Konkret?
Moderator: hessen-wohin
Konkret?
Mich würde mal interessieren wie der gemeine SuperLupo-Leser zum Monatsblatt "Konkret" steht. Ich bin mit dem Magazin nicht besonders vertraut, habe mir aber mal die letzten beiden Ausgaben gekauft. Einige Beiträge zum Thema Irakkrieg und der selbstgerechten gesammtdeutschen "Friedensbewegung" fand ich ziemlich gelungen.
Allerdings, was soll man mit Begriffen wie "Antideutsch" und "Klassenfeind" anfangen?
Einige Autoren scheinen der Welt ja wirklich noch den Kommunismus bringen zu wollen. Muss ich erst "Das Kapital" lesen um die zu verstehen?
Insgesammt aber recht erfrischende Lektüre, manchmal muss man sicher aufpassen, manchmal langt man sich an den Kopf, aber wo ist das nicht so?
Man merkt dabei auf jedenfall wie sehr sich die Standpunkte und Sichtweisen in der etablierten Presse gleichen.
Hat jemand fundierteres zum Thema zu sagen?
(Damit will ich jetzt die unfundierten Beiträge nicht abwerten neinneinnein,
die sind ja oft viel interessanter...)
Allerdings, was soll man mit Begriffen wie "Antideutsch" und "Klassenfeind" anfangen?
Einige Autoren scheinen der Welt ja wirklich noch den Kommunismus bringen zu wollen. Muss ich erst "Das Kapital" lesen um die zu verstehen?
Insgesammt aber recht erfrischende Lektüre, manchmal muss man sicher aufpassen, manchmal langt man sich an den Kopf, aber wo ist das nicht so?
Man merkt dabei auf jedenfall wie sehr sich die Standpunkte und Sichtweisen in der etablierten Presse gleichen.
Hat jemand fundierteres zum Thema zu sagen?
(Damit will ich jetzt die unfundierten Beiträge nicht abwerten neinneinnein,
die sind ja oft viel interessanter...)
Geht in Ordnung - sowieso -- genau ---
- hessen-wohin
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Unfundiertes über Konkret können sie gerne haben: schäbig und kaputt, dabei nachdenklich-hinterfragend, tendenziell, wenig an den schönen Künsten interessiert, wirr, im Ausland kaum gelesen, verhält sich zu Spiegel ungefähr so wie dieser reziprok zu Konkret, berichtete so gut wie nichts über die WM in Argentinien (1978), möglicherwaeise aber doch, wer weiss. Mehr kann ich zu Konkret leider nicht sagen, ausser vielleicht noch, dass ich nie so ein Heftchen durchgeblättert, geschweige denn gelesen habe, noch das in naher Zukunft plane.
Was natürlich kein Werturteil sein soll.
Was natürlich kein Werturteil sein soll.
- Cherno Jobatey
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Mich würde interessieren, was für ein Artikel sich hinter dieser Ankündigung im <a href="http://www.konkret-verlage.de/kvv/in.ph ... 003&mon=04" target="_blank" class="postlink">Inhaltsverzeichnis</a> von Heft 4/03 verbirgt:
Besitzen Sie dieses Heft, Leopold? Könnten sie den Inhalt evtl. referieren?<b>Lyrik mit Hau</b>
Von Gert Ockert
Noch ein Kriegsopfer: Robert Gernhardt versucht sich als Friedensdichter
-
Tischlampe
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Was mir an konkret gefällt:
-Gremliza (der Chef des Magazins, unverwüstlicher Kämpfer gegen bzw. Chronist der Diktionsverwirrnis, Begriffswurstelei, Sprachvergewaltigung und FAZ-Geld-und-Macht-ElitenArgumentationshilfen)
-Tomayer (sehr amüsanter Kauseur und Kolumnist)
-Diverse andere Autoren wie Jürgen Roth, verschiedene Schmi(d)t(t)s, Michael Rudolf...
