennt. So verlor ich jegliches Vertrauen und entwickelte mich zu einem Autisten. Außerdem wurde ich dann auch körperlich immer kränker und meine Stimmungen wechselten zwischen Wutausbrüchen und Heulanfällen. 3 Jahre vegetierte ich in diesem Zustand herum. Dann lernte ich die neue Freundin meiner Eltern kennen, eine Supernanny namens Irene. Sofort wusste ich: diese Frau kann mir helfen! Nach einigen Gesprächen mit meiner gesundheitlich angeschlagenen Mutter nahm mich Irene an einigen Wochenenden in ihre eigene Familie mit auf. Mit Hilfe einer intensiven Schmusetherapie dort kehrte ich allmählich wieder ins normale Leben zurück. Als meine Mutter 1964 an Krebs starb, wurde ich ein Jahr später das Pflegekind von Irene. Aus einem depressiven und traurigen Würmchen wurde innerhalb weniger Jahre ein fast normales (satirisch angehauchtes) Kind. Ab jetzt mussten die verlorenen Kinderjahr nachgeholt werden."
Froggy:"Interessant! Und wie holtest Du Deine eine Kindheit nach?"
"Hierzu gibts ein paar nette Geschichten! Ich musste fast alles lerntechnisch nachholen, nur in der Schule war ich einigermaßen gut. Immerhin konnte ich mit 8 Jahren gut rechnen und lesen. Aber mein Sozialverhalten war anfangs ein Riesenproblem. Nur mit einem einzigen Kind kam ich sehr gut klar. Na logisch, war es doch meine neue Mitschülerin Elke Meyer, die im Frühjahr 65 mit ihrer großen Familie von Münster nach LG gezogen war. Elke wurde meine erste große Liebe. Verwundert sahen meine Mitschüler zu, wie wir Hand in Hand spazieren gingen - oft besuchten wir zusammen "Tante Bittrich" am Sültenweg, die in unserer Familie als Babysitterin arbeitete. Sie hatte HÜHNER im Vorgarten - eine Attraktion für mich und meine Mitschülerinnen (-schüler) Jutta, Bettina, Martin, Arno, Wilfried und Thomas, die sich mit dem Federvieh beschäftigten. Neben dem Hühnergehege befand sich ein Schrottauto, was für uns Kinder ein nettes Spielgerät war. Meine neue Eltern förderten die Freundschaft des jüngsten Päärchens Lüneburg - alle fanden es irgendwie lustig, selbst der Bundeskanzler Ludwig Erhardt!"
Froggy:"Was? Erhardt? Der legendäre Wirtschaftsminister? Der Erfinder der D-Mark? Wieso wußte der das?"
"Im September machten Irene und ich einen Spaziergang in die Altstadt von LG und gelangten in eine Wahlkampfveranstaltung. Auf einer Bühne vor dem Rathaus standen und saßen einige Stadtpolitiker und der Kanzler. Ich fand das interessant. Irene erklärte mir den Sinn dieses Ereignisses und wies scherzhaft darauf hin, dass neben dem Kanzler ein Freund der Familie namens Onkel Otto saß, ein Kommunalpolitiker. Ich sollte doch mal auf die Bühne spazieren und einfach alle begrüßen! Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und rannte auf die Bühne zu und kletterte hoch - empfangen von einem Pulk von Presseleuten - inklusive Blitzlichtgewitter! Dann schüttelte ich allen Politikern die Hand und setzte mich frech neben Ludwig Erhardt. Der hatte gerade Redepause und freute sich über die Abwechslung vom grauen Politik-Alltag. Ich erzählte ihm viele Dinge und schwärmte von meiner neuen Freundin Elke und den netten Pflegeeltern. Nach einer knappen Stunde verließ ich begeistert und stolz die Tribüne und hatte dann Gesprächsstoff für viele Wochen! Die komplette Verwandtschaft bekam schöne Kanzler-Eulogius-Fotos zugeschickt. Auch Elke war sehr entzückt von der Aktion."
später mehr dazu, ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 14. Mai 2011, 13:51
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Fortsetzung:
Froggy:"Das ist ja erstaunlich! Wie ging es weiter?"
"Im Herbst 65 zogen die Meyers mit ihrer Tochter und den 3 Geschwistern aus Lüneburg weg. Darüber war ich ein wenig traurig. Aber hatte ich vergessen, wohin die Meyer-Familie gezogen war? Sie wohnten jetzt in Osnabrück, wo meine Omas und Opas lebten. Die nächsten Monate wurden dann trotzdem unvergesslich schön für mich, besonders die Zeit rund um Weihnachten. Auch an meinem neunten Geburtstag im März des folgenden Jahres erlebte ich eine schöne Feier mit vielen Gästen und Geschenken, wie schon ein Jahr zuvor. In den Osterferien kurz danach fuhr ich zu meiner Omi, der Mutter meiner verstorbenen Mutter, nach Osnabrück. Sie war sehr über meine Entwicklung erstaunt und präsentierte ihren Enkel stolz in ihrem Verwandten- und -Bekanntenkreise. Nicht weit entfernt in derselben Stadt wohnten Opa und Oma, die Eltern meines Vaters. Ich besuchte auch diesen lustigen Opa, welcher eine Überraschung für mich angekündigt hatte. Lächelnd schlug er mir vor, einen Spaziergang zu machen. Ich ahnte noch nichts. Wir gingen die Straße hinunter, schlichen durch einen geheimnisvollen Heckengang und erreichten dann ein schönes Altbauviertel mit hohen Bäumen. In der Lürmannstraße blieben wir vor einem Hause stehen. Opa klingelte an der Tür. Sehr zu meiner Freude erschien Elke, welche mich herzlich begrüßte! Ich war hin und weg! In den restlichen Ferientagen besuchte ich Elke noch öfter. Nun amüsierten sich die Osnabrücker über das junge Päärchen, denn wir waren 4 Köpfe kleiner als die Erwachsenen. Elke und ich vergnügten uns auf dem Stadtfest, besuchten das Museum, lasen uns gegenseitig Donald-Duck-Geschichten vor und sie spielte mir Stücke auf dem Cembalo vor. 1966 war ich noch zweimal in OS und besuchte auch Elke. Ihr letztes Lebenszeichen erhielt ich in Form eines Briefes ein Jahr später, denn die Meyers waren erneut umgezogen, diesmal nach Ostfriesland."
Froggy:"du sahst sie also nie wieder?"
"So ist es!"
Froggy:"Was sie wohl heute macht? Könnte man nicht ein Wiedersehen in seiner TV-Show organisieren? Sowas wie "Nur die Liebezählt". Ich kann ja mal was anleiern!"
"Das überlasse ich Dir!"
Froggy:"Hat Elke Dein Frauenbild geprägt?"
Duck:"Auf jeden Fall, denn 1 Jahr später verliebte ich mich gleich in 2 Frauen, die auf der Kinoleinwand zu sehen waren. Die eine war Audrey Hepburn in ihrer Rolle als Prinzessin und die andere war die damals bildschöne Karin Dor in einem lustigen Gruselfilm - und starke Ähnlichkeit mit Elke hatte. Bis heute verliebte ich mich fast nur in die Frauen, die mit den Beiden Ähnlichkeit haben. Und überhaupt - ich mag Frauen mit großen Augen."
ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 16. Mai 2011, 09:29
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Fortsetzung:
Froggy:"Was machtest Du noch so als Kind?"
"Nachdem meine Pflegemutter im Frühjahr 1967 heftig in Sachen Aufnahme meiner Wenigkeit ins Gymnasium interveniert hatte, bekam ich im August desselben Jahres die Genehmigung, das Gymnasium Herderschule zu besuchen. Diese Schule mit vielen symphatischen Lehrern und Schülern befand sich in einem Dorf nahe der Stadt. Die Schulgebäude waren sehr originell. Sie bestanden aus mehreren Nachkriegsbaracken und einem jahrhundertealten Dorfgemeinschaftshaus und wurden nicht mehr für die Flüchtlinge aus dem Osten gebraucht. 1945 hatte sich die Einwohnerzahl Lüneburgs durch die Zuwanderer verdoppelt und diese wohnten jetzt im neuen Stadtteil Kreideberg mit den schönen aber etwas monotonen Mietskasernen. Das Gymnasium war von Teichen, Bächlein und Wäldern umgeben - sehr romantisch alles. Deutschlands kleinster Laden befand sich auf dem Schulgelände - er hatte ca. einen Qm. Verkauftfläche und dort bekamen wir von "Tantchen" für einen Pfennig einen Bonbon oder für 5 Pf. eine Lakritzschnecke. Der Schuldirektor war sehr dick - er wog soviel wie alle Schüler der Lehranstalt zusammen!"
Froggy:"Was hecktest Du als Schüler aus?"
"Inspiriert von einigen Kinofilmen und dem Hamburger Ohnsorg-Theater, begann ich, selbst lustige Geschichten zu schreiben, die ich dann jeweils vor Unterrichtbeginn zur Freude oder zum Fruste seiner Mitschüler vortrug. Außerdem parodierte ich Schauspieler wie Henry Vahl oder Kabarettisten wie Jürgen von Manger (Tegtmeyer). Eines Tages spielten viele Schüler im nahegelegenen Wald und stauten einen kleinen Bach auf. Deshalb war es sinnvoll, dass sich alle ihres Schuhwerks entledigten. Die Mädchen hatten diese vor den Damm gestellt. Ich war diesmal ganz fies. In einem unbeobachteten Moment zerstörte ich diesen Damm und das Wasser spülte die Schuhe der jungen Damen fort. Das kühle Nass trug diese ca. 50 Meter weit und zum Glück konnten sie ihr Schuhwerk gerade noch wiedereinfangen."
ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 19. Mai 2011, 09:36
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Froggy:"Was machtest Du als Kind in den Sommerferien?"
"Wie in jedem Sommer fuhren meine Pflegeeltern mit mir für mindestens einen Monat an die Westküste von Dänemark! Begleitet wurden wir auf dieser Reise jedesmal von mehreren Familien aus Lüneburg, auch von meinem leiblichem Vater und meinen 2 Geschwistern sowie einer Ferienfreundin. Dort waren wir im Hause einer Fischerfamilie untergebracht - in einem Dorf mit 5 Häusern und ca 20 Einwohnern sowie zalhreichen Hühnern, Enten und Gänsen, die munter herumquakten und gern mal in die Häuser hineinwatschelten. Unsere Gastgeber waren die letzten Wikinger, die z.Teil noch wie vor einigen hundert Jahren lebten. Sie zeichneten sich durch Gastfreundlichkeit und Fröhlichkeit aus und verstanden es gut, Parties zu organisieren, auf denen der Alkohol heftig strömte. Aus dieser Zeit besitzte ich noch eine tolle Fotosammlung und einen Dokumentarfilm (1968 im Urlaub gedreht). Als alle Familien zum ersten Male dort Urlaub machten, wurde auf dem Dorfplatz in warmen Sommernächten ein Plattenspieler aufgestellt und alle tanzten zu Chubby Checker und Trini Lopez Twist. Tagsüber lebten wir in selbstgebastelten Bretterbuden am Strande und abends traf sich alles im Dorf zum Fischessen. Oft fanden auch lustige Bootfahrten mit unseren dänischen Freunden statt. Bei einer dieser feucht-fröhlichen Ausflügen über den Ringköbing-Fjord war es ziemlich windig. Die Fischer hatten für uns Kinder einen gefühlten Zentner Kuchen gekauft, die an mich und meine Kumpanen verteilt wurden. In einem ungünstigen Moment fuhren 2 der Boote dicht nebeneinander - und dann passierte es: bei der Verteilaktion riss eine Sturmböe dem Fischer Onkel Teddy die Torte aus der Hand. Diese flog weg und landete direkt im Gesicht meines zweiten Daddys. Das fand der Betroffene als Einziger zunächst nicht lustig. 1970 fand der letzte Urlaub in Dänemark statt, danach gings 2 mal nach Spanien, wohin 2 befreundere Familien mitflogen. Das war für mich auch sehr schön und interessant."
ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 22. Mai 2011, 15:23
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Fortsetzung:
http://www.youtube.com/watch?v=90obvtSTzsY (Trini Lopez - ein schönes Lied)
Froggy:"Und dann?"
"1969 zogen einige meiner besten Freunde mit ihren Familien fort, sodass ich meine Hobbies veränderte. Ich wurde nun ein fanatischer Briefmarkensammler, er interessierte mich stark für Geschichte, Erdkunde sowie Greifvögel und Eulen! Sah auch gerne TV-Shows und imitierte gern meinen Lieblingsshowmaster Rudi Carell, sehr zum Verdruss meiner Schulfreunde aber zum Entzücken seiner Omas!
Nachdem ich im Alter von 12 eine Kiste mit Briefmarken und einen Katalog geschenkt bekam, in dem die Werte aller Marken Europas aufgelistet waren, wurde ich zum enthusiastischen Sammler dieser kleinen Papierfetzen. Ich durchstöberte alle Keller und Dachböden meiner Verwandten und Freunde auf der Suche nach seltenen Marken. In der Schule sortierte ich diese mitten im Unterricht - sehr zum Fruste des Lehrkörpers. Bald wurde ich Mitglied der Jugendgruppe des Lüneburger Briefmarkenvereins. Oft besuchte ich die zahlreichen Briefmarkenhändler, die es damals in der Lüneburger Altstadt gab. Heute findet man diese dort vergeblich. Einer dieser Händler hauste in einem alten Gebäude nahe der Michaeliskirche. Dieses schiefe Haus war sehr geheimnisvoll. Ein langer Gang führte in einen Halbkeller ohne Fenster. Dort lagerten die verstaubten, dicken Briefmarkenalben des kauzigen und senilen Händlers. Weil ich damals nicht viel Taschengeld besaß, durfte ich mit dem Verkäufer die Marken tauschen. Abends präsentierte ich dann z.B. meinen Verwandten stolz meine philatelistische Beute - einen damals sehr begehrten und teuren "Beethovenblock" von 1959."
ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 23. Mai 2011, 09:46
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Schreibe mal meine Geschichten (hier vor Jahren publiziert) nochmal etwas um:
Froggy:"Erzähl mal was über Tommy und Little B. und die verhinderte Love-Story!"
"Sie war die schönste Schülerin, die jemals die Herderschule in Lüneburg besuchte (seit 1949 gab´s dort mehr als 20000 Schüler/innen) - Name wird nicht preisgegeben und weil sie Ähnlichkeit mit der hinreissenden Audrey Hepburn und der ebenfalls faszinierenden, ital. Schauspielerin Giuliette Masina (La Strada) und ein wenig auch mit Ingrid Steeger (Gesichtspartie/Augenfarbe) hatte, nenne ich sie einfach mal Little B.(B ist der Anfangsbuchstabe eines skandinavischen Mädchennamens)
Ich kam im Sommer 71 als Wiederholer in seine neue Klasse 8L. Dort gefiel es mir recht gut - meist nette Schüler(innen); nicht so scharfsinnig und frühreif wie die Klasse, aus der er vorher rausflog. Trotzdem intelligente junge Menschen dort und ein witziger Lateinlehrer und eine etwas skurrile Deutschlehrerin. Am nettesten war Bio-Bergmann, sanft wie ein Schäfchen und Opfer mancher Streiche. Mein Lieblingspauker war Sozi-Merkel (Sozialkunde), mit dem ich später unvergessliche Klassenfahrten erleben sollte. Nach einigen Wochen kam im Herbst 71 die erwähnte neue Schülerin Little B. dazu. Sie war noch kleiner als ich (der es gerade mal 1,50 brachte) und hatte Ähnlichkeit mit Pippi Langstrumpf durch ihre Zöpfe, aber die Haarfarbe war eher normalblond. Eigentlich ein ruhiger Typ - konnte sie manchmal echt Schlagfertigkeit beweisen und war auch sehr umgänglich - gewann schnell Freundinnen. Ich dagegen war ein notorischer Provokateur und überschüttete meine Mitschüler(innen) oft mit endlosem Redeschwall. Besonders schlimm waren meine Witz-Attacken(Ostfriesenwitze usw.). Wenn ich ein Thema im Hirn hatte, konnte ich wochenlang damit nerven - furchtbar für die Anderen. Also war ich damals ein schlimmer Laberkopp. Und so nimmt es nicht wunder, dass Little B. mich nicht allzusehr mochte. Dazu nannte ich sie auch noch Pippi Langstrumpf und stimmte manchmal provozierend den P-Langstrumpf-Song an. Nach den Sommerferien 1972 sah ich meine Mitschüler wieder und vermisste Little B. Nach zweimaligem Hinschauen erkannte ich sie wieder. Keine Zöpfli mehr, kein Babyface - stattdessen eine schöne junge Dame mit dunklen Augen. Spontan verliebt und verwirrt wegen dieser Tatsache verschlimmerte ich meine Witz-Blödel - und Quasselattacken. Damit nicht genug - ich schickte ihr auch alberne Briefchen unter dem Schultisch rüber - so ne Art Liebesbrief-Parodien. Irgendwie hatte ich also Gefallen an ihr gefunden."
