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General Amnestie
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Obskure Wissenschaft

Beitrag von General Amnestie » Do Mär 25, 2004 10:36 pm

Den Anfang macht ein Klassiker des Obskurantismus:
Die Welteislehre.
Ich hätt' jetzt ein' Gusto
zu astronomischen Beobachtungen;
denn mich hat 's G'mischte ein wenig
duslich g'macht.

Johann Nepomuk Nestroy
Der böse Geist Lumpazivagabundus
Als ich ein kleiner Junge war, dachte ich, daß der Schnee von den Sternen kommt. Ich dachte, Schnee sei Sternenstaub.
Das war mein Schnee von gestern.

Franz Josef Wagner
Post von Wagner 28.11. 2005

Die folgende Zusammenfassung ist eine Adaption aus dem Werk des Nazischriftstellers Rudolf Elmayer von Vestenbrugg (Die Welteislehre, Leipzig 1938). Es handelt sich hier nicht um copy&paste!


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Ihr Erfinder, der Wiener Techniker Hanns Hörbiger, hat sie 1913 unter dem Namen Glacial-Kosmogonie publiziert. Seitdem erfreut sie sich besonders unter Wissenschaftsgegner großer Beliebtheit. Heinrich Himmler gehörte zu ihren Bewunderern und half auch bei ihrer Weiterverbreitung. Selbst der Führer, munkelt man, habe sie halbwegs verstanden oder zumindest gut geheißen. Warum dem so ist, erklärt Elmayer von Vestenbrugg:
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Hörbigers Welteislehre ist ein ausgesprochen nordisches Weltbild, das ganz auf Selbstzucht, Tapferkeit, Gefahr und Kampf gestellt ist. Mit dem Kampf beginnt alles Leben, dem Kampf zwischen Weltglutstoff und dem Welteis, und dieser Kampf, vernichtend im kleinen und einzelnen, ist es doch, der den Fortbestand des Lebens im größten kosmischen Sinn sichert und erhält (...) Es liegt etwas nordisch Kühnes in den sittlichen und seelischen Werten der Welteislehre, etwas eisenhart Germanisches. Die Relativitätstheorie verhält sich zu ihr wie der Talmud zur Edda. Die Schönheit eines Weltgedichtes von gewaltiger Größe blüht aus ihr. Bei aller Gedankenarbeit liegt eine romantische Stimmung über ihr, aber es ist jene Romantik, die sich immer mit den höchsten Leistungen der Wissenschaft verknüpft, weil sie Zeugnis ablegt von einer Schöpfung aus Erleben und Eingebung."
(S. 76 f.)
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Daß die Welteislehre, dieses erhabenste und gewaltigste Weltbild, das je nach Kopernikus und Kepler entstanden ist, auch wieder von einem Deutschen geschaffen wurde, sollte jeden Deutschen mit Dank und freudigem Stolz erfüllen!"
(S. 78)
Nun, das stolze Werk beginnt beim Hagel.
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Die Meteorologie ist bisher beim Erforschen der letzten Ursachen des Wetters, also auch bei der Deutung der Hagelerscheinungen, erfolglos geblieben, weil sie dem althergebrachten Glauben nachhing, das irdische Geschehen hinge einzig nur von der Erde ab und ein Hineinspielen außerirdischer Einflüsse müsse als unwissenschaftlich abgelehnt werden. Es ist daher kein Wunder, dass bis jetzt schon mehr als ein halbes Hundert verschiedener "nur-irdischer" Hageltheorien aufgestellt wurden, von denen jede der anderen widerspricht und keine den Beobachtungstatsachen Genüge leistet."
(S. 8)
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Aber der Hagel ist nur eine Kleinigkeit im Vergleich zur vollen Bedeutung des Welteises. Alles beginnt viel viel früher, nämlich am Anfang.
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Vor 10 oder 100 oder auch noch mehr Milliarden Jahren schwebte eine alternde, rötlich strahlende Sternmutter von etwa 200millionenmal größerer Masse als die unserer heutigen Sonne im Sternbild Taube. Ihr Schwerebereich war eine ganz ungeheuer ausgedehnte Raumkugel, welcher zahllose erkaltete oder vereiste Zwergsterne, aber auch ebenso zahllose Eiskörper, deren Weg sie kreuzte, zum Opfer fielen. Auf ihrem Zug durch das Weltall hatte sie sich auch einmal einen kleineren Weltkörper von etwa 40.000facher Sonnenmasse als Trabanten eingefangen, dessen ursprüngliche Bahn sich erst allmählich in jahrmillionenlangem Spiel in feingewundener Spirale verengerte. Dabei hatte der Begleiter genügend Zeit und Gelegenheit, zu einem ganz eisdurchtränkten Körper zu erstarren."
(S. 22)
Das Weltraummedium Wasserstoff bremst Himmelkörper auf ihren Umlaufbahnen (Weltraumwiderstand), sodass sie sich spiralförmig immer weiter annähern.
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Während der Jahrmillionen, die der erkaltende Riesentrabant seine Spiralbahn immer näher an die Gigantin zog, bedeckte sich nicht nur eine Oberfläche mit Eis, sondern er wurde auch vom Wasser bis auf den Grund durchtränkt. (...) In diesem Zustande kam es einmal (...) zum Einsturz des Begleiters in die Sternriesin. Er schoß in mehr oder weniger flacher Bahn in die Gigantin ein, wo er in etwa 100 Millionen Kilometer Tiefe durch einen gleich großen Auftrieb sein Gleichgewicht fand und zur Ruhe kam."
(S. 23)
