Sehr freundlich, Herr Mugabe,
dass Sie so ausführlich auf meinen Beitrag schreiben und manche Frage für mich geklärt haben. Sie scheinen ebenso wie ich selbstständig (schreibt man jetzt übrigens endlich vernünftig!) zu sein und einem finanziellen Ruin mutig gegenüberzutreten...
Nun aber flugs zu Ihren Ausführungen :
Leser haben zwar etwas mehr Zeit als Vorleser, um die Satzstruktur zu studieren, sind aber ebenfalls dankbar, wenn sie es nicht unnötig müssen.
Völlig einverstanden. Aber, und da liegt ja nun der Hase auf der Nase: Es wird einem ja nun auch nicht verboten, Kommata zu setzen. Und aus pragmatischer Sicht ergibt sich m.E. für eine gewisse Zeit keinerlei Unterschied zur vergangenen Praxis: Haben bislang die Kommaunkundigen entweder keine gesetzt oder sie nach dem Zufallsprinzip nach Beendigung der Niederschrift hineingeschosen ("ein schöner Text hat auch Kommata"), so brauchen sie sich jetzt nicht mehr der Qual der Qahl aussetzen und setzen gleich gar keine rein.
Allerdings bin ich mir der Gefahr der Überlieferung dieser "Lehre" bewusst, möglicherweise weiß bereits die nächste Lehrergeneration nicht mehr um die Existenz und den möglichen Gebrauch dieser doch so liebreizend anzusehenden Häkchen.
Ich bin mit Ihnen völlig einig, dass Kommata einen Text lesbarer machen, und ich möchte und werde auch weiterhin darauf nicht verzichten.
Ich erlaube mir, weil ich es grade zur Hand habe, einen Beispielsatz aus einem Kinderbuch zu nehmen.
Ich bitte darum.
<i>""</i>
(Michael Ende, Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch. Thienemann, Stuttgart 1997, S. 116 - 'in neuer Rechtschreibung')
Vor der Rechtschreibreform las sich der Satz so:
<i>"Jakob bat und bettelte, dabeibleiben zu dürfen."</i>
Wir sehen, daß der Satz in herkömmlicher Rechtschreibung schneller zu erfassen ist, nicht nur wegen des Kommas, sondern auch wegen der Zusammenschreibung <i>dabeibleiben</i>, die man anders betont als <i>dabei bleiben</i>, weil sie ja auch etwas anderes bedeutet.
Ein sehr schönes Beispiel. Danke.
Denn es zeigt in der Tat viererlei (mal sehen, ob meine Hochrechnung aufgeht...):
1. haben Sie völlig Recht, dass die Kommata eine wertvolle Verständnishilfe sind. So auch in Ihrem Beispielsatz.
Hier jedoch irrt der große Diktator:
Jakob bat und bettelte dabei bleiben zu dürfen.
Denn
2. wird "dabeibleiben" mit dem Starkton auf der zweiten Silbe nach wie vor zusammengeschrieben.
Was uns
3. zeigt, dass sehr häufig mit angenommenen Änderungen argumentiert wird, die oftmals gar nicht gegeben sind. Sehr oft wird der Duden falsch gelesen, wobei beim aufmerksamen Hinschauen
4. "dabei sein" immer getrennt geschrieben wird (trotz Starton auf der zweiten Silbe), was ich nicht im Geringsten verstehe.
(Prima, es sind tatsächlich 4 Punkte geworden. Ich habe aber nicht geschummelt!)
Ihren Irrtum jedoch bzgl. der Getrenntschreibung habe ich in Diskussionen öfter erlebt, wonach von Annahmen ausgegangen wurde und wird, die nach genauem Hinsehen einer Grundlage entbehren.
Meine unmaßgebliche Meinung zur RSR: Manche alten unlogischen Schreibweisen wurden durch logische ersetzt (s. "selbstständig"), manche neuen Schreibweisen sind unlogisch und ersetzen unlogische alte. Und viele neuen sind einfach unsinnig und möglicherweise Folge eines Aktionismus.
Dass ich mich der neuen Regeln (soweit ich sie beherrsche) bediene, hat ausschließlich pragmatischen Charakter. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass der Fall gegessen ist und ein weiteres Sträuben sinnlos ist.
Schönen Tag noch, Gruß auch an Herrn oder Frau Saftpresse...
PS.: Kann mir irgendjemand erklären, warum die Schrift nach dem ersten Zitat so scheußlich wird?