-Unterschiedliche Meinungen unterschiedlicher Autoren zum selben Thema im selben Heft
-Griffige, handfeste Meinungen und Polemiken ohne Rücksicht auf Verluste oder Leser
-Autokratischer Führungsstil, soweit ich das beurteilen kann
-Hessen liest es nicht
Die Antisemitismushysterie ist vielleicht etwas übertrieben, aber irgend jemand muss auch das machen - schaden kann es keinesfalls.
Und gegen Klassenkampf kann ja wohl kein Idealist ernsthaft was haben - ich jedenfalls mag Ideen, die nie eine Chance haben werden.
Soviel für heute, den Artikel hacke ich Ihnen bei Gelegenheit hier rein, Herr Mugabe
Tischlampe
-Gremliza (der Chef des Magazins, unverwüstlicher Kämpfer gegen bzw. Chronist der Diktionsverwirrnis, Begriffswurstelei, Sprachvergewaltigung und FAZ-Geld-und-Macht-ElitenArgumentationshilfen)
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-Unterschiedliche Meinungen unterschiedlicher Autoren zum selben Thema im selben Heft
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-Autokratischer Führungsstil, soweit ich das beurteilen kann
-Hessen liest es nicht
Die Antisemitismushysterie ist vielleicht etwas übertrieben, aber irgend jemand muss auch das machen - schaden kann es keinesfalls.
Und gegen Klassenkampf kann ja wohl kein Idealist ernsthaft was haben - ich jedenfalls mag Ideen, die nie eine Chance haben werden.
Soviel für heute, den Artikel hacke ich Ihnen bei Gelegenheit hier rein, Herr Mugabe
Tischlampe
Meine spärlichen Erfahrungen mit der konkret sind schnell referiert:
Anno letzten Jahres erwarb ich im Bahnhofsbuchhandel versehentlich eine Ausgabe des Magazins. Als schlafbahnende Bettlektüre angedacht, stellte sich die Übergabe in Morpheus Arme bereits nach wenigen Zeilen des Vorwortes (natürlich von Gremliza) ein.
Fürderhin fristete das Heftchen ein kläglich' Dasein des Nichtbeachtetwerdens neben meiner Bettstatt.
Als sich jedoch kurz später die Jungens zum allmonatlichen Kameradschaftsabend anmeldeten, habe ich sicherheitshalber eine Ausgabe der National-Zeitung drübergelegt.
Man weiß ja nie...
Anno letzten Jahres erwarb ich im Bahnhofsbuchhandel versehentlich eine Ausgabe des Magazins. Als schlafbahnende Bettlektüre angedacht, stellte sich die Übergabe in Morpheus Arme bereits nach wenigen Zeilen des Vorwortes (natürlich von Gremliza) ein.
Fürderhin fristete das Heftchen ein kläglich' Dasein des Nichtbeachtetwerdens neben meiner Bettstatt.
Als sich jedoch kurz später die Jungens zum allmonatlichen Kameradschaftsabend anmeldeten, habe ich sicherheitshalber eine Ausgabe der National-Zeitung drübergelegt.
Man weiß ja nie...
- jugend-musiziert
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Ganz Echtes aus dem Leben
Da gibt es noch eine Zuggeschichte.
Als ich vor drei Jahren mal von Mainz nach München musste, erstand ich mir am Kiosk neben der neuen Superlupo auch eine frische Konkret. Ich ließ mich alleine in einem Raucherabteil nieder, rollte mir gemütlich ein paar Zigarettchen und begann zu lesen.
Kurz hinter Stuttgart wurde die Tür aufgerissen, zwei Herren huschten herein, forderten mich auf, "das" wegzulegen und all meine Taschen zu leeren. Für meinen Rucksack nahmen sie sich ein Viertelstündchen Zeit, kein Krümelchen meines Tabaks blieb unbeachtet. Meine Ausweisnummer wurde mehrfach in ein Mobiltelefon geschrien, und meine Lederjacke hatte Taschen unter Reißverschlüssen, die ich bis dahin noch nicht kannte.