Zunächst einmal ließ der Eistrabant Teile der ihn umhüllenden Glutmasse zu Schlacke erstarren, die als Schutzmantel ihn vor einer sofortige Verdunstung bewahrte, wie Hörbiger in einem Hochofenexperiment beweisen konnte. Aber nicht für immer. Früher oder später musste der Druck weichen und es zu einer fürchterlichen Siedeverzugsexplosion kommen.
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Im Laufe vieler Tausende von Jahren wandelte sich der umschlackte Eistrabant in der Gigantin zu einer Sprengbombe um, welche die Kraft von vielen Milliarden Atmosphären in sich barg. Sie bildete aber eine Sprengbombe von besonderer Art, die sich nur schwerfällig zur Explosion bringen ließ, dafür aber um so verheerender wirkte. Als nämlich eines Tages ihr Gleichgewichtszustand durch irgendeine Druckentlastung, vielleicht durch Aufsteigen infolge Gewichtsverlustes oder Wärmeausdehnung, gestört wurde, verwandelte sich urplötzlich das gesamte Wasser der Bombe in überhitzen Dampf. Die Folge war eine Explosion von unvorstellbarer Gewaltigkeit: Milliarden Kubikkilometer Siedwasser und überhitzter Wasserdampf wurden frei, rissen einen Riesentrichter aus dem Glutleib der Sternmutter und spien ungeheuerliche Glutmengen - mehr als das 500.000fache der Masse unserer heutigen Sonne - garbenartig in den Weltraum."
(S. 26)
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Ein Großteil des Auswurfes wurde freilich von der Schwerkraft der Sternriesin wieder eingefangen; was aber ihren Gravitationsbereich verließ, das bildete unser Sonnensystem sowie eine Eis- (500 Sonnenmassen) und eine Glutmilchstraße (5000 Sonnemassen).
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Nach Hörbiger ist also nur die Glutmilchstraße eine Anhäufung von vielen weit entfernten, selbstleuchtenden Körpern, während die freisichtbare Eismilchstraße aus einem im Sonnenlichte schimmernden Ring von Eiskörpern besteht und um das Planetensystem herumgelagert ist; beide Milchstraßen nehmen aber an der Umlaufbewegung des Planetensystems nicht teil."
(S. 33)
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Seit Entstehung dieser Konstellation, ist das Welteis für allerhand verantwortlich.
Sonnenflecken entstehen z.B. durch den Einschlag großer Welteisbrocken. Dabei wiederum wird sogenanntes Feineis gebildet; verdunstetes Wasser wird von der Sonne Richtung Erde geblasen, wobei es wieder zu Eis erstarrt.
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Das Eindringen des sonnenflüchtigen Feineises ist aber nicht nur die Ursache der sogenannten Tiefdrucke, welche schlechtes Wetter anzeigen, sondern auch der rätselhaften magnetischen Störungen, der Rundfunkstörungen, der geheimnisvollen Heavyside-Schicht mit ihren wechselnden Höhen, der Morgen- und Abendröte, der leuchtenden Nachtwolken, des Nordlichts und vieler anderer Erscheinungen, für welche die Meteorologen kein zureichende Erklärung haben. Vor allem ist der Zusammenhang der Erdbebenfrage mit der verstärkten Feineisanblasung infolge eines gegen die Erde gerichteten Sonnenfleckens von größter Wichtigkeit. Entgegen der bisherigen wissenschaftlichen Meinung, dass Erbeben in der Regel durch Verschiebung von Erdschollen gegeneinander entstehen, ist nach der Welteislehre die Ursache der Erdbeben in Siedeverzugs-Dampfexplosionen zu suchen (...) In den tieferen Schichten befindet sich nämlich das Grundwasser im Zustande des hochgradigen Siedeverzuges. Durch jähe Druckentlastung werden dann die innerirdischen Siedeverzugsexplosionen und damit die Erdbeben ausgelöst. Dies kann geschehen, wenn die Erdrinde durch Schwereeinwirkung bei gewissen Stellungen von Mond und Sonne zur Erde "angehoben" wird, also zum Beispiel, wenn dei drei Himmelskörper in einer Linie stehen und die Flutkräfte von Mond und Sonne sich summieren (...) Geht dabei ein großer Fleck über die Sonne und trifft ein starker Feineisstrahl plötzlich die unheilschwangere Erde, so wird der Tiefdruck und die damit verbundene Druckentlastung gewöhnlich ausreichen, um die geladene Bombe im Erdinnern zur Explosion zu bringen. Genau die selbe Ursache bringt auch die gefürchteten "Schlagenden Wetter" in den Bergwerken zur Auslösung (...) Durch eine regelmäßige Sonnenbeobachtung im Sinne der Welteislehre (...) wäre man imstande, bis zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Möglichkeit des Eintretens von Schlagwettern vorherzusagen, damit in den Bergwerken die entsprechenden Vorsichtsmaßregeln getroffen werden."
(S. 40 f.)
Außerdem existiert das Welteis nicht nur als freischwebende Brocken. Sogar der Mond...
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Alle möglichen Stoffe, selbst Lava und Glas, wurden dort vermutet, nur auf das Nächstliegende, auf die Eisnatur des Mondes, kam niemand, bis die Hanns Hörbiger seit 1894 zum Ausgangspunkt seiner Welteislehre machte und auch physikalisch und mathematisch einwandfrei begründete."
(S. 45)
Und nicht nur der. Ausnahmslos alle Planeten unseres Sonnensystem bestehen entweder vollständig aus Eis (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto) oder sind mit einer dicken Eisozeanschicht bedeckt (Merkur, 6 km; Venus 50 km; Mars, 450 km).