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 23. Mai 2011, 09:57
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Fortsetzung:
Froggy:"Das ist ja echt spannend! Erzähl weiter!"
"Eine ganz normale Unterrichtsstunde 1973 in der Herderschule: Die Schüler diskutieren mit Sozi-Merkel über Bob Dylan - eine ganze Stunde lang. Am Ende fragte ich: "Wer ist Bob Dylan?" Deutschstunde bei Frau Evermann - sie unterhalten sich über "Dialektik" und zum Schluß mußte ich erklären, was "Dialektik" bedeutet. Die Lehrerin hatte mich beim Träumen von Little B. ertappt. Ich erwiderte schlaftrunken "Ich kenne Tegtmeier. Der spricht doch diesen Ruhrpott-Dialekt. Soll ich ihn mal nachmachen? Und genau das ist ja Dialektik, wenn man Dialekte nachmachen kann!" Die Klasse versank anschließend in tosendem Gelächter. Und für solche Hammerschläge habe ich noch viele Beispiele - manche sind vergessen und ich hoffe, das mir meine ehmaligen Mitschülern noch einige nachliefern. Mein Image bei Little B. sank in unermessliche Tiefen - meine Verliebtheit stieg dummerweise eher noch in ungeahnte Dimensionen. 1973 erlebte ich die erste "Otto-Show" live. Meine Begeisterung für den ostfriesischen König des Frohsinns war riesig, ich ließ mir die Platte davon schenken und versuchte dann in jeder freien Minute, ihn vor der Klasse zu imitieren. Little B. fand ihn eher nicht so lustig. Die LP konnte ich bald auswendig runterrasseln. Selbst aussehend wie 12 (mit 16) war es allerdings schwierig, irgendwie bei ihr anzukommen. Quasselattacken meinerseits nahmen kein Ende - im März wurde ich 16 und bekam ein MOFA geschenkt - Riesenjubel - damit konnte ich dann angeben. Ganz verrückt wurde es am 4. Juli 73 - eine schöne Klassenfahrt ging los - auf die Insel Spiekeroog. Und wer war mit dabei? - natürlich auch Little B. Ich war ganz aufgeregt, als sie vor der Herderschule morgens auch in den Reisebus kletterte. Die Ankunft auf der Insel war nachmittags und ich kam zum Glück mit den nettesten Mitschülern in einem Zimmer unter. Wetter absolut hammermäßig gut und abends gings schon ab ins Meer - auch Little B. immer mit dabei. Ich mußte mir eine Eroberungsstrategie ausdenken. Klassenlehrer Sozi-Merkel entpuppte sich auf der Insel als absoluter Freak! War so´n echter Kumpeltyp. wir feierten manchmal bis 4 Uhr morgens mit ihm zusammen durch. Leider war ich sowas noch nicht gewohnt. Ein Mitschüler hatte seine Gitarre mit und brachte die Mädchenherzen zum schwärmen. Warum konnte ich nicht auch jenes Instrument gezielt einsetzen? Sollte es erst später lernen."
ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 24. Mai 2011, 09:44
von Freiburger Satire-Küken
Fortsetzung:
Froggy:"Und dann?"
"Im Herbst 73 - wieder zurück nach den Sommerferien in der Schule - alles ganz locker - ich kam in die Tanzschule mit meiner halben Klasse. Little B. war zunächst nicht dabei.
Lernte schnell eine nette und hübsche Tanzpartnerin kennen, die mich auch beim Abtanzball Ende November begleitete. Eine mögliche Freundschaft verhinderte ich leider wieder mal unbewußt durch sinnloses Geschwafel und endlose Monologe. Im Januar besuchte ich den Fortsetzungskurs - und parallel dazu begann für die Neuen der Anfängerkurs, welchen wir als Fortgeschrittene kostenlos mitbelegen durften. Und nun ratet mal, wer dort mit dabei war? Natürlich Little B.! Eines schönen Tages im Februar 1974 war ich dort natürlich auch und hatte das Vergnügen, ihr tatsächlich mit Erfolg einige neue Tanzschritte beizubringen - zu ihrem Erstaunen. Dann begleitete ich sie nach Hause. Anfangs schien sie echt angetan ("Hat der Kerl jetzt dazugelernt? - und der ist ja direkt charmant!") Im Laufe unseres Weges begann ich dann aber wieder mit einem endlosen Monolog über Orkane, Greifvögel, Eulen und Briefmarken - sie ließ sich nicht anmerken, dass sie bald voll genervt und frustriert war.
Eine Woche später traf ich sie wieder in ihrem Kurs. Diesmal tanzte mein Schulfreund Tommy auch mit ihr und anschließend begleiteten wir Little B. gemeinsam nach Hause - und Tommy konnte sie mit seinem Charme voll überzeugen. Die Beiden verschwanden im Hochhausfahrstuhl und ich ging frustriert heim. In seinem meteorologischen Tagebuch trug ich ein: "Tommy destroys my hope!" Von nun an war ich nur noch der unglücklich Verliebte, obwohl die harmlose Beziehung zwischen ihr und Tommy im gleichen Jahre noch zu Ende ging. Erwähnenswert sei noch die 2. Klassenfahrt nach Verden/Aller (bei Bremen). Dort wohnten wir Schüler im März 74 für eine knappe Woche in einem alten Bauernhause. Meine Annäherungsversuche gegenüber Little B. trugen immer mehr geradezu lächerliche Züge.
Ab August 1974 begann das Schicksal seinen Lauf zu nehmen - durch Versetzung in die 11. Klasse (dabei Umstrukturierung) verlor ich die meisten meiner netten Klassenkameraden aus den Augen - außer meinen Kumpel Bud Spencer (echter Name geändert) und einigen Anderen. Bud kannte ich schon seit 1971 - wir kamen immer prima miteinander aus und spielten so manche Streiche. Auch er hatte eine blühende Phantasie - war deswegen schon früh Mitglied von Gunnars Filmclub, wo Comedy-Kurzfilme gedreht wurden - mit Super8-Kameras. Im Dezember 74 war ich wegen seiner unglücklichen Lovestory inzwischen zum unfreiwilligen Klassenclown mutiert und nun spielten mir Bud, Chris und Gunnar einen fiesen Streich: Ich wurde wieder mal zum Dreh eingeladen und sollte diesen Satz aufs Band sprechen:"Ich liebe dich" und einige Minuten danach musste ich den vollen Namen seiner Angebeteten ins Mikro quaken. Was ich auch tat - ohne irgendwas Fieses dahinter zu vermuten. Danach drehten wir noch ein "Musikvideo" ("Fly away Papageio", auf dem ich im bunten Bademantel mit einam Papagei auf der Schulter tanzend wie "Dittsche" im Zimmer herumkaspernd zu sehen war) - nichts ahnend gings dann in die Weihnachtsferien."
Froggy:"Ich ahne schon Schlimmes!"
"Recht hast du! 1975 - der erste Schultag danach:
ich kam pünktlich in die Klasse und wunderte mich, dass schon fast alle Schüler zusammenhockten und sich merkwürdig verhielten und plötzlich losgeierten. Little B. schaute mich mit finsterer Mine an. Was war geschehen? Bud hatte die Schüler informiert, möglichst früh in den Unterricht gekommen. Noch in den Ferien hatte er meine Sätze am Tonband zusammengeschnitten und bei Little B. angerufen und jene verhängnisvolle Aussage dann abgespielt: "Ich liebe dich, Little B." Jetzt am Morgen spielte er vor der Klasse nochmal das Band ab.
Und nun ging seine Zeit in der Herderschule traurig zu Ende. Ab Januar hatte ich keinerlei Chancen mehr bei Little B. Es tat innerlich weh, jeden Tag mit meiner Angebeteten in der Klasse zu verbringen. Wie ein frustrierter 13-jähriger Teenager verhielt ich mich - Monologe haltend und meckernd. Meine Noten der Klassenarbeiten sanken im Schnitt unter die 5er-Grenze. Dann gab´s noch eine 3. Klassenfahrt im April nach Berlin - mit Little B. und es war diesmal absolut traurig, aber immerhin auch tragik-komisch. Abends in der Kreuzberger Jugendherberge ich auf die Idee, einfach mal ne Flasche Schnaps in mich reinzuschütten. Hatte bis dahin keinelei Erfahrung in Sachen Alkoholgenuß. Setzte mein Vorhaben in die Tat um und war dann ziemlich heavy drauf. Nun kamen zu allem Unheil einige Schüler freundlich auf mich zu und schlugen mir vor, mich auf dem Weg ins Mädchenzimmer zu Little B. zu begleiten. Ich winkte ab - aber schon hatten sie mich gepackt und schleppten mich lachend die Treppe hoch - aber irgendwie schafften sie es dann doch nicht, mich durch die Tür zu schubsen. Am nächsten Tag ging´s mir magenmäßig schlecht - und Little B. war nur noch sauer auf mich. Die letzten Monate verliefen bis Ende Mai frustrierend. Dann gab´s auch noch einen Riesenkrach im Elternhaus wegen meiner schulischen Leistungen und als sich die Wogen geglättet hatten, empfahlen uns unsere ostfriesischen Nachbarn in Lüneburg, mich für die letzten 3 Oberschuljahre in ein nettes Internat auf die Insel Langeoog zu schicken. Diesen Vorschlag fand ich interessant - mal was Neues - Ablenkung - und ich mußte nicht mehr ständig an Little B. denken.
Mein letzter Schultag Ende Juni in der Herderschule: Die Klasse war Gastgeber eines Jazzkonzerts in der Aula (nach monatelanger Vorbereitung) - die Band hieß "Hobrec". Little B. hatte an diesem Tag Geburtstag und wurde 17. Ich behielt sie in Erinnerung als die schönste und charmanteste Schülerin, die jemals die Herderschule besuchte. Ob in Lüneburg jemals wieder eine solche Ausnahmefrau zu bewundern ist?
1983 sollte ich dann eine noch hinreißendere Frau kennenlernen - eine italienische Prinzessin auf dem Schloss Mittersill in Österreich"
miao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 31. Mai 2011, 09:17
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Ökemöke:"Kachelmann wurde soeben freigesprochen!"
Merkel:"Was soll ich dazu noch sagen?"
Prof. Tüdeltack:"Ich wußte es schon vorher!"
ÖKemöke:"Dass der Wetterfrosch freigesprochen wird?"
Prof. Tüdeltack:"Nee; aber der Wettermoderator und seine Freundin wurden Opfer von ALIENS!"
Merkel:"Warum das denn?"
Prof. Tüdeltack:"Sie kennen doch meine These: vor 2 Millionen Jahren zerstörten feindliche Aliens den menschlichen Sex!"
Merkel:"Aber das ist lange her; was hat das mit dem Verfahren zu tun?"
Ökemöke:"Die bösen Aliens hatten den Wetterfrosch und mindestens eine seiner Freundinnen dazu überredet, seltsame Dinge zu praktizieren und das Ganze war dann sicher aus dem Ruder gelaufen."
Prof. Tüdeltack:"Also die Moral von der Geschicht - wer auf böse Aliens hört - verliert sein Gesicht!"
Merkel:"Das war ein krampfhafter Versucht, ein Gedicht draus zu machen, aber egal."
ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 6. Jun 2011, 10:00
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Da ich meine "literarischen Erzeugnisse" nie in meinen eigenen Dateien unterbrachte, sondern in diversen Internetforen bunkerte, denke ich jetzt daran, weitere Teile dieser Worthülsen hierher zu kopieren und so der Nachwelt zu erhalten; darunter Biographisches und dämliche Verse.
Es geht los:
Was geschah vor 20, 30 und 40 Jahren? (Text von 2007)
Blicken wir also zurück ins letzte Jahrtausend :
Am 22.6.1987 startete ich meinen Urlaub in Norddeutschland von Freiburg aus per Zug. Kam abends in Lingen an der Ems an, fuhr zur Jugendherberge und ging abends noch schön im Regenwetter spazieren. Am nächsten Tag zuckelte ich mit dem Bus von Lingen nach Nordhorn und besuchte dort vietnamesische Bekannte, die ich 1986 an der Nordsee (Norden-Norddeich) kennengelernt hatte. War sehr nett und abends gings zurück in die Herberge. Am 24.6. noch Freunde in Lingen besucht und am 25.6. ab zum Bahnhof und weiter auf die Insel Langeoog, wo ich bis zum 8. August bleiben sollte. Warum aber solange Urlaub ? Weil ich Anfang Juli aus dem Freiburger BBZ (Berufsbildungszentrum) höflich hinauskomplimentiert worden war - Folge : arbeitslos. Kohle gabs weder vom Arbeitsamt noch vom Sozialamt. Dafür verkloppte ich wieder Briefmarken auf Flohmärkten und konnte mit dem Geld meine 45-tägige Reise sowie meinen Lebensunterhalt bis 1991 bezahlen. (erst in jenem Jahr bekam ich in Freiburg meinen Job als Briefmarkenverkaufshilfe).
Heute vor genau 20 Jahren war ich also den dritten Tag auf der Insel und alle freuten sich dort auf das Ende des Dauerregens, der die Bundesbürger seit Wochen genervt hatte. Was ich alles auf der Insel machte - in den 6 Wochen ? Dazu später mehr.
1967 Jahren gabs Zeugnisse. Werde nie vergessen, wie ich am letzten Schultag der 4ten Volksschulklasse in der Aula jener Lüneburger Penne am Kreideberg saß und vor dem Empfange des Zeugnisses unendlich lang dort einer Direktor-Verabschiedungs-Zeremonie beiwohnen mußte. Am Ende sang ein Kinderchor das Lied "Lieber Rektor Kaiser......." Und dann gabs endlich die Giftblätter und obwohl meines nur mäßig war, stand darauf schwarz auf weiß: Der Thomas Henry darf ab August 67 das Gymnasium Herderschule besuchen.
Am 30ten Juni 67 fuhren meine Pflegeeltern und ich dann endlich in den heißersehnten Dänemark-Urlaub. Wir ließen die Limousine in Lüneburg zurück und fuhren mit einem ausgeliehenen geländetauglichen VW-Combi los. Das Auto durften wir kostenlos ausleihen und bekamen dazu die gesamten Spritkosten gratis. Dafür mußten wir meine Ferienfreundin mitnehmen, deren Eltern Besitzer des Autos waren und sie in Dänemark auch essentechnisch und unterkunftmäßig mitversorgen. Ich kam mit dem gleichaltrigen Kind sehr gut aus und hatte eine prima Spielkameradin.
Der Ort Nörre-Lyngvig liegt direkt auf einer Halbinsel an der Nordsee und bestand damals aus 2 Bauernhäusern und 5 anderen, Hütten, die vor 50 Jahren für Feriengäste gebaut worden waren.
Das Wetter in diesem Sommer war insgesamt klasse und wir verbrachten fast jeden Tag am Strand. Nur der jeweils erste Strandtag in unserem Dänemark-Urlaub war etwas anstrengend. Bewaffnet mit einer Schachtel von 2000 Nägeln gings an die Arbeit: den Strand nach Holzteilen von alten Schiffen absuchen, an einen Platz bringen und dann bastelten wir einen ganzen Tag eine Burg aus Holzbrettern zusammen, wo wir windgeschützt jeden Tag verbringen konnten.
Für uns Kinder gabs eine kleine Extraburg.
Und jedesmal, wenn wir uns im August vom Strande wehmütig verabschiedeten, kam eine Bande von dänischen Jugendlichen, die unsere Burgen feierlich in Schutt und Asche legten.
Am 11. 9. 1976 fuhr ich mit meiner Langeooger Schulklasse (Internat) nach Paris! Wir starteten am 11.9. und zwar um 4.oo in der Früh. Es war eine klirrend kalte Nacht und zunächst gings mit der Insel-Zuckelbahn zum Hafen, dann mit `ner Sonderfähre zum Festland, wir stiegen in einen Bus ohne Klo und fuhren zur holländischen Grenze, dort Passkontrolle und dann bis Groningen, dort kurze Pause und dann gurkten wir über Rotterdam und Antwerpen über die französische Grenze, wo wir vom stürmischen Regenwetter empfangen wurden. Nach kurzer Rast bei Lille gings weiter und am frühen Abend erreichten wir die legendäre Seine-Metropole. Nach langer Sucherei fand der Busfahrer endlich unser Quartier am "Place de Pigalle" (ähnlich wie HH-St.-Pauli). Nun hieß es "Außsteigen!" und quakend, singend und blökend inspizierten wir unsere abenteuerliche Herberge. Die Herberge in Paris war ein Schock! Der Fußboden im 2. Stock war uneben - bestand aus bis zu 20 cm. tiefen Kratern. In den Zimmern gabs nur Ehebetten oder Dreierbetten. Ich war mit 2 weiteren Mitschülern einquartiert. Sie hatten genug Kohle mit und konnten sich das Hotel schönsaufen. Ich selbst war im Besitz weniger Mäuse in meiner Tasche - nun ja. Abends inzpezierten wir das Stadtviertel zu Fuß und schauten uns noch das Mont Martre-Künsterviertel in der Nähe an - auch die aus weißem Pulver erbaute, schöne Kirche Sacre Ceur war Gegenstand unserer Bewunderung.