Als die Herren schließlich von mir ablassen mussten, scheuten sie sich sichtlich, mir noch eine gute Fahrt zu wünschen und verschwanden nahezu grußlos.
Subversion kann sehr einfach sein.
Grüße,
j.-m.
Als ich vor drei Jahren mal von Mainz nach München musste, erstand ich mir am Kiosk neben der neuen Superlupo auch eine frische Konkret. Ich ließ mich alleine in einem Raucherabteil nieder, rollte mir gemütlich ein paar Zigarettchen und begann zu lesen.
Kurz hinter Stuttgart wurde die Tür aufgerissen, zwei Herren huschten herein, forderten mich auf, "das" wegzulegen und all meine Taschen zu leeren. Für meinen Rucksack nahmen sie sich ein Viertelstündchen Zeit, kein Krümelchen meines Tabaks blieb unbeachtet. Meine Ausweisnummer wurde mehrfach in ein Mobiltelefon geschrien, und meine Lederjacke hatte Taschen unter Reißverschlüssen, die ich bis dahin noch nicht kannte.
Als die Herren schließlich von mir ablassen mussten, scheuten sie sich sichtlich, mir noch eine gute Fahrt zu wünschen und verschwanden nahezu grußlos.
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Grüße,
j.-m.
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Tischlampe
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Lyrik mit Hau (konkret 04/03), Gert Ockert
Robert Gernhardt ist ein großer Dichter, ein bedeutender Essayist, ein mittelmäßiger Zeichner, kein guter Maler und momentan nicht ganz bei Groschen. Am 4.März überließ er der "Süddeutschen Zeitung" ein "Sonett vom Gebet des George W. Bush zu seinem Gott", und das hätte man lieber nie gelesen.Was da nämlich als Satire in nicht so zierlichen Zeilen zelebriert wird, würde jedem einfallen, dem nie was einfällt, also dem Leitartikler. Aber beim Meister des Wörtersees ist so was ein Ausfall sämtlcher guter Geister:
My Lord! DU siehst den Bastard das verschrotten,
weshalb wir ihn, von DIR bestärkt, verteufeln
hebt George W.Gernhardt an. Und schmarrt so weiter:
Läßt DU DEIN Volk an DEINEM Rat verzweifeln
wird alle Welt den Frieden so vergotten
daß nichts mehr läuft: Ganz ungenutzt verrotten
die besten unserer Waffen. Es verstummen
nun aber erstmal Mr.Bush und sein Ghostwriter.Denn es ist zum Verzweifeln, wie schlicht Gernhardt sich die Welt zusammenreimt.
Wollte die US-Regierung wirklich nur deshalb in den Krieg ziehen, weil sie Angst hat, ihre Laserbomben könnten andernfalls verrotten, wäre sie in der Tat noch bescheuerter, als sie in der Tat ist.Bush ist nicht geil auf Krieg.Sondern auf Sieg. Er will den Frieden ebenso wie die deutsche Friedensbewegung und R.Gernhardt ihn wollen, aber der Präsident will ihn zu seinen und seines Landes Bedingungen, und die lassen sich nicht ohne einen Krieg durchsetzen.Wenn Bush zu seinem Gott spricht, und er soll das ja recht häufig tun, wird er darum bestimmt nicht so beten:
Es verstummen
die schlausten unserer Köpfe.Sie verdummen
fortan nicht mehr.An ihrer Statt verspotten
dreist Friedenstauben Falken, die versessen
versuchten jeden Frieden zu verhindern.
Natürlich ist niemand verstummt, so schön es auch wäre, von Donald Rumsfeld nie wieder etwas hören zu müssen. Und die Tauben verspotten die Falken leider nicht dreist, sondern dumm, weil die schlausten Köpfe eben doch noch sehr effektiv arbeiten:
My Lord! Wenn ich DICH bitte, zu verbitten,
dem Krieg das letzte Schlupfloch zu verkitten,
dann deshalb: Die zum Weich-Gott DICH vermindern
soll'n nicht den Gott des Schlachtens, MICH, vergessen.