Kosmische Einflüsse haben auch immer wieder die Erdgeschichte beeinflusst. Etwa der Vorgänger unseres heutigen Mondes, der Känomond. Als seine Umlaufbahn sich mehr und mehr verengte, wurden die Hubkräfte immer stärker, sodass der Mond auf der Erde wahre Flutberge entstehen ließ und sogar Teile der Atmosphäre absaugte. Durch den dünner gewordenen Schutzmantel drang die Weltraumkälte auf die Erde ein und löste eine Eiszeit aus. Aber der Känomond brachte nicht nur Unheil, sondern auch - zumindest aus unserer heutigen Sicht - Segen, z.B. Kohle und Erdöl.
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Wir sehen also, dass die Steinkohle letzten Endes ein kosmisches Geschenk aus urfernen Zeiten darstellt. Längst wäre jede Spur der riesenhaften Vorweltwälder für immer verschwunden, wenn nicht (...) ein erdnaher Mond sie währen kosmischer Katastrophenzeiten durch seine Flutberge in unsere Gebiete geschwemmt hätte."
(S. 66)
Darin liegt nämlich der Hauptverdienst des Känomondes bei der Bildung fossiler Brennstoffe. Auf natürlichem nur-irdischem Wege hätte sich niemals eine so hohe Konzentration der Rohmaterialien bilden können, um solch riesenhafte Kohleflöze oder auch Erdölfelder entstehen zu lassen, wie wir sie heute finden. Letztere sind bekanntlich tierischen Ursprungs und rühren daher, dass alles Leben des Meeres vor den Flutbergen flüchtete, bis es sich endlich zu Milliarden in Buchten gefangen sah und dort verendete.