Am nächsten Tag war erstmal die große Stadtrundfahrt dran. Wir ergötzten uns optisch an den schönen Bauwerken.
Nachmittags kamen die echten Inselfriesen unter den Internatschülern voll auf ihre Kosten: sie fuhren zum erstem Mal im Leben U-Bahn und waren dann bis zum Abend einfach unterirdisch gut drauf! Als sie uns von ihrer stundenlangen, ziellosen U-Bahn-Erkundungsfahrt erzählten, entwickelten sie sich dann zur Zielscheibe des Spottes der Hamburger und Berliner Mitschüler.
Nun ja - wie gings damals weiter ? Nach der Stadtrundfahrt zogen wir uns am nächten Tag die Atmosphäre des größten, europäischen Flohmarkts rein. Wir rannten kilometerweit durch eine Zeltstadt mit unzähligen Bazaren.
Nachmittags schauten wir uns den Louvre und die Notre Dame an. Wir verharrten fasziniert vor dem teuersten Bild der Welt, der "Merkel-Lisa", gemalt vor über 500 Jahren von einem gewissen Leonardo Da Vinci-Code.
Einen Tag später gings nach Versailles. Dort staunten wir nicht schlecht über all die Pracht - eine Schloß - und -Parkanlage größer als die Freiburger Innenstadt! Während der Besichtigung des Palastes blödelten fast alle Schüler herum und stellten seltsame Vergleiche an, ich natürlich auch.
Und später gabs eine Fahrt nach Chartres. In dieser Kirche begegnete uns eine Reisegruppe, bestehend aus über 20 holländischen Schülerinnen meist guten Aussehens.
Und allmählich neigte sich der seltsame Schulausflug des Langeooger Internates nach Paris seinem Ende.
Am vorletzten Tag schauten wir uns noch die Ramses-Ausstellung (ägyptische Mumien-Show, fast zum Verwechseln mit dem Bundestag) an, vorher mußten wir noch eine stundenlange Parlamentsdebatte im europäischen Parlament über uns ergehen lassen. Und deswegen war ich dermaßen müde, dass ich Gefahr lief, zu einer der Mumien in den Sarkofarg hinein zu kippen. Das konnte ein Mitschüler gerade noch verhindern - mit selbigen ging ich nach überwundener Müdigkeit abends durchs Quartier Latin und nachts am Seine-Ufer entlang. Dort stiessen wir auf einige merkwürdige Einsiedler, die sich mit den vielen Ratten unterhielten, die uns alle paar Sekunden entgegenhuschten.
Am nächsten Tage brachen wir nach Brüssel auf, wo wir nachmittags eine heruntergekommene Jugendherberge bezogen, die sich "Internationales Jugendhotel" nannte. Wir wurden ermutigt, die vielen Kleintiere dort einfach zu ignorieren. Gegen 15.oo gingen wir zum Kunstmuseum, wo wir uns Bilder von Hieronymus Bosch anschauten. Nun ging ein lustiger Tag mit meiner Schulklasse des Langeooger Internates in Brüssel zu Ende. Wir nächtigten in der chaotischen Jugendherberge. Wir Schüler waren diesmal nüchtern, zumal wir unsere ganze Kohle ausgegeben, bzw. versoffen hatten! Ich unterhielt mich noch mit einigen Kollegen vor dem Einpennen und erwähnte, dass ich immer noch ein wenig in Little B. verliebt sei, über die ich hier schon ausführlich berichtet habe.
Am nächsten Morgen brachte uns der ostfriesische Busfahrer mit seinem Gefährt Richtung Insel zurück. Unterwegs hielt der Bus in Lingen an der Ems, wo ich einfach heraushüpfte und dann zu Fuß über eine Schnellstraße zum Bahnhof lief. Von dort düste ich ab nach Lüneburg - direkt in die 4-wöchigen Herbstferien.
In meiner Heimatstadt verabredete ich mich mit der erwähnten Traumfrau, welche zu Tchibo kam. "Zufällig" erschien auch mein alter Schulfreund, den wir Bud Spencer nannten. Bekloppt wie ich damals war, nervte ich das arme Mädchen mit einem Dauer-Monolog über meinen Hilfseinsatz als Katastrophenhelfer im Sommer 76 beim Deichbruch am Schiffshebewerk Scharnebeck. Dann übernahm Bud das Gespräch und irgendwann ging ich genervt nach Hause. Dort gab mir jemand den Tipp, ich solle doch mal "Die Leiden des jungen Werther" (Goethe) lesen. Nach ein paar Tagen mit dieser Lektüre entschloß ich mich, meine Verliebtheit einfach zu überwinden - mit Erfolg.
Anfang Oktober traf ich einen anderen, alten Schulfreund, der an mir mit seinem Rennrad vorbeiraste und mir zurief: "Wir drehen einen Würgerfilm"- ich verstand "Bürgerfilm"- diese Begegnung war für mich und meine medientechnischen Ausflüge später sehr folgenreich.
Denn ein Jahr später war ich schon an den Dreharbeiten des zweiten Thrillers von Jungregisseur Charly beteiligt.
Am ersten Oktoberwochende fuhren meine Pflegeeltern mit mir zur Hochzeit meiner Cousine nach Bremen. Es war alles recht unterhaltsam - und ich erlebte freundliche Verwandte, die mich dazu ermutigten, mir schnell eine Freundin anzulachen.
Ca. ne Woche später ging ich an meinem ehemaligen Gymnasium (Herderschule Lüneburg) vorbei. Zufällig fanden dort gerade Dreharbeiten auf dem Sportplatz statt - und am Set waren Gunnar und seine Freunde, mit denen ich 1975 öfter Kurzfilme fabrizierte. Dazu sei erklärt, dass ich in ihrem Verein immer die Trottelrolle spielen mußte und dabei einmal in einen Teich geworfen wurde, ohne dass man mich vorher von diesem Vorhaben unterrichtet hatte - und natürlich gegen meinen Willen.
Die Jungs drehten diesmal einen Blödel-Fußball-Kurzfilm und sie fragten mich, ob ich nicht spontan mitmachen wollte. Ich verneinte dieses, laberte noch ne Weile mit ihnen rum und machte mich dann schnell vom Acker...
Weiteres Fragment meiner Memoiren gefunden!
Nun ja - und nach meiner Genesung (Juli 77) besuchte ich noch meine andere Oma in Osnabrück, um anschließend mit mulmigen Gefühl nach Lüneburg zu fahren, wo es erst einmal eine Standpauke gab.
Andererseits erfuhr ich dort, dass meine Zeit auf Langeoog doch noch nicht vorbei wäre, nachdem ich das Klassenziel vorher verfehlt hatte.
Kurz vor meiner Rückreise zum Internat traf ich noch einige Bekannte, die mich über weitere Dreh-Pläne unterrichten wollten. So begegnete ich Charly, "Bud", Adam und einigen anderen Filmfreunden. Nebenbei erzählte mir Bud, dass meine 0,1 % Chancen bei Little B. nun absolut gegen 0 % tendieren würden, weil sie nun endlich ihre große Liebe gefunden hätte.
Egal - dachte ich. Natürlich machte mir das überhaupt nix aus.
Zurück im Internat erlebte ich dann einen fast völlig verregneten August auf der Insel und überlegte weitere Strategien, wie ich wohl endlich mal eine Freundin bekommen könnte. Nach dem schwachsinnigen Spanientrip wollte ich nicht noch einmal einem weiblichen Wesen so trottelig erscheinen und so beschloß ich: jetzt werde ich ein Revoluzzer und nächstes Jahr werden wir auf der Insel eine "10-Jahre-1968-Gedenkparty-Serie" feiern. Und ich wollte das alles organisieren - mit Sit Ins, Demos, Happenings, Hausbesetzungen, Partys usw. Es dauerte dann noch eine Weile, bis ich die ersten Mitschüler überreden konnte, sich daran zu beteiligen. Zunächst gründeten wir eine Band, die psychedelische Folk-Punkmusik machte und weil wir oft in div. Internatszimmern probten, brachten wir manchmal auf diese Weise die Heimleiterin zur Verzweiflung. Das bekam ein Alt-68er mit, der zu meinen Mitschülern gehörte. (im Internat gabs auch Schüler, die über 25 Jahre alt waren).
Er fragte mich über meine Intention und über unsere politischen Ziele. Ich erwiderte auf einer Party, wo wir uns darüber unterhielten: eigentlich mach ich ja nur Revolution, um endlich eine Freundin zu bekommen. Dazu später mehr;
Im November stieg im Internat auf der Wohnetage eine heftige Party, bei der mir ein Bierfass auf den linken Zeigefinger kippte. Aber ich war immerhin soweit alkoholisiert, dass ich nur wenig Schmerzen verspürte. Bis heute ziert eine Narbe diesen Finger. In derselben Woche genossen wir 2 Sturmfluten und rannten sinnlos mit Fotoapparaten am Strand herum, um die tosenden Wassermanzen auf Zelluloid festzuhalten.
Im Dezember gings in die Weihnachtferien und wer kam zu uns zu Besuch nach Lüneburg ? - natürlich die Berliner Familie, die ich in Spanien besucht hatte - mit meiner Ferienfreundin. Und diesmal waren die 2 Wochen über die Feiertage absolut klasse. (Weihnachten war sonst auch immer sehr gemütlich bei uns).
Also Weihnachten 1977 habe ich in guter Erinnerung.
Nach der Bescherung am 24.12., die wir in fröhlicher Runde von 7 Personen feierten, fing der 25.12. zunächst nach dem Motto "The same procedure as every year" an.
Am frühen Abend saßen meine Berliner Ferienfreundin und ich in meinem Zimmer und hörten Musik. (Knights in white satin / eine LP der Moody-Blues, die ich ihr geschenkt hatte.)
Wir unterhielten uns über meinen traurigen Abgang 1975 weg von der Lüneburger Herderschule (wegen Liebeskummer) ins Internat nach Langeoog und analysierten die Ursachen. Dabei erwähnte ich meinen alten Kumpel, dessen wirklichen Namen ich hier nicht verrate. Nennen wir ihn Bud, weil er wie Bud Spencer aussah. Er hatte mich wegen meines bekloppten Verhaltens in Bezug auf Little B. damals oft auf die Schippe genommen - genauso wie die Leute von dem ersten Filmclub, mit dem ich damals einige Comedy-Kurzfilme gedreht hatte und dabei immer den Trottel spielen mußte.
Jetzt wußte ich, dass Bud mit Charly zusammen im Filmteam war. Und plötzlich kam meine Ferienfreundin auf folgende Idee:
Henry, wie wärs, wenn wir uns mit Charly und Bud in der Stadt treffen?
In diesem Moment kam meine (Pflege)-Mutter ins Zimmer und ermutigte uns, solches doch sofort in die Tat umzusetzen.
Ich überlegte noch ein wenig und kam dann auf die Idee, die neue 2-Liter-Whiskey-Flasche anzubrechen, die meine Eltern gerade als Geschenk erhalten hatten. So nahmen wir noch 2 Drinks ein und fuhren in die City zu dieser Freak-Disco, in der gute Musik gespielt wurde.
Dort trafen wir Bud und Charly und genehmigten uns noch einige Bierchen - dann tranken wir Brüderschaft und sagten zu dem Ereignissen von 1975 :"Schwamm drüber !"
Seitdem war ich dann ein Teil von Charlys Filmclub und wir hatten noch bis 1983 immer wieder viel Spaß zusammen bei den Dreharbeiten zu unserem Streifen "Affäre Tom Harie".
ciao, euer Kükator
ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 13. Jun 2011, 10:17
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Schicke euch ein lustiges Video von Heino Jaeger!
http://www.youtube.com/watch?v=jKA9i84v7I8 !
ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 14. Jun 2011, 09:58
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal!
Hier die Fortsetzung (alte Story neu in Interviewform)
Froggy:" Und dann begann Deine Zeit im verrücktesten Internat Deutschlands?"
"Genau! Der 3.8.1975 - hier beginnt mein neuer Lebensabschnitt: Komme nachmittags auf die Insel - zusammen mit meinen Pflegeeltern. Ziehe mit ein paar Koffern in das umgebaute Kasernengebäude. Bin einen Tag früher als die meisten anderen Schüler dort. Lerne das Heimleiterehepaat Noltus kennen - besonders Herr Noltus ist ein sehr origineller Mensch - insgesamt positiver Eindruck. (Namen der Schüler von mir geändert - nicht die der Lehrer). Lerne Peaceman und René kennen. René stammt von der Nachbarinsel Borkum und ist ein schlagfertger Typ und einige Jahre älter als ich. Wir erkunden die Insel - Disco usw.
Einen Tag später: Anreise aller Schüler und Schülerinnen, welche in anderen Häusern untergebracht sind. Mein Zimmermitbewohner heißt Barbo und kommt aus Hamburg (fanatischer HSV-Fan). Lerne sehr originelle Typen wie Franzl aus Dortmund und Seppl Hendrix aus München kennen. Bis heute ist mir Seppl als der originellste und auch der symphatischste Mensch meiner Internatzeit in Erinnerung. Er begann mit mir die Inselzeit. Ich selbst hatte nur meine kleine Wandergitarre dabei - er brachte gleich seine Stratocaster - E-Gitarre incl. heavy Equipment (Verstärker, Verzerrer usw.) mit. Als absoluter Hendrix-Fan (er sah auch fast genauso aus wie Jimy) spielte er uns allen sämtliche Solos des Meisters vor. Die Musik aus der Kaserne dröhnte über die halbe Insel. Bald merkten wir, dass in dieser Einrichtung sowas ähnliches wie Anarchie herrschte. Offiziell mußten wir abends um 22.00 im Hause sein - dann wurden die Tore verschlossen. Aber es gab ja auch Nachschlüssel und Strickleitern - das "Bermudadreieck" (Kneipenviertel der Insel) war ca. 300 Meter, die Disco ca. 900 Meter entfernt - das Meer ca. 400 Meter - und die Mädchenwohnheime 50 bis 700 Meter entfernt.
Muß unbedingt noch einen Mitschüler aus Hannover erwähnen, der den Vogel abschoß: Er hieß Matze, trug einen gammligen Parka und hatte strähnige, lange Haare - auch übers Gesicht, konnte nicht gut sehen, hatte aber keinen Bock, sich `ne Bril...le zuzulegen. Deswegen zog er sich im Unterricht oft die Finger über die Augen, was witzig rüberkam. Aber das dollste war: Zwischen 16 und 18.oo hatten wir Hausaufgabenstunde in unseren Doppelzimmern. Dann hörten wir es fast täglich: Matze klopfte überall an, ging in alle Zimmer und fragte uns ALLE : HASTE MAL NE MARK, ALTER ? Oder zu mir: Henry, kannste mir mal ne Mark pumpen? Er bleibt unvergesslich!
In den ersten 10 Tagen fiel zunächst einmal der normale Unterricht fast vollständig zu unserer Freude aus, weil die Insel eine extreme Hitzewelle erlebte - jeden Tag um oder über 30 Grad. So verbrachten wir den ganzen Tag am Strand mit oder ohne unseren Sportlehrer, der diese Zeit einfach als verlängerten Schwimmunterricht deklarierte. Ein älterer Deutschlehrer namens "Kralle" (war als junger Mensch mal früher Journalist bei einer großen Frankfurter Zeitung) hatte sich beklagt, dass es in den Schulräumen für ihn zu heiß sei und er nicht unterrichten könnte. Alle Lehrer erklärten sich anschließend mit ihm solidarisch. Das brachte uns diese angenehmen 10 Tage ein. Ab Mitte August begann dann der Schulalltag. Die auffälligsten Pauker waren Heinzi (Chemie) und Larry (Kunst). Larry war und ist eine der größten Legenden der Insel. Er ist für mich der originellste Mensch Deutschlands und besucht bis heute die Insel jedes Jahr zu Pfingsten (Ehemaligentreffen des Internats).Larry arbeitete als Erzieher und Kunstlehrer in unserer Einrichtung. Er war der Weltmeister im Organisieren ganz wilder Parties und der "Guru" für die Schüler - verlor noch in den 70ern sein Amt als Erzieher - später war er auch den Pauker-Job los. Übrigens ein großer Jazz-Experte mit einer Sammlung von vielen 1000 LPs."
Froggy:"Das ist ja alles unfassbar! Wie gings weiter?"