Wo aber die Löcher statt gestopft verkittet werden, da hat der Reimzwang, dieser Gott des Umnachtens, den einen Gedanken, der schon kein kluger war, überwunden und einen Weich-Keks produziert. Robert Gernhardt, seit Jahren aufs bedenklichste bemüht, ein großer Dichter nicht nur zu sein, sondern auch einen darzustellen, hat sich in Arnold Hau verwandelt, jene Figur, die er vor bald vier Jahrzehnten erfand, um solche Leitartikel-Lyrik zu verscheißern. Hoffentlich ist er diesen Hau bald wieder los.
Re: Ganz Echtes aus dem Leben
der Tip kam wohl von dem Kioskverkäufer, er hat sicher sofort die Polizei verständigt!jugend-musiziert hat geschrieben:...erstand ich mir am Kiosk neben der neuen Superlupo auch eine frische Konkret. Ich ließ mich alleine in einem Raucherabteil nieder, rollte mir gemütlich ein paar Zigarettchen und begann zu lesen.
Kurz hinter Stuttgart wurde die Tür aufgerissen...
- jugend-musiziert
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Re: Ganz Echtes aus dem Leben
Eher nicht.Star hat geschrieben: der Tip kam wohl von dem Kioskverkäufer, er hat sicher sofort die Polizei verständigt!
Aber kennen Sie auch Kioskverkäufer, die Superlupos mit fürchterlich anstößigen Titelblättern (Schweinchen Koch, A.Hitler) falschrum ins Regal stecken? Finde ich sehr fürsorglich.
Grüße,
j.-m.
P.S. Wie ist eigentlich das Magazin "TV-Sünde"? Hat das mal jemand "gelesen"?
-
Gast
- Cherno Jobatey
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- Registriert: 4. Dez 2002, 00:53
Schönen Dank, Tischlampe, für das Zitat (Gert Ockert über Robert Gernhardt)!
Die Kritik des <i>konkret</i>-Autoren fällt ein wenig arg grimmig aus, finden Sie nicht? Zweifellos gehört das kritisierte Gedicht nicht eben zu den stärksten des Dichters. Und doch...
- Obwohl! Andererseits! Ist es eigentlich schon gut formuliert:
- Der Punkt geht, wenn ich's mir recht überlege, alles in allem doch an <i>konkret</i>.
Die Kritik des <i>konkret</i>-Autoren fällt ein wenig arg grimmig aus, finden Sie nicht? Zweifellos gehört das kritisierte Gedicht nicht eben zu den stärksten des Dichters. Und doch...
- Obwohl! Andererseits! Ist es eigentlich schon gut formuliert:
Gert Ockert hat geschrieben:...da hat der Reimzwang, dieser Gott des Umnachtens, den einen Gedanken, der schon kein kluger war, überwunden und einen Weich-Keks produziert. Robert Gernhardt, seit Jahren aufs bedenklichste bemüht, ein großer Dichter nicht nur zu sein, sondern auch einen darzustellen, hat sich in Arnold Hau verwandelt, jene Figur, die er vor bald vier Jahrzehnten erfand, um solche Leitartikel-Lyrik zu verscheißern. Hoffentlich ist er diesen Hau bald wieder los.
- Der Punkt geht, wenn ich's mir recht überlege, alles in allem doch an <i>konkret</i>.
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Tischlampe
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Leserbrief Harry Rowohlt, konkret 05/2003
Das sagt übrigens Harry Rowohlt in der aktuellen Ausgabe, in einem Leserbrief über oben erwähnten Artikel:
Who the fuck is...?
"Robert Gernhardt" schreibt Gert Ockert auf neidgelbem Grund, "ist ...kein guter Maler..."
Und wer ist Gert Ockert? Gert Ockert ist jemand, der Robert Gernhardt für keinen guten Maler hält, und mehr braucht man über Gert Ockert daraufhin nicht mehr zu wissen.