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Schlussendlich war der Känomond aber in für ihn bedrohliche Nähe zur Erde gerückt.
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Als der Känomond nur mehr 1,8 Erdradien, also rund 11.500 km, entfernt war, begannen die Erdhubkräfte immer mehr das Übergewicht über die Oberflächenschwere des Trabanten zu bekommen und ganze Eisbrocken aus seinem Leibe zu reißen (...) Mit dem Zerfall des Känomondes verschwand aber auch in immer rascherer Abnahme jene Kräfte, welche die mächtige Gürtelflut in den Äquatorgegenden zusammengehalten hatten. Die Wasser dieser am Ende gigantisch angewachsenen Flut begann erst langsam, dann immer schneller in ungeheuren Mengen nach Norden und Süden abzuströmen. Bis über die Berge stieg die entsetzliche Wasserflut und den mittleren und höheren Breiten und ließ dort nur einzelne der höchsten Erhebungen frei: es war die Sintflut!"
(S. 73 f.)
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Daraufhin begann für die Menschheit eine mondlose Zeit.
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Erst durch Hörbigers Nachweis dieser Vormondzeit wird der merkwürdige Umstand erklärlich, dass die Maya, die in vorgeschichtlicher Zeit auf der bolivianischen Hochfläche lebten, sich gerade den Venusstern und nicht den viel geeigneteren Mond als Grundlage ihres Kalenders nahmen."
(S. 53)
Neben den Mayas bestanden aber zu dieser Zeit noch weiter Hochkulturen. Eine hatte ihr Zentrum auf einer Landbrücke, die Australien über die Osterinseln mit Südamerika verband. Von diesem Reich "Rapa-nui" zeugen heute nur noch die Steinstatuen, Malerein und Schnitzarbeiten auf den Osterinseln. Eine zweite versunkene Landbrücke führte von Afrika über Madagaskar nach Indien. Die in der Sundasee und im Indischen Ozean verstreut liegenden Inselgruppen sind die Überreste der Zivilisation "Lemurien". Das dritte versunkene Reich war Atlantis. Dieses nordische Reich war der Sitz des Adels der Menschheit und zugleich Ausgangspunkt für alle anderen Kulturen. Es lag als Rieseninsel auf der Linie Gibraltar - New York.
Doch alle drei fanden vor etwa 14.000 Jahren ein jähes Ende. Ein Welteiskörper, der schon oft das Schwerefeld der Erde passiert hatte, wurde von ihr schließlich in eine Umlaufbahn gezwungen und unser Mond.
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben: "Als aber vor 14.000 Jahren unser jetziger Mond von der Erde eingefangen wurde, traten seine gewaltigen Hubkräfte ganz plötzlich und und in verderblicher Weise in Erscheinung: unvermittelt saugte er riesenhafte Wassermassen von den höheren Breiten ab und zog sie in den Äquatorgebieten berghoch zusammen (...) Im Verein mit unerhört gewaltigen Erdbeben und viele Hunderte Meter hoch heranstürmenden Wogen fanden Atlantis, Lemurien und das Osterinselreich Rapa-nui zur selben Stunde ein ungeheures Wellengrab."
(S. 54)
Nach dieser Katastrophe stellte sich wieder ein scheinbares Gleichgewicht der irdischen Verhältnisse ein. Es ist eine trügerische Ruhe.
Elmayer von Vestenbrugg hat geschrieben:
"Diesem aber folgt nur mehr eines: hat sich dann auch unser jetziger Mond unter Auslösung von Katastrophen, die an Furchtbarkeit jene des Känomondes noch weit übertreffen werden, einstens in die Erde eingegliedert, dann ist für die kärglichen Reste der Menschheit - wenn sich solche überhaupt aus dieser grauenvollsten aller kosmischen Umwälzungen werden retten können - das letzte Zeitalter angebrochen."
(S. 75)
Der Mars wird schließlich die Erde Richtung Sonne passieren, und wenn sein Vorbeizug noch nicht alles Leben getötet hat, so wird spätestens mit dem massenhaften Einfall der Eisboliden, vor denen der Mars die Erde bislang abgeschirmt hatte, ein kilometerdicker Eismantel alles in Todesstarre versetzten, bis am Ende der Erdzeit unser Planet wie alle anderen auch in die Sonne stürzen wird.
Zuletzt geändert von General Amnestie am Di Nov 29, 2005 12:34 pm, insgesamt 4-mal geändert.
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Beitrag von justine » Fr Mär 26, 2004 11:26 am

Toll, General. Besonders beeindruckend die Zeichnungen. Vielen Dank für diese Bereicherung.

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Beitrag von Adorno » Fr Mär 26, 2004 1:17 pm

Meine Verehrung, Herr General. Exzellente Arbeit.

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Beitrag von Barschel » Fr Mär 26, 2004 2:02 pm

Ich bin überwältigt. Detailliert recherchiert, Herr General. Respekt.
Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.