Am 11.9.1976 fuhr ich mit meiner Langeooger Schulklasse nach Paris! Wir starteten am 11.9. und zwar um 4.oo in der Früh. Es war eine klirrend kalte Nacht und zunächst gings mit der Insel-Zuckelbahn zum Hafen, dann mit `ner Sonderfähre zum Festland, wir stiegen in einen Bus ohne Klo und fuhren zur holländischen Grenze, dort Passkontrolle und dann bis Groningen, dort kurze Pause und dann gurkten wir über Rotterdam und Antwerpen über die französische Grenze, wo wir vom stürmischen Regenwetter empfangen wurden. Nach kurzer Rast bei Lille gings weiter und am frühen Abend erreichten wir die legendäre Seine-Metropole. Nach langer Sucherei fand der Busfahrer endlich unser Quartier am "Place de Pigalle" (ähnlich wie HH-St.-Pauli). Nun hieß es "Außsteigen!" und quakend, singend und blökend inspizierten wir unsere abenteuerliche Herberge. Die Herberge in Paris war ein Schock! Der Fußboden im 2. Stock war uneben - bestand aus bis zu 20 cm. tiefen Kratern. In den Zimmern gabs nur Ehebetten oder Dreierbetten. Ich war mit 2 weiteren Mitschülern einquartiert. Sie hatten genug Kohle mit und konnten sich das Hotel schönsaufen. Ich selbst war im Besitz weniger Mäuse in meiner Tasche - nun ja. Abends inzpezierten wir das Stadtviertel zu Fuß und schauten uns noch das Mont Martre-Künsterviertel in der Nähe an - auch die aus weißem Pulver erbaute, schöne Kirche Sacre Ceur war Gegenstand unserer Bewunderung.
Am nächsten Tag war erstmal die große Stadtrundfahrt dran. Wir ergötzten uns optisch an den schönen Bauwerken.
Nachmittags kamen die echten Inselfriesen unter den Internatschülern voll auf ihre Kosten: sie fuhren zum erstem Mal im Leben U-Bahn und waren dann bis zum Abend einfach unterirdisch gut drauf! Als sie uns von ihrer stundenlangen, ziellosen U-Bahn-Erkundungsfahrt erzählten, entwickelten sie sich dann zur Zielscheibe des Spottes der Hamburger und Berliner Mitschüler.
Nun ja - wie gings damals weiter ? Nach der Stadtrundfahrt zogen wir uns am nächten Tag die Atmosphäre des größten, europäischen Flohmarkts rein. Wir rannten kilometerweit durch eine Zeltstadt mit unzähligen Bazaren.
Nachmittags schauten wir uns den Louvre und die Notre Dame an. Wir verharrten fasziniert vor dem teuersten Bild der Welt, der "Merkel-Lisa", gemalt vor über 500 Jahren von einem gewissen Leonardo Da Vinci-Code.
Einen Tag später gings nach Versailles. Dort staunten wir nicht schlecht über all die Pracht - eine Schloß - und -Parkanlage größer als die Freiburger Innenstadt! Während der Besichtigung des Palastes blödelten fast alle Schüler herum und stellten seltsame Vergleiche an, ich natürlich auch.
Und später gabs eine Fahrt nach Chartres. In dieser Kirche begegnete uns eine Reisegruppe, bestehend aus über 20 holländischen Schülerinnen meist guten Aussehens.
Und allmählich neigte sich der seltsame Schulausflug des Langeooger Internates nach Paris seinem Ende.
Am vorletzten Tag schauten wir uns noch die Ramses-Ausstellung (ägyptische Mumien-Show, fast zum Verwechseln mit dem Bundestag) an, vorher mußten wir noch eine stundenlange Parlamentsdebatte im europäischen Parlament über uns ergehen lassen. Und deswegen war ich dermaßen müde, dass ich Gefahr lief, zu einer der Mumien in den Sarkofarg hinein zu kippen. Das konnte ein Mitschüler gerade noch verhindern - mit selbigen ging ich nach überwundener Müdigkeit abends durchs Quartier Latin und nachts am Seine-Ufer entlang. Dort stiessen wir auf einige merkwürdige Einsiedler, die sich mit den vielen Ratten unterhielten, die uns alle paar Sekunden entgegenhuschten.
Am nächsten Tage brachen wir nach Brüssel auf, wo wir nachmittags eine heruntergekommene Jugendherberge bezogen, die sich "Internationales Jugendhotel" nannte. Wir wurden ermutigt, die vielen Kleintiere dort einfach zu ignorieren. Gegen 15.oo gingen wir zum Kunstmuseum, wo wir uns Bilder von Hieronymus Bosch anschauten. Nun ging ein lustiger Tag mit meiner Schulklasse des Langeooger Internates in Brüssel zu Ende. Wir nächtigten in der chaotischen Jugendherberge. Wir Schüler waren diesmal nüchtern, zumal wir unsere ganze Kohle ausgegeben, bzw. versoffen hatten! Ich unterhielt mich noch mit einigen Kollegen vor dem Einpennen und erwähnte, dass ich immer noch ein wenig in Little B. verliebt sei, über die ich hier schon ausführlich berichtet habe.
Am nächsten Morgen brachte uns der ostfriesische Busfahrer mit seinem Gefährt Richtung Insel zurück. Unterwegs hielt der Bus in Lingen an der Ems, wo ich einfach heraushüpfte und dann zu Fuß über eine Schnellstraße zum Bahnhof lief. Von dort düste ich ab nach Lüneburg - direkt in die 4-wöchigen Herbstferien.
In meiner Heimatstadt verabredete ich mich mit der erwähnten Traumfrau, welche zu Tchibo kam. "Zufällig" erschien auch mein alter Schulfreund, den wir Bud Spencer nannten. Bekloppt wie ich damals war, nervte ich das arme Mädchen mit einem Dauer-Monolog über meinen Hilfseinsatz als Katastrophenhelfer im Sommer 76 beim Deichbruch am Schiffshebewerk Scharnebeck. Dann übernahm Bud das Gespräch und irgendwann ging ich genervt nach Hause. Dort gab mir jemand den Tipp, ich solle doch mal "Die Leiden des jungen Werther" (Goethe) lesen. Nach ein paar Tagen mit dieser Lektüre entschloß ich mich, meine Verliebtheit einfach zu überwinden - mit Erfolg.
Anfang Oktober traf ich einen anderen, alten Schulfreund, der an mir mit seinem Rennrad vorbeiraste und mir zurief: "Wir drehen einen Würgerfilm"- ich verstand "Bürgerfilm"- diese Begegnung war für mich und meine medientechnischen Ausflüge später sehr folgenreich.
Denn ein Jahr später war ich schon an den Dreharbeiten des zweiten Thrillers von Jungregisseur Charly beteiligt.
Am ersten Oktoberwochende fuhren meine Pflegeeltern mit mir zur Hochzeit meiner Cousine nach Bremen. Es war alles recht unterhaltsam - und ich erlebte freundliche Verwandte, die mich dazu ermutigten, mir schnell eine Freundin anzulachen.
Ca. ne Woche später ging ich an meinem ehemaligen Gymnasium (Herderschule Lüneburg) vorbei. Zufällig fanden dort gerade Dreharbeiten auf dem Sportplatz statt - und am Set waren Gunnar und seine Freunde, mit denen ich 1975 öfter Kurzfilme fabrizierte. Dazu sei erklärt, dass ich in ihrem Verein immer die Trottelrolle spielen mußte und dabei einmal in einen Teich geworfen wurde, ohne dass man mich vorher von diesem Vorhaben unterrichtet hatte - und natürlich gegen meinen Willen.
Die Jungs drehten diesmal einen Blödel-Fußball-Kurzfilm und sie fragten mich, ob ich nicht spontan mitmachen wollte. Ich verneinte dieses, laberte noch ne Weile mit ihnen rum und machte mich dann schnell vom Acker.
Ende Oktober 76 erschien ich wieder auf der Insel und nun begann meine destruktivste Zeit als Schüler im Internat. Es kamen neue Leidensgenossen in meine Klasse und in die Parallelklasse. Der originellste war Wolle, der so wie Obelix aussah (mit Ottfried-Fischer-Figur), sehr gut Keybord spielen und wie James Brown singen konnte.
Hatte nie zuvor einen so temperamentvollen Bremer erlebt. Er war auch der beste Partylöwe, gründete sofort eine Schüler-Jazzrock-Band zusammen mit Mike. Diesen Mike kannte ich schon über ein Jahr - ein hochbegnadeter Musiker und auch ein dezenter Spaßvogel. Mike und Wolle - beide in meiner Klasse und der Unterricht war ab diesem Zeitpunkt nie mehr wirklich langweilig. Ständig waren die Beiden in Action - hier summten sie mal mitten in der Mathestunde irgendwelche Songs und schnippten mit den Fingern dazu - sangen einfach deutlich hörbar freche James-Brown-Texte in der Biostunde (Sex-Maschine). Wir hatten jedenfalls unseren Spaß.
Im Dezember gabs kurz vor den Ferien eine sehr heftige Party. Die Heimleiterin (Nora) backte zusammen mit einigen Freaks einen dezenten Rum-Kuchen "a la Hase". Schüler Hase war ein wilder Lümmel, der dem Alkohole nicht abgeneigt war. Er schüttete gleich ein paar Flaschen des braunen Fusels hintereinander in den Teig - Nora, die Leiterin, merkelte es nicht. abends verzehrten wir dann dieses dröhnige Gebäck und dazu noch ein Faß Bier - die Schnapsleichen wurden später mit Handkarren auf ihre Zimmer gerollt. Ich selbst war nur leicht beschwippst und holte nachts die Gitarre raus und spielte zur Freude und auch zum Verdruß einiger Leutchen :"Guantamera" und "If I had a hammer"
Ein symphatischer Mitschüler namens Henning war begeistert."
Froggy:"Absoluter Hammer! Erzähl weiter!"
"Nachdem ich schon fast 2 Jahre im Internat auf der schönen Insel hinter mir hatte, trugen sich seltsame Dinge zu.
Im Mai 1977 kam ich eines Tages auf die fatale Idee, Anfang Juli von der Insel aus nach Spanien abzuhauen. Warum? Erstens stand im Mai schon fest, dass ich das Klassenziel nicht erreichen würde. Zweitens war ich u.a. auch mangels Streicheleinheiten auf einen existenzphilosophischen Dauertrip geraten, der sich bei mir zusätzlich durch asoziale Züge manifestierte. Ich lebte nur noch nach dem Prinzip "Tu das, worauf du Bock hast!" Also hatte ich keinen Nerv mehr auf die Schule und wollte mal meine Ferienfreundin aus Berlin wiedersehen. Sie machte jedes Jahr mit ihren Eltern Urlaub an der Costa Brava nördlich von Barcelona. Am 2.Juli sollte der Trip ans Mittelmeer losgehen. Schon Wochen vorher verkloppte einen kleinen Goldbarren und eine goldene Gedenkbriefmarke, die aus 7 Gramm Feingold bestand und eine Packung mit Briefmarken-Ersttagsblättern. Zusätzlich jobbte ich abends als Putzhilfe in einem Gartenrestaurant bei Klaus und Heinz. (Der dicke Heinz wurde später Chef der wichtigsten Langeooger Diskothek "Givtbude".)
Insgesamt kamen dann schließlich rund 400 Mark zusammen und ich bereitete mich Ende Juni 77 dann gezielt auf den Trip vor.
Es fand sich einer meiner Mitschüler, namens Martin, bereit, mich ein Stück weit auf der Reise zu begleiten. So kauften wir zusammen im Langeooger Reisebüro die Tickets. Er wollte nach Nizza reisen, um dort Bekannte zu besuchen, was bedeutete, dass wir mit dem Zug zusammen bis in die Provence fahren konnten und ich dann allein weiter zur spanischen Grenze fahren würde.
Martins Eltern wohnten in Cloppenburg, einer netten Kleinstadt unweit der Kulturmetropole Quakenbrück. Diese luden mich ein, doch 2 Tage bei ihnen zu verweilen - um dann die Reise fortzusetzen.
So geschah es: Martin und ich schipperten am 2.7. mit der Fähre zum Festland, bestiegen den Bus von Bensersiel nach Esens und zuckelten von dort mit der Bahn bis nach Cloppenburg. Hier holte uns Martins Vater ab und wir fuhren zu seinem Elternhaus. Dort hörten wir uns stundenlang Oldies der 50er Jahre an und besuchten das berühmte Cloppenburger Museumsdorf. Dummerweise hatte ich eine ziemlich starke Erkältung, die mich an meinen bekloppten Reiseplänen aber nicht hindern konnte.
Am 4.7. wars dann soweit: Wir bestiegen einen Regionalzug und ab gings nach Osnabrück. Dort hüpften wir in einen "Express", der uns nach Köln brachte. In Köln wars dann mittags schon tierisch heiß draußen - und dort kletterten wir in einen klapprigen Waggon eines "Europazuges", der natürlich keine Klimaanlage besaß. Ab Köln begann die endlose Gurkerei - allerdings konnten wir bei offenen Fenstern die vielen schönen Burgen am Rhein an uns vorbeiziehen sehen. Abends erreichten wir Straßburg - es war heiß und windig im Waggon und die Luft draußen wurde recht dampfig. Dann stiegen noch 2 schöne, junge Französinnen ein und setzten sich zu uns ins Abteil. Martin machte einen auf Komiker und erzählte ständig irgendwelche Witze auf französisch, die ich kaum verstand.
Irgendwann nickten wir ein wenig ein und wurden gegen 2.00 morgens durch einen lauten Knall geweckt. Kurz vor Lyon war ein Blitz in die Lok eingeschlagen und nun standen wir bis zum Sonnenaufgang sinnlos auf der Strecke rum. Ich hatte seit 20 Stunden irgendwie vergessen, auch mal zwischendurch was zu trinken oder zu essen. Meine Erkältung wurde schlimmer.
Dann ging die Fahrt weiter und wir erreichten Orange, wo die beiden Frauen und Martin ausstiegen.
Ich zuckelte dann quer durch Südfrankreich und gegen Mittag passierten wir die spanische Grenze bei Port Bou.
Am Nachmittag kam ich in Gerona an und wollte dann mit einem Zug nach Tossa weiterfahren. Ging zur Information und man sagte mir : Es fahren KEINE Züge nach Tossa: Nehmen Sie den BUS ! Aber den fand ich nicht - rannte 2mal verzweifelt quer durch die Stadt, um dann gegen 17.oo ein Taxi zu nehmen, welches rund 40 Minuten für die 30km-Serpentinen-Strecke brauchte. Zum Glück kam ich mit 20 Mark davon. Erleichtert erreichte ich den schönen Badeort und wollte zur "Strandvilla" der Eltern meiner Ferienfreundin. Ich frage mich durch und mit Schrecken erfuhr ich dann die Wahrheit: sie wohnten nicht in einem Ferienhaus, sondern im Plattenbau in einem Hotelzimmer! Und für mich gäbe es KEINEN Platz mehr! 3 Tage später musste ich nach Deutschland zurückfahren. Auf der Rückseite wurde meine Erkältung immer schlimmer und ich schaffte es gerade noch bis zu meinen Großeltern nach Osnabrück. Die ersten 5 Tage dort verbrachte ich mit Fieber im Bett."
Froggy:"Ach wie traurig! Aber du bist ja ein Stehaufmännchen! Erzähl weiter!"
"Nun ja - nach meiner Genesung (Juli 77) besuchte ich noch meine andere Oma in Osnabrück, um anschließend mit mulmigen Gefühl nach Lüneburg zu fahren, wo es erst einmal eine Standpauke von meiner Pflegemutter gab.
Andererseits erfuhr ich dort, dass meine Zeit auf Langeoog doch noch nicht vorbei wäre, nachdem ich das Klassenziel vorher verfehlt hatte.
Kurz vor meiner Rückreise zum Internat traf ich noch einige Bekannte, die mich über weitere Dreh-Pläne unterrichten wollten. So begegnete ich Charly, "Bud", Adam und einigen anderen Filmfreunden. Nebenbei erzählte mir Bud, dass meine 0,1 % Chancen bei Little B. nun absolut gegen 0% tendieren würden, weil sie nun endlich ihre große Liebe gefunden hätte.
Egal - dachte ich. Natürlich machte mir das überhaupt nix aus.
Zurück im Internat erlebte ich dann einen fast völlig verregneten August auf der Insel und überlegte weitere Strategien, wie ich wohl endlich mal eine Freundin bekommen könnte. Nach dem schwachsinnigen Spanientrip wollte ich nicht noch einmal einem weiblichen Wesen so trottelig erscheinen und so beschloß ich: jetzt werde ich ein Revoluzzer und nächstes Jahr werden wir auf der Insel eine "10-Jahre-1968-Gedenkparty-Serie" feiern. Und ich wollte das alles organisieren - mit Sit Ins, Demos, Happenings, Hausbesetzungen, Partys usw. Es dauerte dann noch eine Weile, bis ich die ersten Mitschüler überreden konnte, sich daran zu beteiligen. Zunächst gründeten wir eine Band, die psychedelische Folk-Punkmusik machte und weil wir oft in div. Internatszimmern probten, brachten wir manchmal auf diese Weise die Heimleiterin zur Verzweiflung. Das bekam ein Alt-68er mit, der zu meinen Mitschülern gehörte. (im Internat gabs auch Schüler, die über 25 Jahre alt waren).
Er fragte mich über meine Intention und über unsere politischen Ziele. Ich erwiderte auf einer Party, wo wir uns darüber unterhielten: eigentlich mach ich ja nur Revolution, um endlich eine Freundin zu bekommen.
Im November stieg im Internat auf der Wohnetage eine heftige Party, bei der mir ein Bierfass auf den linken Zeigefinger kippte. Aber ich war immerhin soweit alkoholisiert, dass ich nur wenig Schmerzen verspürte. Bis heute ziert eine Narbe diesen Finger. In derselben Woche genossen wir 2 Sturmfluten und rannten sinnlos mit Fotoapparaten am Strand herum, um die tosenden Wassermassen auf Zelluloid festzuhalten.
Im Dezember gings in die Weihnachtferien und wer kam zu uns zu Besuch nach Lüneburg ? - natürlich die Berliner Familie, die ich in Spanien besucht hatte - mit meiner Ferienfreundin. Und diesmal waren die 2 Wochen über die Feiertage absolut klasse. (Weihnachten war sonst auch immer sehr gemütlich bei uns).
Nach der Bescherung am 24.12., die wir in fröhlicher Runde von 7 Personen feierten, fing der 25.12. zunächst nach dem Motto "The same procedure as every year" an.
Am frühen Abend saßen meine Berliner Ferienfreundin und ich in meinem Zimmer und hörten Musik. (Knights in white satin / eine LP der Moody-Blues, die ich ihr geschenkt hatte.)
Wir unterhielten uns über meinen traurigen Abgang 1975 weg von der Lüneburger Herderschule (wegen Liebeskummer), ins Internat nach Langeoog und analysierten die Ursachen. Dabei erwähnte ich meinen alten Kumpel Bud. Er hatte mich wegen meines bekloppten Verhaltens in Bezug auf Little B. damals oft auf die Schippe genommen - genauso wie die Leute von dem ersten Filmclub, mit dem ich damals einige Comedy-Kurzfilme gedreht hatte und dabei immer den Trottel spielen mußte.
Jetzt wußte ich, dass Bud mit Charly zusammen im Filmteam war. Und plötzlich kam meine Ferienfreundin auf folgende Idee:
Henry, wie wärs, wenn wir uns mit Charly und Bud in der Stadt treffen?
In diesem Moment kam meine (Pflege)-Mutter ins Zimmer und ermutigte uns, solches doch sofort in die Tat umzusetzen.
Ich überlegte noch ein wenig und kam dann auf die Idee, die neue 2-Liter-Whiskey-Flasche anzubrechen, die meine Eltern gerade als Geschenk erhalten hatten. So nahmen wir noch 2 Drinks ein und fuhren in die City zu dieser Freak-Disco, in der gute Musik gespielt wurde.
Dort trafen wir Bud und Charly und genehmigten uns noch einige Bierchen - dann tranken wir Brüderschaft und sagten zu den traurigen Ereignissen von 1975:"Schwamm drüber!"
Von diese Tag an war ich dann VIP-Mitglied von Charlys Filmclub und wir hatten noch bis 1983 immer wieder viel Spaß zusammen bei den Dreharbeiten zu unserem Streifen "Affäre Tom Harie".
Im Januar 1978 begannen dann meine letzten 6 Monate meiner Internatszeit. Ich verstieg mich immer heftiger in Revolutions-Phantasien, die ich auf der Insel ziemlich wild auslebte. Mindestens einmal in der Woche dröhnte ich mir die Birne mit Alk zu und in diesem Zustande schrieb ich Flugblätter (u.a. für mehr Zärtlichkeit und mehr Demokratie im Internat) und hielt mit meiner Gitarre bewaffnet halb singend halb lallend radikale Vorträge. Für die meisten Mitschüler wirkte dies sehr komisch und Wolle, der keybordende Soulmusiker, nannte mich einfach nur noch "Henry - die Droge". Er behauptete sogar, dass ab jetzt Drogen überflüssig wären, zumal er schon auf den Trip gehen würde, wenn er mich 10 Minuten lang sähe und mir zuhöre, was mich irgendwie stolz machte.
Es war am 12.5.1978, als folgendes passierte:
Der 12.5. war Freitag vor Pfingsten - und die Schüler wurden genötigt, möglichst alle zu ihren Eltern ans Festland zu fahren. Warum ? Es bestand die Gefahr, dass die Pennäler sich an dem jährlich stattfindenden, berüchtigten Ehemaligentreffen auf der Insel beteiligen würden. Diese Meetings der ehemaligen Schüler arteten jedesmal zu einer Alkohol - und Drogenorgie aus - incl. Krawalle! Heute sind diese Treffen friedlicher. Also ich kam gegen 12.00 aus der Schule, zog mir ne Ladung Pommes rein und entschied: ich bleibe ! Nun war das Internat abgesperrt und ich mietete für 5 Mark pro Nacht ein Kellerloch am Südrand des Ortes. Dann arbeitete ich noch bis zum Frühnachmittag auf dem Ponyhof von Lehrer Klaus Frommert, um mir die für die Party notwendige Kohle zu verdienen. Mit den 10 Ocken bezahlte ich dann eine Flasche Rum (beim Bierverlag Kalle Franz) und betrat das hübsche kleine Inselhaus, welches die härtesten Partyleute des Internats über Pfingsten angemietet hatten. Dann gings los - wir stießen mit unseren Spritflaschen an und ich versuchte, die Rumflasche auf Ex leerzumachen.
Nachdem ich die Pulle innerhalb von wenigen Minuten größtenteils in mich reingeschüttet hatte, sank ich nieder und wurde in eine Badewanne gelegt. 2 Stunden später kam ich auf einem Barhocker im Jever-Faß-Keller des Hotels Germania wieder zu mir. Jemand spendierte mir ein Bier, welches ich dann innerhalb der nächsten Stunden langsam austrank. Am nächsten Abend gabs `ne Strandfete mit ca. 50 Litern Rotwein. Dazu reichlich anderes Zeugs, welches ich wahrscheinlich nicht einnahm - jedenfalls kann ich mich nicht mehr erinnern, ob ich doch noch eine der vielen bunten Pillen im zweiten Alkoholrausch innerhalb von 24 Stunden testete.
Meine damalige Clique bestand aus Mark, Ramona, "Millowitsch" und Andreas "Zappa" sowie meiner Wenigkeit. In jenen Wochen gingen wir zusammen oft durch die Flaniermeile im Langeooger Dorfzentrum und machten allemöglichen Tiere nach - manchmal stundenlang - zum Leidwesen der Insulaner und Touristen. Im Juli ging dann meine Schulzeit auf der Insel zu Ende - mit einem schlechten Abschluss der 12. Klasse!"
Froggy:"Und dann begannen Deine heftigsten 3 Jahre auf der Insel! Dazu später mehr!"
ciao, euer Kükator
Re: KÜKEN sucht FRAU
Verfasst: 15. Jun 2011, 09:59
von Freiburger Satire-Küken
Hallo erstmal! (weitere Korrektur)
Betreff: Langeoog-Erlebnisse Hotel Germania
Froggy:"Und jetzt erzähl uns was über Deine letzten 3 Jahre auf Langeoog!"
"Am 30.7.1978 verließ ich Lüneburg und fuhr auf die Insel zurück. Kam nachmittags dort an und marschierte mit meinen 2 Koffern und der Gitarre zum Hotel. Setzte mich auf einen Stuhl neben der Rezeption und wartete 2 Stunden auf meinen neuen Chef. Dabei unterhielt ich mich mit einer etwas hektischen Angestellten namens Gaby(die Ältere). Endlich kam der Chef. Ich nenne ihn hier mal Joe, weil er damals so aussah wie Joe Cocker heute. (nur war unser Chef noch etwas dicker). Joe war nicht so gut drauf - er erklärte mir nochmal einige Dinge und danach führte mich Gaby in das Dachgeschoss des Hotels, wo sich die Personaletage befand. Ich bekam ein kleines Einzelzimmer, welches 6 Meter lang und ca. 1,70 Meter breit war - irgendwie gemütlich.
Spätabends lernte ich dann fast alle Angestellten des Hotels kennen:
Neben dem Chef, der auch Chefkoch war, begegnete ich
Horst (Kellner), Petra (die Ältere; Kellnerin und Freundin von Horst), George (Küchenangestellter), Ringo (auch Koch), Dieter (Kellner und sehr trinkfest), Betty (Hausmädchen), Lizzy; Geschäftsführerin des Restaurants "Jever-Faß", welches zum Hotel gehörte und sich im Keller des Hauses befand, und dann die Auszubildenden Moni, Elsa, Petra die Schöne, Gaby die Jüngere sowie meine Wenigkeit. Und innerhalb der nächsten Monate sollte es noch viele Ab - und - Zugänge geben.
Am 31.7. mußte ich offiziell ja noch nicht arbeiten und trieb mich fast den ganzen Tag am Strand herum, um einen der wenigen Sonnentage jenes verregneten Sommers 78 voll zu genießen. Abends kam ich ins Hotel zurück, um mit meinen neuen Kollegen zu speisen. Jemand fragte mich, warum ich nicht schon heute mitgeholfen hätte. Nun ja - der Abend ging weiter und ich trank noch ein Bierchen im Jever-Faß, dabei ein wenig misstrauisch beäugt von Lizzy, die sich über mein freakiges Outfit wunderte und nichts Gutes für den nächsten Tag erwartete.
Am 1.8. wurde ich dann ins kalte Wasser geworfen - denn es ging los!
Morgens stieg ich die Treppen hinab zum Personal-Frühstücksraum. Es begann mein erster Arbeitstag in der Hotel-Keller-Gaststätte "Jever Faß". Am Tisch wurde ich zunächst freundlich begrüßt. "Guten Morgen, Herr Professor!" Dann wollen wir gleich mal schaun, wie dir die Arbeit bei uns so schmeckt!" und ähnliche Sprüche hellten mein Gemüt auf. Ich erwiderte in Gammlermanier:"Hi Freaks, alles easy? Schönes Wetter heute!"
Um 10.oo gingen wir zusammen hinter den 7 Meter langen Tresen und Lizzy begann, mir innerhalb von 20 Minuten 1000 Dinge zu erklären. Sie wies mich draufhin, dass ich schnell zu arbeiten hätte und das Team meiner ausgeflippten Wenigkeit schon die Hammelbeine lang ziehen würde, wenn ich den Betrieb aufhielte.
Von dem Erklärten waren weniger als 1% in meinem Gedächtnis hängen geblieben.
Gegen 12.00 begann der Streß. Ich sollte gleichzeitig 10 Teller mit Teller portionen aus dem im Tresenbereich befindlichen Essensaufzug herausholen und 2 Tabletts mit 17 versch. Getränken richten. Nun wußte ich überhaupt nicht, wo sich die Getränke befanden und die Kellner standen am Ende des Tresens schon leicht zähneknirschend Schlange. Lizzy nahm ein leeres Tablett und stellte sich drohend vor mir auf.
So gegen 13.oo versank ich langsam aber sicher im totalen Chaos! Ich stellte die verkehrten Getränke auf die Tabletts, gab meinen kellnernden Kolleginnen und Kollegen meistens die falschen Teller auf die Hände und zappelte nervös herum wie ein Huhn auf Extasy. Lizzy schlug mir zwar nicht das Tablett um die Ohren, aber wiederholte ihre Drohung mehrfach, solches doch zu tun. Gegen 14.oo näherten wir uns erschöpft der Mittagspause. "Henry, ruf in der Küche an und sag denen, was du essen willst und dann pflanz dich an den Tisch!"
So tat ich und war erstaunt über die gute Mahlzeit. Über die nächsten 3 Jahre sollte ich diesbezüglich nie etwas zu beanstanden haben, denn der dicke Joe kochte hervorragend! Bis 17.oo war dann Mittagspause, die ich damit verbrachte, mich am Strande herumzutreiben, wo ich Olli kennenlernte, den damals 17jährigen jüngsten Sohn meines Chefs. Er sah nicht nur aus wie ein Freak - er war auch wirklich einer. Wir wurden gute Freunde. Nahe des Wassers traf ich meine alten Hippie-Freunde Ramona, Marc, Millowitsch, Zappa usw. Sie kündigten an, mich mal im Jever-Faß zu besuchen. Auch mein ehemaliger Zimmergenosse Franz vom Internat sagte einen Besuch an.
Am Abend ging das Chaos im Jever-Faß weiter. Jetzt kehrten die Menschenmassen zurück vom Strand und wollten gleichzeitig ihre Getränke und Mahlzeiten serviert bekommen. Kellner, Köche und Lizzy wirkten ziemlich gereizt und ich steigerte ihre Wut noch dadurch, dass ich zwischendurch ungewollt meine Freakshow durch lange Monologe, blöde Sprüche und Mr.Bean-artige Bewegungen abzog.
Dann setzte sich auch noch Olli an den Tresen und verlangte nach einer großen Cola. Er war der Einzige, der in dieser Situation noch ruhig blieb und mich mit allerlei Jokes aufzumuntern versuchte.
Nach 22.oo hieß es für die Gäste :"Küche aus!" und danach mußte ich "nur" noch die Getränke mischen. Aber jetzt wollten die Leute auf einmal unbekannte Dinge wie "Bommi Plaume", "Charly" und andere Spezialitäten süffeln, die mir fremd waren. Also ging das Chaos noch bis Mitternacht weiter - danach gabs nur noch Bier.
Am nächsten Tag lief es in diesem schrecklichen Stil weiter. Lizzys Verzweiflung über meine Arbeitskünste steigerte sich ins Unermessliche.
Abends war ein neuer Hilfskoch aus Holland eingestellt worden, der auch Joe hieß. Wir nannten ihn wegen seiner Vorliebe für Asbach Uralt "Weinbrand-Joe". Kurz nach 22.oo war die Küche aus und er bestellte bei mir per Telefon :"Henry, bitte mach mir ne Tagessuppe!"
Ich fragte ihn, was das denn sein sollte und er erwiderte:"Einen dreifachen Asbach!" Das tat ich und schickte ihm einen siebenfachen Asbach per Fahrstuhl nach oben.
Der 7te Tag war gekommen und heute sollte das Chaos im Hotel Germania und dem Restaurant "Jever-Faß"einen vorläufigen Höhepunkt erreichen!
Schon am Frühstücktisch spürte ich die Anspannung innerhalb meines Teams. So gegen Mittag platzten dann 3 ziemlich wild aussehende Internatsschüler rein und begrüßten mich. In Lizzys Gesicht spiegelte sich der Zorn.
Hatte noch vergessen zu erwähnen, dass am dritten Tag meiner Anwesenheit im Jever-Faß auch noch eine Kellnerin aus dem Urlaub zurückkam, die wir "Janni" nannten. Sie war manchmal recht lustig, zeitweise aber auch ziemlich cholerisch drauf.
Nachmittags ging ich zum Strand und traf Olli inmitten einer Gruppe neuer Internatsschüler. Ich hatte meine Gitarre mit und so kam eine gute Kommunikation zustande. Eine Weinflasche machte die Runde und so gegen 16.oo sangen wir Lieder von Iggy Pop und Velvet Underground - mancher Tourist fühlte sich angesicht unserer Klamotten in die wilde Hippiezeit der späten 60er Jahre zurückversetzt."
Froggy:"Und dann bist Du wohl rausgeschmissen worden?"
"Ich mach es spannend und erzähle weiter: Um 17.oo gings im Jever-Faß weiter. Ich wußte, dass gleich irgendwas passieren würde:
Gegen 17.30 betrat eine große Schar ausgeflippter Internatsschüler den Raum und alle riefen gleichzeitig:"Henry, schmeiß uns mal ne Ladung Bier rüber!" Ich zapfte ein Dutzend großer Biergläser und laberte in meiner freakigen Manier dabei mit den Leutchen. (über Jimy Hendrix, Timothy Leary, Lou Reed, Woodstock usw.) Es sei erwähnt, das zur gleichen Zeit ca. 100 Touristen das Lokal stürmten und sich an die gemütlichen Tische setzten. Sie riefen laut und frech nach dem Service und so kam richtig Stimmung in der Bude auf. Ich sollte für diese Gäste dann innerhalb von wenigen Minuten über 100 Getränke richten und auf die Tabletts stellen.