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Beitrag von Kujat » Mi Mär 31, 2004 8:31 pm

Wundervoll, Herr Amnestie, ich kann mich den Vorpostern nur anschließen. Und diese faszinierende These wusste mich sofort in Ihren Bann zu ziehen und zu überzeugen. Beim Nachschlagen bezauberte mich übrigens auch die berufliche Heimat Hörbigers: Laut Internet war er Ingenieur für Kühlmaschinen.
Ich fürchte nur, dass es schwierig wird, diesen Strang mit ähnlich würdigen Wissenschaftelaboraten zu verlängern.
Toleranz für Riesen-Janz

Ror Wolf

Beitrag von Ror Wolf » Sa Apr 17, 2004 9:15 pm

Ein Forschungsüberblick

Natürlich kenne ich das Für und das Wider der Welteislehre, ich war zugegen als viellippig pendelnd zwiespältig Diskurs geführt wurde, als Pilzer Hörbigers Theorie mit den Darstellungen Bocks verglich. Pelzer führte dagegen die Beobachtungen Hocks an, so dass sich für Pilzer die Frage nach den Ansichten Barts ergab, die Pelzer veranlasste, von den Auffassungen Schwimms zu sprechen, die sich, sagte er, mit den Vermutungen Zapfs träfen, besonders im Hauptgesichtspunkt, der, sagte Pelzer, auch in den Aufsätzen Birns bestätigt worden sei. Die Frage wurde jetzt laut, wie sich Pelzer, ein Gegner der Theorien Krücks, zu den Urteilen Rucks verhalte. Rucks Urteile, sagte Pelzer, seien nichts im Vergleich mit den Urteilen Krapfs, die zugleich von den Berechnungen Schnoors und den Ermittlungen Schwamms gestützt würden, dies seien die Urteile, an die er sich halte, von den Urteilen Rucks halte er nichts. Pilzer führte einen Abschnitt aus den Aufzeichnungen Krapfs an, dem Pelzer, etwas mehr den Untersuchungen Rachs zuneigend, dabei Pochs Notizen heranziehend und unter Bezugnahme auf die Betrachtungen Bruchs widersprach. Pilzer vertrat freilich die Auffassung, dass gerade Rachs Untersuchungen noch der Überprüfung bedürften, er verwies auf einen Artikel Birns, auch auf Äußerungen Scharrs und Barschs, doch seiner günstigen Beurteilung der Beiträge Schleis konnte Pelzer natürlich nicht zustimmen. Schleis Beiträge, die sich zum Teil noch auf die Untersuchungen Hirschs bezögen, lehnte er ab, er schob sie weit von sich und verwies auf Beers, wohlgemerkt Beers, nicht etwa Bärs, wie nun Pilzer vielleicht glaube, sondern Beers Standpunkte. Pilzer, der den Verdacht äußerte, Pelzer habe sich von den Gedanken Ramms und dessen Gegensatz zu Stamms Gedanken stehenden Gedanken verwirren lassen, bezog sich auf eine Veröffentlichung Hock-Berns. Und während ich an dieser Stelle von Schläfrigkeit gepackt wurde, während der nach den Worten Pelzers alles über einen Kamm scherende Pilzer vor der Nichtbeachtung des Wesentlichen und der Überschätzung des Unwesentlichen in den Arbeiten Lapps warnte, während Pelzer im Zusammenhang mit den Erklärungen Schnecks die Stichworte Stechs erwähnte, hatte ich das Gefühl, dass erst jetzt, in diesem Moment, die wirklichen Schwierigkeiten dieser Angelegenheit begännen.

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hessen-heidegger
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Beitrag von hessen-heidegger » Mo Jul 05, 2004 10:47 pm

Aha, hier geht es also um völlig irre, absurde und skurile Theorien, an die die Welt sich nur erinnert, um etwas zu Lachen zu haben? Da kenne ich auch eine: die sog. negative Dialektik eines gewissen T.W. Adorno.

Dieser Adorno - eine windige und undurchsichtige Gestalt, die neben ihren "wissenschaflichen" Arbeiten sich auch als Klavierspieler und Gigolo versuchte - wollte alle möglichen Fragen, die die Philosophie seiner Zeit bot, und die er nebenbei bemerkt wohl kaum richtig erfasst haben dürfte, in eine einzige Theorie zusammenpacken und auch noch innerhalb ebendieser lösen.
Was macht also unser Held? Er steckt die Begriffe und Objekte in die Thesis, Radikaltranszendenz und Substantive in die Antithesis und schüttelt alles ordentlich durch, der vagen Idee einer Küchendialektik folgend. Traurig ist das ganze irgendwie, diese Hilflosigkeit, diese Unbedarftheit. Er schüttelt also kräftig durch und wartet: 1 Tag, 2 Tage, 5 Tage. Es passiert natürlich herzlich wenig bzw. überhaupt nichts.