Ich ließ es gemütlich angehen und unterhielt mich dabei mit Zappa, Marc, Millowitsch und Olli, der sich dazugesellt hatte. Unglücklicherweise machte ich dabei noch diese slapstickartigen Bewegungen und plötzlich stand Lizzy vor mir mit einem leeren Tablett. Ich sah dieses Objekt schon gefährlich auf mein Gesicht zukommen und dann? Sie schlug das Tablett auf den Boden, haute mit der Faust auf den Tresen und schrie:"Er oder ich ! Einer von uns muß hier verschwinden!"
Dann lief sie die Treppe hoch ins Chefzimmer. Ich malte mir schon aus, wie das wäre, wenn ich in 10 Minuten meine Koffer packen würde.
Nach 20 Minuten kam der Chef runter und sagte:"Sie hat gekündigt! Herr Henry, bitte ein wenig mehr Disziplin bei der Arbeit und frohes Schaffen!"
Lizzy ward vorläufig nie mehr gesehen. Ehrlich gesagt: sie war bei den meisten Gästen immer sehr beliebt gewesen - auch bei den Schülern.
Ich arbeitete noch bis Mitternacht weiter und mir war immer noch ganz mulmig zumute.
Am nächsten Tag erschienen die Frau und die 18jährige Tochter des Chefs, um vorrübergehend die Leitung des Restaurants zu übernehmen. Ab sofort veränderte sich das Arbeitsklima. Das neue Führungsduo ging sehr freundlich mit mir um und die beiden Damen erklärten mir nochmal ganz in Ruhe, wo sich die Getränke befanden, die ich für die Service-Leute aufs Tablett zu stellen hatte."
Froggy:"Das war ja nochmal gut gegangen!"
"Die zweite Woche verlief wesentlich angenehmer für mich - als sogenannter Auszubildender des im Keller vom Germania-Hotel befindlichen Restaurantes "Jever-Faß". Es sei noch zu erwähnen, dass mein Chef noch ein zweites Restaurant an der ostfriesischen Küste besaß, welches vorher von der Ehefrau unseres Bosses und seiner Tochter geleitet wurde. Diese waren nun wegen der prekären Situation im Jever-Faß kurzfristig auch die Insel abkommandiert worden - zu meinem Glück! Ich verwechselte bei der Arbeit immer noch unzählige Sachen, konnte aber diese Defizite durch meine verrückte Art und meine dummen Sprüche ausgleichen, die im Service-Team überwiegend wohlwollend akzeptiert wurden. Nur die Kellnerin Janni und ihre studierende Freundin Jutta aus Münster, die nach einer Woche bei uns anfing (Semesterferienjob), waren nicht gut auf mich zu sprechen, was ich allerdings zunächst nicht merkelte.
Ich wurde etwas weniger zappelig und hatte meistens nach 22.oo einigermaßen alles arbeitsmäßig im Griff. So lernte ich dann auch unsere Stammgäste am Tresen kennen, u.a. die symphatischen Gebrüder Heyen, auch Teefax und seine Schwester Doris, den meistens mit meinen Bierzapfkünsten unzufriedenen Insulaner Ulli, der mit 40 wie Ende 60 aussah, dann den herzlichen und schlagfertigen Ulli aus Bielefeld, der gut Enten nachmachen konnte und mich an Jürgen von der Lippe erinnerte. Dann die 2 Freundinnen Lilo und Ulrike vom "Haus Herfordia", Harry Hirsch (Hobby-Comedian und ehemaliger Seefahrer, der ursprünglich aus Köln stammte), die nette Familie Wilken vom Friseurgeschäft, Gero und Wilfried, die ich später noch näher kennenlernte und mich irgendwie (nicht optisch, aber in ihrem Verhalten) an Bud Spencer und Terence Hill erinnerten. Ich lauschte jeden Abend ihren Abenteuergeschichten, die sie auf der Insel nicht nur erlebt, sondern auch selbst eingefädelt hatten.
Der damals ziemlich freche, aber im Grunde genommen herzliche Johnny, dessen Vater eine Langeooger Fußball-Legende ist. Dann ein Holländer namens Willem, der täglich bei uns einkehrte. Später sollte er bei einem Zimmerbrand auf tragische Weise ums Leben kommen.
Manchmal erschien das Ehepaar Gerdes, die das älteste Souveniergeschäft der Insel noch heute betreiben. Ich erlebte die Beiden nie unfreundlich. Eine wichtige Berufsgruppe aus der Insel sind bis heute die Pferdekutscher - wegen des absoluten Autoverbots auf Langeoog. Von diesen Jungs erschienen täglich nicht wenige bei mir am Tresen und ich kam mit ihnen nach einigen Anfangsschwierigkeiten gut aus. Sehr unterhaltsam auch die beiden Söhne des Inselbäckers, Carsten und Rainer. Der Sohn des Fotohändlers, auf der Insel "Guru" genannt, kam oft mit seinem Kumpel Mike vorbei. Mike war der ältere Sohn meines Chefs und hatte sich gerade einigermaßen von seinem schweren Motoradunfall erholt. Ich verstand mich mit den Beiden gut.
Mitte August hatte ich mich ein wenig an die rauhen Arbeitsverhältnisse gewöhnt und eines Abends wanderte das komplette Personal kurz vor Mitternacht zum Strand. Warum? Es gab eine Betriebsfeier (ohne Chefin und Chef). Wir stellten mehrere Strandkörbe im Kreis zusammen und packten eine sinnlose Menge von Spritflaschen, Bierdosen und Rotweinsorten aus. Ich hatte meine Gitarre dabei und sorgte für die notwendige Musik. Als ich einen Song von den Kinks spielte, kam ein Internatschüler namens Alex dazu. Ich verstand damals den Text von "Lola" nicht wirklich - ebenso die meisten Anderen und wir widerholten den Refrain ungefähr eine halbe Stunde lang. ("Loooola, she drinks Coca Cola") Alex sah ziemlich ausgeflippt aus und wir wechselten uns später beim Vortrag von Freak - und - Saufliedern ab.
Die Tochter meines Chefs war recht angetan von meinen musikalischen Künsten.
So gegen 3 Uhr gingen wir dann alle ein wenig beschwippst ins Hotel zurück - vorher stellten wir die Strandkörbe zur Freude der Kurgäste wieder richtig hin."
Froggy:"Und dann fand diese legendäre Helgolandfahrt statt?"
"Genau! Bis Ende August mußte ich weiterhin noch 7 Tage in der Woche arbeiten. Die Stundenzahl reduzierte sich langsam von 12 auf 10 und auch der Streß nahm kontinuierlich ab. Es gab allerdings zunehmende Probleme mit der Kellnerin Janni, die ich wahrscheinlich unbewußt mit meiner täglichen Freak-Show als trotteliger und witzereißender Barkeeper provoziert hatte.
Und Anfang September war er dann da, unser erster freier Montag! Und diesen werde ich bis heute in Erinnerung behalten. Fast die komplette Belegschaft, incl. meiner Wenigkeit, fuhren so gegen 10.oo gemütlich mit der Inselbahn zum Hafen und bestiegen das Helgoland-Ausflugsschiff "Funny Girl". Warum eigentlich? Weil wir einen feucht-fröhlichen Ausflug zur Insel Helgoland machen wollten.
Mein Chef war auch mit dabei - und er war diesmal sehr gut drauf. Muß noch erwähnen, dass die Kellnerin Petra (die Ältere) vorher gekündigt und die Insel verlassen hatte. Dafür war die schöne Auszubildende Petra aus Aurich mit auf dem Ausflug - und an die wollte ich mich vorsichtig heranmachen. Ihre Schwester Gaby, unsere jüngste Angestellte im Hotel Germania, war auch mit von der Partie - sie sah damals so aus wie die Rtl-Supernanni auf einem Jugendfoto.
Neben Moni und Elsa waren natürlich auch Betty und George mit dabei, die seit kurzer Zeit miteinander befreundet waren. Kann mich auch noch an Willem und Mary erinnern, sowie an Ringo und Dieter, der sehr trinkfest war und fast so aussah wie der Drummer der Gruppe "The Who", Keith Moon.
Das Wetter war recht schön und ein wenig stürmisch. Ich genoß den ersten streßfreien Tag seit Ende Juli sehr und hatte in Olli, dem Junior-Chef, einen guten Gesprächspartner gefunden. Wir liefen zunächst überall auf dem Schiff herum und begrüßten die komplette Langeooger Inselprominenz, die mit an Bord war, darunter fast alle Hotel-Chefs und Kneipenwirte von Langeoog, unsere Konkurrenz also. Auch der größte Teil der kulturellen und intellektuellen Elite der Insel war mit an Bord, darunter Harry Hirsch und all die prominenten Insulaner und Insulanerinnen, die jeder kannte, weil sie immer am Abend nach getaner, schwerer, beruflicher Arbeit in den Kneipen zur kabarettischen Höchstform aufliefen und mir bei meinem Job in der Kneipe viel Freude bereiteten. Ich denke da auch an Siebo und Ulli, den Kneipenwirt aus Bielefeld (Hauptstadt des deutschen Humors) und Opa Noppermann (Rotwein-Opa) - oder an "Hühnereimer-Willy".
Wir befanden uns alle an Bord und nun machte ich den ersten Versuch, mich an die schöne Petra heranzupirschen. Sie saß zusammen mit Gaby, Moni, Elsa und Janni im Untergeschoß bei Kaffee und Kuchen. Ich setzte mich dazu und hielt einen langen Monolog über meine verrückte Zeit als Internatsschüler auf der Insel - nach 20 Minuten fragte Janni:"Wen interessiert das eigentlich?" Worauf ich erwiderte, das wir schließlich Revolution gemacht hätten und es doch wichtig wäre, die Gesellschaft mit schrägen Aktionen zu verändern. Das verstanden meine Kolleginnen nun überhaupt nicht mehr.
Dann ging ich ins Oberdeck, wo der Rest des Personals bei Bier und Korn zusammensaß. Alle friedlich nebeneinander - und mit in der Runde auch die Heyen-Brüder. Sie hatten ihr Würfelspiel dabei. Mein Chef erzählte die tollsten Abenteuer aus seiner Jugendzeit, in der er als junger Kellner in Hessen auch Prominenten der 50er Jahre begegnet war, u.a. Elvis 1958 in Bad Nauheim. Das fand ich als Fan der 50er und 60er Jahre-Musik natürlich ganz toll.
Und nun erreichten wir auch schon die Insel Helgoland. Jetzt hieß es: ausbooten! Wir verließen das Schiff und stiegen auf vorsintflutliche Holzkähne um, in die wir uns durch höchstakrobatische Sprungtechniken begaben. Jetzt gelang das noch allen mühelos, warum? Weil wir noch alle ziemlich nüchtern waren!
Wir betraten die Unterstadt der Insel Helgoland mit ihren zahlreichen Duty-Free-Shops. Nicht wenige Langeooger hatten gar keine Lust, einen Spaziergang auf der Insel zu machen, sondern verschwanden gleich in verschiedenen Kneipen, von denen es auf der Felseninsel viele gibt.
Olli, die Azubis, unser Chef und ich fuhren mit dem Fahrstuhl in die Oberstadt - auch dort gibts jede Menge Schnapsläden und Kneipen. Aber wir hielten uns dort nicht lange auf, sondern spazierten bis zur langen Anna, dem legendären Felsen mit den unzähligen, kreischenden Bewohnern darauf (Möwen).
Nach gut einer Stunde waren wir wieder in der Oberstadt und setzen uns in ein Außenlokal. Dort saßen auch schon der trinkfreudige Dieter, Ringo, George und Betty. Wir bestellten uns was Schönes zu futtern und schon während des Essens begann jeder, eine Runde nach der Anderen auszugeben. Irgendwie kam entkam ich wegen meines recht niedigen Gehalts diesem Schicksal, denn bald waren die Jungs zu breit und dadurch geistig überfordert, um mich noch zu bitten, auch ne Runde zu spendieren. Um 17.oo waren außer Olli, den Azubi-Mädchen, meinem Chef und mir fast alle aus unserem Betreib ziemlich hackevoll. Aber irgendwie schafften es fast alle am Ende, ihre Zollfrei-Tüten mit den Zigaretten und den Schnapsbuddeln zunächst auf die Kähne und von dort aus auch aufs Schiff zu transportieren.
Kaum an Bord, genehmigte ich mir dann allerdings auch einige Biere und mindestens 5 Kurze - aus der Pulle, versteht sich.
Angetrunken wurde ich mutig und machte einen weiteren Versuch, das Herz der schönen Petra aus Aurich zu erobern.
Wie gings weiter?
Wir waren auf der Rückfahrt von Helgoland und das Wetter - immer noch herrlich. Ich wankte gemütlich ins Unterdeck, wo Petra, Gaby, Moni, Elsa, Tüddeltack und sein Bruder, Dieter, George und Ringo in fröhlicher Runde zusammenhockten. Setzte mich dazu und versuchte, verbal mit Petra zu kommunizieren. Nach einem weiteren Bier begann ich damit - aber es mündete wieder einmal in einem sinnlosen Monolog über meine wilde Internatszeit. Und es kam noch schlimmer: ich machte mehrere Dialekte nach - so imitierte z.B. ich einen Tegtmeyer-Auftritt von 1975 in der NDR-Talkshow, dessen Inhalt ich noch immer in meinem Hirn abgespeichert hatte. Als ich merkte, dass das alles nicht viel einbrachte, genehmigte ich mir noch eine weitere Pulle und wanderte dann mit Olli an der Reling entlang. Wir laberten noch wenig sinnvolles Zeugs und so gegen 19.oo legte das Schiff im Langeooger Hafen an. Ich ging nach der Ankunft auf der Insel nicht gleich ins Hotel zurück, sondern schlenderte leicht angetüddelt zu Marcos Grillstube. Ich kannte den Inhaber schon aus Internatszeiten und war dort Stammkunde. Wer schon mal die Sendung "Dittsche" gesehen hat, dem sei gesagt: dieser Inselgrill hatte große Ähnlichkeit mit der Hamburger TV-Grillstube - und er existiert in umbebauter Form noch heute !
Meine Auftritte bei Marco waren vergleichbar mit Dittsches Auftritten in der TV-Grillstube. Natürlich war ich der Bekloppte, der im gammligen, grünen Parka mit Bierflasche vor dem Tresen stand und den armen Wirt mit irgendwelchen "Weltideen" nervte. Im Gegensatz zu Dittsche drehte es sich in meinen Themen eher um schönen Frauen, Revolutionen und Wetterkunde. Auch diesmal war es nicht anders. Aber es sollte noch schlimmer kommen.
Nun war es Abend und ich trank noch einige Biere und Jägermeister bei Marco im Inselgrill. Inzwischen hatten sich meine Kolleginnen im Hotel fein gemacht und waren zusammen mit George, Ringo, Dieter und Harry Hirsch in die Inseldisco "Givtbude" gewandert, welche sich nahe des Strandes auf einer Düne befindet. Das Gebäude existiert noch, beherbergt aber heute ein Kunstatelier des bekannten Malers Anselm Prester.
Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass ich jetzt auch dorthin gehen sollte - und so tat ich es und nach 10 Minuten sahen mich meine Liedensgenossen aus dem Jeverfaß durch die Tür hineinwanken.
"Henry, schmeiß mal ne Runde!" kam es aus allen Kehlen. Muß noch erwähnen, dass es eine weitere Kollegin namens Gerlinde gab, die bei uns im Hotel arbeitete. Sie war nicht auf der Helgolandfahrt mit dabei, freute sich aber diesmal, dass sie in den Genuß eines Getränkes kam, welches auf meine Kosten ging. Ich hatte eine Runde "Charly" spendiert. Charly? So nannten wir damals dieses aus Cola und Weinbrand bestehende Gesöffes.
An den weiteren Verlauf des Abends kann ich mich nur noch sehr lückenhaft erinnern. Ich lernte noch eine Insulanerin namens "Duck" (ihr Künstlername) kennen und wir unterhielten uns über das Thema "Schmusen".
Und dann taumelte ich so gegen Mitternacht mit einigen Leutchen zur nächsten Disco, welche den Namen "Die Insel" trug. Ich betrat diese Kellerdisco zum ersten Mal und sie kam mir vor wie ein Möchtegern-Nachtclub.
Meine Erinnerung setzt wieder ein, als das Lokal dichtmachte und ich mit Schrecken feststellte, dass alle meine Kollegen schon im Hotel waren und ich überhaupt keinen Schlüssel dabei hatte.
Draußen fegte ein eisiger Wind über die Insel und ich wollte mich irgendwie vor dem Wind schützen. So betrat ich eine Telefonzelle nahe des Wasserturms und legte mich dort schlafen.
So gegen 5.oo wachte ich auf und checkte die Hoteltür. Zum Glück war sie schon geöffnet worden - und dann nix wie rein und ab in die Koje!
Gegen 10.oo konnte ich dann mit leichten Kopfschmerzen meine Arbeit im Jeverfaß aufnehmen.
Am Abend erschien DUCK im Jever-Faß und erzählte mir: ich habe dich in der Telefonzelle entdeckt! Sah niedlich aus!"
Froggy:"Wirklich unfassbar!"
"Mitte September bekam ich zunehmend Probleme mit der Kellnerin Janni. Warum? Der freakige Juniorchef Olli hielt sich zunehmend im Lokal auf und half auf seine Art und Weise dem kellnernden und Getränke zubereitenden Personal. Ich fand das ganz gut - und es kam nicht selten vor, dass Olli und ich einfach mal für einige Minuten die Arbeit spontan unterbrachen und uns über Woodstock, Revolutionen und die Langeooger Hippie-Szene unterhielten. Dann nahm er manchmal ein leeres Tablett und veranstaltete damit wilde Kunststücke oder jonglierte mit 3 selbstgedrehten Zigaretten. Und wenn Janni dazu kam, lenkten wir sie mt unseren Gesprächen von der Arbeit ab - irgendwann wurde ihr das auch zuviel und sie ermahnte mich ein erstes Mal recht deutlich. Ich sei schließlich 5 Jahre älter als Olli und hätte eine gewisse Verantwortung. Aber das blieb ziemlich wirkungslos. Olli verschwand öfter mal mit einer sehr dicken Zigarette auf dem Klo und kam danach immer sehr gut gelaunt zurück. Dann war er noch gesprächiger, was mich wiederum motivierte, noch länger mit ihm zu labern.
Am 21.9. 78 wurde es Janni zuviel und sie ging zum Chef.
Noch in der Mittagspause zitierte mich dieser in sein Büro und sprach eine Androhung der Entlassung aus. Das saß! Ich wollte aber unbedingt dort weiterarbeiten und stellte mir schon das Horrorszenario eines Rauswurfs vor. Würde ich den Abgang machen, könnte ich nicht auf der Insel bleiben und wo sollte ich denn hin? Mit meinen Verwandten in Lüneburg und Umgebung lebte ich damals nicht im Frieden - galt als revolutionärer und spätpubertierender Spinner.
Am nächten Morgen erschien ich wieder bei der Arbeit am Tresen. Moni und Elsa waren schon unten und zogen sich gerade die volkstümlichen Kellnerschürzen an. Dann kam Moni auf mich zu und erwähnte, dass der Chef wegen einer schweren Venenentzündung am Bein heute nicht in der Küche arbeiten würde. Dachte mir nicht viel dabei und verhielt mich an diesem Tag unauffällig. Janni blieb auch ruhig.
Am Montag darauf hatten wir Ruhetag und ich wollte mit dem Schiff ans Festland und dann weiter in die Kreisstadt Wittmund fahren, um mir ein Percussion-Instrument zu kaufen. An Bord waren auch Chef und Chefin. Beide sehr freundlich und besorgt und ich erfuhr schnell den Grund der Sorgen. Er mußte nämlich stationär ins Krankenhaus, weil die Venenentzündung sich verschlimmert hatte.
Am Festland angekommen trennten wir uns und ich fuhr mit der Bimmelbahn nach Wittmund, wo ich nach einiger Sucherei ein Musikgeschäft fand und dort für 40 Mark Bongos kaufte. Also dieses Instrument, welches auf den Schoß gesetzt wird, um darauf wild herumzutrommeln.
Danach verschwand ich in einem originellen Piratenrestaurant und zog mir dort Schnitzel mit Pommes sowie ein Düsseldorfer Alt rein.
Irgendwann gings zurück auf die Insel. Ich zeigte Olli mein neuerworbenes Musikinstrument und er fand Gefallen daran. Fortan traten wir in unserer Freizeit als Duo auf. Ich spielte Gitarre und Olli trommelte dazu auf den Bongos. Daran sollte sich bis 1980 nichts ändern.
Im Oktober 1978 überschlugen sich die Ereignisse :
In den ersten 3 Tagen dieses Monats fiel ich wegen einer Grippe aus und verbrachte die Zeit auf meinem Zimmer und die Chefin brachte mir die Mahlzeiten. Dann ging es weiter mit der Arbeit im Jever-Faß und mit den damit verbundenen, abenteuerlichen Erlebnissen.
Ringo kündigte und ein neuer Koch namens Andy nahm seinen Platz in der Küche ein. Er kam aus Bremen und erinnerte mich optisch irgendwie an Elvis - was auch mit dessen stattlichen Gewicht übereinstimmte. Offiziell im 2ten Lehrjahr war er aber in der Küche schon so gut wie ein 4Sterne-Koch - das muss ich ihm im Nachhinein ehrlich attestieren ! Sonst war er manchmal ein wenig launisch und sehr temperamentvoll. Er freundete sich ein wenig mit der Kellnernin Elsa aus Esens an, was aber schnell wieder vorbei war, nachdem sie plötzlich nicht mehr im Hotel arbeitete. Warum Elsa wegging, weiß ich bis heute nicht.
Der Koch George und das Hausmädchen Betty aus Bayern waren inzwischen ein Paar und stritten sich manchmal ein wenig. Eines Tages kam es zu einem sehr heftigen Streit zwischen den Beiden während einer heftigen Mitternachtsparty auf der Personaletage. George war nicht sehr so ganz nüchtern gewesen und hatte sich von der Studentin und Kellnerin Jutta (meine Kollegin im Jeverfaß) zu einem gemeinsamen Love-In überreden lassen, was Bettys Meinung nach ein wenig zu wild praktiziert worden war.
Im Jever-Keller saßen kurz nach 00.Uhr noch einige Gäste mit dem Chef in fröhlicher Runde zusammen, als plötzlich Betty hereinstürmte und einen Schreianfall bekam :"Dieser untreue Mistkerl usw." rief sie aus und es dauerte 10 Minuten, bis der gut gelaunte Boss sie beruhigt hatte.
Nach 2 Tagen hatten sich Betty und George wieder versöhnt und Jutta mußte sowieso wieder zurück an ihren Studienplatz in Münster.
Unser Chef war schon wieder aus dem Krankenhaus zurück auf der Insel, aber er schonte sich noch ein wenig und mischte sich kaum in die Personalpolitik ein.
Mit dem Kellner Dieter aus dem Ruhrgebiet kam ich relativ gut klar. Er hatte die seltsame Angewohnheit, während der Arbeit immer wieder mal bei mir Charlys (Weinbrand mit Cola) zu bestellen. Und irgendwie hatte ich es damals mit der Schadenfreude und so mischte ich ihm schon ab dem späten Vormittag alle halbe Stunde einen 5fachen "Charly" (Weinbrand mit Cola). Nach geringer Zeit waren diese Sauf-Intervalle immer kürzer geworden und eines Tages kam unser Chef in den Bierkeller und sah Dieter so gegen 14.oo mit mehreren Tellern und einem vollen Tablett mit Gläsern zwischen den Tischen auf die Gäste zutorkeln. Irgendwie blieb alles heil, aber die Sache mußte wohl Konsequenzen nach sich ziehen. Als Dieter dann gekündigt wurde, hatte ich einige Gewissenbisse. Obwohl er ja eh im Herbst seine Saisonarbeit beenden wollte, um im Frühjahr 1979 wiederzukommen. Das geschah dann nicht mehr.
Zu dieser Zeit bekamen wir täglich Besuch von 2 jungen im Hotelfach arbeitenden Damen vom "Haus Herfordia". Einleuchtenderweise stammten sie beide aus Herford. Die zierliche und etwas hektische Lilo und die gemütliche Ulrike saßen am Tresentisch und wir unterhielten uns sehr oft, wobei ich jedesmal meine schräge Nonsense-Tour drauf hatte.
Irgendwann traf ich die Beiden dann nach Feierabend in der Diskothek "Insel".
Und völlig unerwartet deutete Ulrike mir nach einem netten Dialog mit eindeutigen Gesten an, dass sie mich in die Kunst der Schmusetherapie einweihen wollte. Mir fiel ein, dass ich als Jugendlicher (sah 1978 mit 21 aus wie 16) noch nie Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht gemacht hatte.
Und nun ging die Sommersaison 1978 zu Ende.
Im Oktober verließen zahlreiche Angestellte das Hotel Germania und das Jever-Faß im Hotelkeller.
Für wenige Wochen wurde der unterhaltsame Insulaner Gero der neue Geschäftsführer im Restaurant, mit dem ich relativ gut auskam.
Anfang November blieben nur noch der Chef und Küchenchef Günther, Jungkoch Andreas, Halil und Kafir, Moni, Petra die Jüngere und Gaby aus Aurich, Gero und ich.
Vorrübergehend kamen Ende Oktober noch eine neue Buffetcheffin und ein Schweizer Koch für einige Wochen in unseren chaotischen Laden.
Nach einigen Etüden in Sachen "Schmusetherapie" endete meine Freundschaft mit Ulrike vom Haus Herfordia.
In der ersten Novemberwoche ging auch Geros Zeit im Jever-Faß als Geschäftsführer zu Ende. In dieser Woche war eigentlich nach Feierabend täglich Party und wir kamen aus dem Suff überhaupt nicht mehr heraus. Gero und sein Kumpel Willy und ich versackten meistens in den Lokalen "Bierzapfen bei Gino", "Cafe Meiners"(wurde 1979 abgerissen) oder in der "Givtbude" und in der "Insel".
Am 8.11. ging ich wie an jedem Morgem verkatert ins Jever-Faß zum Aufräumen und Reinigen der Theke.
So gegen 10.oo kam ein Anruf aus Lüneburg:
Mein Pflegevater war gestorben. Das war natürlich ein schwerer Schock und mein Chef schickte mich bis Ende Dezember nach Hause.
Es folgten traurige Wochen in Lüneburg bei meiner Pflegemutter.
Etwas schöner wurde es erst, als ich im Dezember für eine Woche zu meiner Tante nach München fuhr, von wo aus ich u.a. eine Fahrt auf die Zugspitze machte."
Froggy:"Und dann wurde alles noch verrückter?"
"Ende Dezember gings wieder auf Insel.
Wir ahnten noch nicht, dass wir eine meteorologische Sensation erleben sollten.
Noch am 27.12. herrschte Langeooger Durchschnitts-Winterwetter mit Regen und viel Wind.
In der Nacht schlief ich wie immer in meiner Dachkammer ein und so gegen 4.oo morgens wurde ich von einem seltsamen Geräusch am Fenster geweckt. Der Wind schleuderte von Osten her kleine Glasmurmeln prasselnd gegen das Fensterglas. Die zusätzlichen Wassertropfen froren sofort an der Scheibe fest. Dann wurde es wieder ruhig und ich schlief ein.
Als es ich gegen 8.oo in der Dämmerung aufwachte und aus dem Fenster schaute, sah ich unser Dorfzentrum in eine weiße Dünenlandschaft verwandelt, wie ich es zuvor nur auf der Zugspitze gesehen hatte.
Ein Jahrhundertblizzard tobte über der Insel und über Norddeutschland.
Das war natürlich ein Erlebnis.
Bis Anfang Januar war Langeoog von der Außenwelt abgeschnitten. Zum Glück hatten wir im Hotel viele Vorräte und so gingen der Betrieb und auch die Sylvesterfeier mit zahlreichen Gästen gut über die Bühne.
Am 4.1. fuhren wieder Schiffe ans Festland durch das Packeis und nun wurden alle Hotel-Azubis nach Hause geschickt, denn ein paar Tage später begann für uns der Blockunterricht (Berufsschule) in Emden.
Chaos in Emden (1979)
Nach einigen Tagen in Lüenburg gings am 7.1. nach Emden. Alle Azubis von den Inseln wurden in einer Jugendherberge am Stadtrand der Ostfriesenmetropole untergebracht.
Untergebracht wie auf einem Piratenschiff in 6-Bett-Zimmern kam ich mir zunächst wie in einem Kinderheim der Nachkriegszeit vor.
Von hier aus hatten wir einen knapp 2 km weiten Fußweg durch Schnee und Eis zum Neubau der Berufsschule zurückzulegen.
Dieser befand sich unmittelbar neben dem Hertie-Kaufhaus.
Und nun spielte sich der Tagesablauf so ab:
Morgens in Herberge aufstehen, im Saal mit den insgesamt knapp 100 weiblichen und männlichen Azubis frühstücken, durch den Schnee zur Berufsschule laufen, dort den Unterricht über sich ergehen lassen, mittags Pause und dann rüber in Hertie-Restaurant zum Essen, Nachmittags nochmal ein bis 3 Stunden Unterricht im Wachkoma, nachmittags noch in der Stadt rumbummeln und Platten hören, zum Abendessen in die Jugendherberge, dann wieder los in die Innenstadt, es folgte eine regelmäßige Kneipen- und -Discotour zuerst zum Kiosk (Jägermeister-Flachmänner kaufen), dann ins "Appelboom", später ins "Holtenpoort" und am Schluß in die Travolta-Disco "Madison", wo sich besonders die Damen im Discolady-Look auf der Tanzfläche amüsierten.
Spät abends gings dann wieder in die ungeliebte Herberge. Wir waren bei den Verantwortlichen unserer Unterkunft alles andere als beliebt und so wurden wir alle Ende Januar hinauskomplimentiert und mußten dann von der Handelskammer in Privathotels der Stadt untergebracht werden, sehr zu unserem Vorteil. Denn die Kohle dafür brauchten wir schliesslich nicht zu bezahlen! So kam ich mit ca. 15 Azubis im Hotel "Germania" in der nördlichen City unter. (Germania war ja auch der Name meines Langeooger Ausbildungsbetriebs).
Dessen junger Hotelchef war sehr tolerant und wir konnten dann nachts solange ausgehen, wie wir Lust hatten.
Außerden durften sich Jungs und Mädchen ungehindert gegenseitig auf den Zimmern besuchen.
Am 13.2. erlebten wir die 2te Schneekatastrophe dieses Winters in Emden und hatten jedenfalls unseren Spaß mit den meterhohen Schneeverwehungen. Die Schule fiel fast eine Woche lang aus und ich fuhr für einige Tage mit einem Polarzug von Emden nach Lüneburg in 8 Stunden! (normal 3 Std.)
Mitte März ging der erste Berufsschulblock mit einer großen Party zu Ende. Am letzten Tag fielen nochmal 20 cm. Schnee bei 8 Windstärken.
Zurück auf der Insel erwartete mich eine turbulente Saison.
Wir bekamen neue Kollegen, u.a. den Koch-Azubi Ralf aus Bremen ins Jever-Faß, die Kellnerin Helga Haxn und den Kellner Kurt - beide aus Österreich, die neue Geschäftsführerin Marianne mit ihrer als Azubi arbeitenden Tochter Elke, ferner noch Willem (aus Erkelenz) und Mary, im Frühsommer noch den Koch Holger usw. Im Mai wurde unser Jever-Faß-Personal vorrübergehend durch ein musikalisches Ehepaar aus Gronau verstärkt.
Anfang Mai mußte ich in der Personaletage mein kleines Einzelzimmer verlassen und stattdessen mit dem Koch Ralf ein größeres Zimmer teilen, was mir anfangs schwer fiel.
Im selben Monat bekam der 17-jährige Juniorchef und Oberfreak Olli von seinen Eltern eine E-Gitarre geschenkt, sehr zur Freund aller übrigen Arbeitskollegen. Anfangs brachte ich ihm einige Gitarrengriffe bei, später lernte er seine Solos selbst. Schon bald dröhnten Jimy-Hendrix-Riffs durch ganze Hotel und auch meine schreckliche Bluesstimme röhrte über die halbe Insel.
Bei dem schönen Frühlingswetter verlegten wir bald unsere Musiksessions nach draußen sehr zum Verdruss der alteingesessenen Insulaner und Hotelbesitzer. Einmal setzten Olli und ich uns vor das "Cafe-Leiß" und machten einen wilden Sound. Plötzlich sprang ein Kellner mit eine Eimer Wasser aus dem Lokal. Olli wurde naß, ich selbst blieb fast trocken und die Instrumente kamen unbeschadet davon.
Der Kellner war Harry Hirsch!
Hier mal die Beschreibung eines Julitages 1979:
Immer noch ein wenig traurig über den Fortgang der Aushilfskellnerin Valerie, die nach England zurückgekehrt war, stand ich morgens auf, schlenderte die Treppe runter, machte die Theke sauber und aß gegen 9.30 zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen Frühstück.
Erwähnenswert unter dem Personal waren u.a.noch der österreichische Kellner Kurt und sein Bruder Georg (aus Obergurgl), die aus der Steiermark stammende Kellnerin Helga (nicht nur witzig aussehend, sondern auch keinem fiesen Scherz abgeneigt), dann Marianne und ihre 16-jährige Tochter Elke, die Köche Holger und Ralf, und der unvergessliche "Willem aus Erkelenz". Dieser lustig aussehende Mensch lud die Azubis und mich eines nachmittags zu sich auf seine Bude ein und brachte vor allem die jungen Mädchen zum lachen mit folgendem Spruch: "Isch bin der Willem aus Erkelenz und isch kanne Katze nachmachen!". Dazu präsentierte er eine grandiose Pantomime-Show. Diese Tier-Immitationsnummer war grandios, wirkte akustisch und optisch aber eher wie eine Katzen-Tiger-Entenkombination. Dann gabs noch den ehemalige Penner Meintje und den lustigen, sehr dicken Koch mit dem Spitznamen "Poppilunder" (weil er gern mal an einem Abend ne Flasche Bommerlunder leeren konnte und richtig "Herr Popp" hieß.)
Er hatte meinen Chef regelmäßig nach Feierabend in der Disco "Insel" unter den Tisch gesoffen - sein Rekord lag bei 3 Flaschen Whisky in einer Nacht.
Nach dem Frühstück gings um 11.00 an die Arbeit und an diesem leicht verregneten Tag stürmten die gelangweilten Touristen (meist aus dem Ruhrpott oder aus Köln) das Restaurant.
Normaler hektischer Arbeitsablauf wie immer: bis 14.oo Bestellungen aufnehmen und dann immer zwischen Fahrstuhl (zur Küche) und den Tischen hin und herflitzen.
Um 14.oo Pause bis 17.oo.
Mit Olli und Holger an den Strand gegangen und die bevorstehende Freak-Party besprochen. Gitarre und Bongos mitgenommen und dort und dann in der Fußgängerzone zu dritt laute und nervige Musik gemacht, um die Touristen zu ärgern. (Guantanamera a la Henry), eigene Version von "Passenger" (Iggy Pop) und einige Songs aus Woodstock-Zeiten.
Um 17.oo weiter die angefressenen Urlauber mit Bier und Essen bedient. So gegen 22.oo Feierabend für die Köche, Olli, die Mädels und für mich. Danach hektische Vorbereitungen für die Freakparty am Strand. Kurz vor Mitternacht Beginn der Party. Aus einem lauten Radiorecorder dröhnten Songs von Nina Hagen und Udo Lindenberg.
Der Sommer 1979 sollte noch verrückter werden. Ende Mai gingen Olli, einige Azubi-Frauen, das Mädchen mit dem Spitznamen "Eule", Angesteller eines anderen Hotels, und ich ins Inselkino, um uns den Straßenfeger "Eis am Stiel - Teil 1" anzuschauen.
Nach der Vorstellung lernten wir ein Hausmädchen namens Etta aus Dornum (Ostfriesland) kennen und sowohl Olli als auch ich verliebten uns in sie.
Am Ende war Olli der schlauere Eroberer und ich blieb solo. Die Beiden blieben aber nur für ein paar Wochen zusammen und eines Tages schenkte sie Olli eine neue Gitarre, sodass er jetzt außer einer Stratocaster auch eine Konzertgitarre besaß.
Im Juni bekam die Beziehung Risse und Olli wollte einen Vertrauenstest machen.
Er weihte mich in den Plan ein und wir inszenierten ein Grusel-Volksschauspiel im Inselwald (a´la Edgar Allan Poe).
Etta tappte in die Falle und gruselte sich ein wenig. Wenn ich heute daran zurückdenke? Schrecklich alberne und debile Aktion. Das Mädchen hatte sich aber schnell wieder beruhigt.
Warum aber die Gruselaktion im Inselwald? Weil sich wenige Wochen zuvor ein ehemaliger Internatsschüler in jenem Walde erhängt hatte.
Ab Ende Juni hatte ich immer wieder große Chancen, auf einer der vielen Strandparties das Herz einer neuen jungen Dame zu erobern.
Leider war ich oft zu schnell angetüddelt und verfiel dabei in meine langweilende Laber-Monolog-Phase. Dazu spielte ich auf der Gitarre meist nervige Songs.
Anfang Juli erschien die absolute Traumfrau Valerie auf der Insel. Sie kam aus London, war aber in Paris und Tel Aviv aufgewachsen und wollte eine Saison lang in unserem verrückten Hotel arbeiten!
Ich war hoffnungslos in diese orientalische Schönheit verknallt.
Mit meinem schrecklichen, englischen Dialekt begann ich mit ihr zu kommunizieren - weiß bis heute nicht, wie das auf sie wirkte.
Schon nach einer Woche war Valerei von unserem Betrieb restlos genervt und verschwand von der Insel. Danach war ich sehr traurig, aber am 12.Juli sollten wir ein unvergessliches Konzert im Jever-Faß erleben.
Dazu ist ein Manuskript wieder aufgetauscht!
Ein Herr Euli Ührli aus Bern verfasste im Juli 1979 als Kurgast auf der Insel Langeoog folgenden Text, nachdem er meinen skurillen Auftritt besucht hatte:
Bizarre Klangcollagen eines durchgeknallten, 22-jährigen Hobbymusikers:
Wir erlebten am 12.7.1979 den ungewöhnlichen Auftritt eines aufstrebenden, jungen Musikers namens Tom Henry.
Gegen 20.30 setze er sich auf seinen Barhocker, nur mit einer hölzernen, mit Nylonsaiten bestückten Wandergitarre bewaffnet. Einen vorsintflutigartigen Tonabnehmer hatte unser Held kurz zuvor mit KAUGUMMI auf dem Gitarrenkorpus befestigt. Um seinen Mund herum konnte ich eine weitere seltsame Mikrophon-Apparutur a la Eigenbau entdecken. Der arme Kerl war fast völlig verkabelt!
Zunächst präsentierte er uns eigenwillige Variationen der Songs "If I had a hammer", "We shall overcome", "Goin home" und "Hit the road, Jack".
Danach lauschten wir gespannt seinem fast 70-minütigen Blues-Boogie-Monolog und dann wars immer noch nicht vorbei.
Mein Gesamteindruck: Tom Henry zog die Auto-Metaphorik des 50er Jahre-Rock in eine diffuse Atmosphäre der 70er Jahre! Er zelebrierte eine extrovertierte Bühenshow mit knalligen Effekt-Soli und motivierte mit zündenden Gitarrenchorussen und Songs, in denen er die Wünsche und Frustrationen der Hörer zur Vision einer Subkultur verschmolz.
Henry wattierte seinen agressiv, fröhlichen Steinzeit-Boogie-Woogie-Stil in hübsche Melodien, exquisite Arrangements und einen Vortragsstil, der durchscheinende Vokalismen mit einer ätherischen Aura umgab!
Er kreirte bizarre Klangcollagen, indem er gleichzeitig Rhytmusgitarre spielte und mit seinem Mund selbsterfundene E-Gitarren-Soli imitierte!
Es waren gestern abend Meisterwerke musikalischen Plunders - aber mir hats irgendwie trotzdem gefallen. Wie wird sich der junge Mann weiterentwickeln?"
Froggy:"Voll krass!"
"Ende Juli mußte ich vorrübergehend im ungeliebten Hotelrestaurant unter Aufsicht der jungen, herrschsüchtigen Hausdame Petra aus München mein Dasein fristen, aber nach nicht einmal einer Woche konnte ich erreichen, wieder im Hotelkeller (Jeverfaß) zu arbeiten - diesmal unter dem neuen, symphatischen Thekenchef Ulli aus Bielefeld. Er erinnerte mich irgendwie an Tegtmeyer oder Jürgen von der Lippe.
Im August besuchte mich mein Schulfreund Charly auf der Insel. Er brachte noch den unvergesslichen Christoph aus Clausthal mit - ein Typ wie Heinz Erhardt, immer recht lustig und dem Alkohole nicht abgeneigt - sowie einen weiteren Kumpel.
Zum Glück hatte ich zu dieser Zeit schon zwischen 22.oo und 23.oo Feierabend und so konnten wir noch öfter bis in die frühen Morgenstunden am Strand feiern. Charly nutzte die Woche auf der Insel aus, um weitere Szenen für den Spielfilm "Affäre Tom Harie" zu drehen. Leider mußte ich während der Dreharbeiten im Jeverfaß die Gäste bedienen. Aber dann kam Charly mit seiner teuren Kamera ins Lokal, filmte mich bei der Arbeit und baute diese Szenen einfach mit in den 90-min-Spionage-Comedy-Thriller mit ein.
Bei den immer häufiger werdenden Mitternachts-Strandpartys ging es recht turbulent zu. Sie begannen kurz vor 24.oo und endeten in der Morgendämmerung.
Es gab viel Bölkstoff (Bier, Likör, Schnaps usw.)und aus dem tragbaren Riesen-Radiorecorder dröhnte u.a. die Musik von Nina Hagen, Udo Lindenberg, Deep Purple und Police.
Olli hatte einen neuen Kumpel namens Rico, Anführer einer Hamburger Jugendgang. Fast immer mit dabei auch Rocky, ein netter Internatsschüler, Erwin, ein Freak aus Österreich, Astrid aus Berlin, der Insulaner Reitus, der Schüler Alex und unzählige Leutchen, deren Namen mir nicht mehr einfallen.
Im September war für mich die Saison zu Ende und ich fuhr für 2 Wochen nach Lüneburg, wo ich unter anderem ein größeres Open-Air-Festival in Adendorf erlebte - sehr viele Freaks dort, sodass ich mit wohl fühlte.
So um den 20.9. gings dann in Emden weiter. Diesmal wurden wir wieder neu auf div. Hotels und Pensionen verteilt. Ich kam in ein sogenanntes Motel, welches von dem originellen und in Emden damals bekannten Opa Hansen betrieben wurde. Hatte ein Einzelzimmer mit Bad und es gab `ne Gemeinschaftsküche.
Von hier aus waren es zu Fuß knapp 2 km bis zur Berufsschule, aber nur 800 Meter zur "holländischen" Disco "Holtenpoort".
Am 17.10.1979 fuhr ich nachmittags nach Leer und wollte mir freakige Klamotten kaufen, was ich auch tat, denn ich hatte Bock, aus der Gesellschaft auszusteigen.
Abends im Holtenpoort tauchte ich dementsprechend verkleidet auf und lernte unerwartet eine hübsche Kindergärtnerin aus dem Emslande namens Anita kennen! Wir unterhielten uns ein wenig und verabredeten uns für den nächsten Mittwoch am selben Orte.
Ungeduldig zappelte ich in der Berufsschule herum und eine Woche später traf ich die Traumfrau erneut.
Wissend, dass sie nicht so viel von meiner Freakshow hielt, zog ich mir bürgerliche Klamotten an und diesmal hatten wir ein sehr herzliches Gespräch. Sie erzählte mir von ihrer Beziehung im Emsland, die sie beenden wollte.
Kurz bevor wir ein weiteres Treffen vereinbarten, gabs zum Abschied ein Küßchen.
Das nächste Meeting fand ein paar Tage später bei Hertie in der City statt.
Meine Verliebtheit steigerte sich erheblich und ich erzählte überall herum, kein Single mehr zu sein.
Beim vorletzten Meeting erlebte ich Anita etwas verändert. Sie wirkte nicht mehr so begeistert - ja fast besorgt.
Am 14.11.trafen wir uns noch einmal im Holtenpoort und zunächst verlief das Gespräch noch unauffällig. Doch plötzlich schaute sie mich ernst an, ihr kamen die Tränen und sie sagte: "Leider muß ich die Beziehung beenden - aus Gründen, die ich Dir nicht erklären möchte!"
Ich war entsetzt und konnte es überhaupt nicht glauben. Mein Betteln und Flehen half mir am Ende nix und ich lief völlig verzweifelt in Richtung Unterkunft. Dachte an Selbstmord und am Telefon beruhigte mich meine (Pflege-)Mutter ein wenig.
Ich legte mich dann auf meine Koje, machte die Lampe aus und versuchte irgendwie, zur Ruhe zu kommen. Plötzlich wurde es im Zimmer hell und ich versank in einen heftigen Tagtraum. Hatte das Gefühl, Gott würde im Raum anwesend sein, mit dem ich überhaupt nicht mehr gerechnet hatte!
Ich lag auf meinem Bette und fühlte ganz plötzlich einen starken, inneren Frieden - auch noch deswegen, weil ich eine Szene aus meiner frühen Kindheit vor mir sah, in der mich meine Mutter tröstete und ein Kindergebet mit mir sprach.
Am nächsten Morgen in der Berufsschule war ich deshalb wieder guter Dinge und fühlte mich wie verwandelt, die ganze Frustration war wie abgeperlt!
Am 22.11.gabs einen Feiertag und ich fuhr einfach mal so um 5.oo morgens mit dem Zug an den Rhein, bestieg den Drachenfels und kehrte um Mitternacht wieder nach Emden zurück.
War ein schöner Trip!"
Froggy:"Und dann wurdest Du sofort ein gläubiger Christ?"
"Das sollte erst später so kommen. Ende Dezember gings auf der Insel weiter. Wir erlebten eine unvergessliche Sylvesterparty gemeinsam mit den Hotelgästen und unserem Personal. Ich durfte die Longdrinks mischen und sorgte dafür, dass u.a. Olli als Stimmungskanone völlig außer Rand und Band war.
Von Januar bis März konnte ich dann auch mal eine zeitlang in der Küche arbeiten.
Ich wunderte mich darüber, wie friedlich und stressfrei die Arbeit in dieser Küche war. Warum eigentlich? Der Chef war nur selten in jenem Raume, Andy und Lilo kümmerten sich um die geringe Zahl der Essensbestellungen. Ich mischte die Salate zusammen und haute manchmal die Schnitzel in die Pfanne. Wir hatten einen Riesenbestand an Krabben im Kühlhaus und so gab es für mich bis zum März fast täglich leckere Krabbengerichte.
In meiner Freizeit (nach 22.oo Uhr) war ich meistens in der Disco "Givtbude" oder in der Tanzbar "Insel" zu finden.
Ende Januar kam meine schicksalhafte Begegnung mit "Wuschel",mit der ich ab dem Juni noch viel erleben sollte.
Sie saß allein an einem Tisch und wir kamen sofort ins Gespräch und als sie so langsam auftaute, erschien ein junger Mann an ihren Tisch, schnauzt mich dezent an und sagte "Mach meine Freundin nicht an!"
Ich wollte keinen Ärger und schlich davon - und dachte mir `Egal`.
Meinen 23sten Geburtstag feierte ich am 21.3.80 zusammen mit Marianne, Helga Haxn, Gerlinde, Elke, Lilo, Moni, Andreas und dem Kneipenbesitzer Pascale im "Bierzapfen". War ne schöne Party mit viel Gitarrensound a la Henry.
Ende März fuhr ich für eine Woche nach Lüneburg, wo ich als Gast in einer "The-Shadows-Coverband" probeweise mitspielen durfte. Wir probten das Lied "The young ones" von Cliff Richard.
Außerdem lernte ich auf einer Rock`n Roll Party eine nette Frau mit ihrer kleineren Schwester kennen.
Im April zurück auf der Insel war über Ostern arbeitsmäßig mehr los und ich fristete mein Dasein wieder als Thekenhelfer neben der Geschäftsführerin Marianne.
Abends in der Disco lernte ich Little Biggy Babyface aus Hannover kennen, die einen Ferienjob in einem Hotel hatte. Sie war eine sehr hübsche Erscheinung (optisch wie Linda Ronstadt vor 40 Jahren) und außerdem ausgesprochen nett und herzlich. Wir tauschten unsere Adressen aus und sie war am nächsten Tag auch schon wieder weg von der Insel. Eine rege Brieffreundschaft entstand und im Mai kam ich auf die Idee, ihr eine Musikcassette zu schicken - mit selbstprovozierter Musik!
Nebenbei spielte ich zusammen mit Olli, Rocky und einem Insulaner in einer Folkrockband.
Ende Mai spitzte sich die Lage im Jever-Faß dramatisch zu. Marianne und vor allen Helga Haxn bekamen zunehmend Probleme mit Juniorchef Olli und auch mit mir und wir waren einigen Schikanen und Sticheleien ausgesetzt.
Dann wurde es Olli zu bunt und wir beide planten einen Aufstand. Eine einzige, negative Aussage über Frau Haxn von Olli beim Chef reichte schon aus.
Nicht nur Helga Haxn, sondern auch Marianne wurden ins Büro zitiert und ein Wutausbruch von Helga war Ollis Vater genug. Als Reaktion wurden gleich beide rausgeschmissen. Noch am späten Abend rannten Olli, seine neue Freundin Susi und ich in die Disco und feierten dieses Ereignis. Dazu kamen dann auch noch Rocky und der lustige Micha "Millowitsch".
Als Ersatz erschien Anfang Juni neues Personal; u.a. Sabine, Inge und Burghard, alles sehr nette Menschen.
Und dann kam Wuschel, mit der ich dann für fast ein halbes Jahr mein Leben teilen sollte. Über diese Beziehung werde ich Euch noch einiges erzählen.
Ein Jahr später verließ ich die Insel. Die letzte Augenzeugin meines Wirkens auf Langeoog war Monika Mümmelmaus aus Peine bei Hannover.
soweit mal bis hierher!"
ciao, euer Kükator