Doch anstatt die Schönheit dieser Niederlage bei einer Flasche Veuve Cliquot im Bett einer seiner reifen Gönnerinen in melancholischen Rückblicken auszukosten, greift er nun zu einem Taschenspielertrick: er stellt seine Theorie auf den Kopf. Ihm ist nämlich bei der Lektüre populärwissenschaftlicher Schundblätter, die in dem Cafe, im dem er seine Nachmittage verbrachte, ein befreundeter Kellner, der entfernt an Problemen der Physik, Philosophie und des psychophysischen Parallelismus interessiert war, ihm überliess, aufgefallen, dass in eingen Randwissenschaften gerne eine recht obsukure Methode von Wissenschaftlern, die nicht weiter wussten, angewandt wurde: die so nicht sondern ganz anders genannte Negativierung. Negative Zahlen in der Mathematik, negative Temperaturen in der Meteorologie! Das müsste doch auch irgendwie auf seine ungelösten und unlösbar scheinenden Fälle anwendbar sein! Adorno verschüttete fast den Kaffee. Möglicherweise kam aber nicht Adorno selbst auf diese Idee, sondern der befreundete, an ähnlichen Fällen interessierte Kellner. In seiner Freude oder vielleicht auch kindlicher Naivität erzählte er es seinem Freund, denn als solchen betrachtete er Adorno, nicht ahnend, dass er damit seiner potentiellen wissenschaftlichen Karriere den Todestoss gab, bevor sie überhaupt anfangen konnte. Der kaltblütige Adorno erkannte sofort die Möglichkeiten, die diese Methode einem eröffnete, verzog aber keine Miene, sondern eröffnete seinerseits dem armen Kellner, seine Ideengänge seien nicht nur verworren, sondern leider auch völlig unbrauchbar, er möge bitte ihm noch eine Tasse Kaffee bringen und anschreiben lassen. Der Besitzer des Cafes liess nämlich Adorno anschreiben, er wusste um seine freigebigen Damenbekanntschaften. Es kam dann, wie es nicht kommen musste: der feine Herr Kellner kellnerte noch etliche Jahre, bleib arm und träumte weiterhin heimlich von der Theorie, die die psychophysischen Parallelismen endgültig verknoten würde und starb dann in seiner Zweizimmerwohnung am gebrochenen Herzen; er wurde nämlich nicht nur von Adorno betrogen, sondern auch von der Frau, die er liebte. Der "feine" Herr Adorno hingegen publizierte die Ideen des Kellners umgehend als die eigenen und wurde damit schlagartig in der Philosophenszene berühmt. Es folgten die üblichen Doktorhüte und Professuren im Aus- und Inland, rauschende Parties, Staatsempfänge, Preise, noch mehr rauschende Parties, ein Haus im Grünen, ein eigenes Institut, eine eigene (sog. Frankfurter) Schule...

Doch halt! Das wäre ja der Fall, wenn die Theorie etwas getaugt hätte! Sie taugte aber natürlich nichts, haha, ich komme ja schon ganz durcheinander! In Wahrheit blamierte sich Adorno mit seiner Negativen Dialektik bis auf die Knochen. Angesagte Philosophen konnten sich das Lachen kaum verkneifen, die ernsteren wendeten sich angewidert ab. Doch wie so oft fanden sich ein paar Spinner, die sich gerade für das Obskurste begeistern müssen. Es kam dann, wie es kommen musste: Publikationen und Doktorhüte, eigenes Institut, eigene Frankfurter Schule, eigene Strassenbenennungen und vieles andere mehr. Und so weiter, und so fort. Und das Ende dieser Geschichte. Und das Ende dieser Theorie. Nach Auschwitz war eine Theorie nämlich nicht mehr möglich!

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Beitrag von bob » Mi Sep 08, 2004 8:45 pm

bottineau - die verlorene kunst der nauskopie



frankreich, 1762. etienne bottineau, in diensten der christlich majestätischen marine, entwickelt eine theorie, nach welcher schiffe, die sich einer küste nähern, in der atmosphäre einen bestimmten effekt erzeugen, der sie, noch bevor sie am horizont auftauchen, einem geübten auge sichtbar macht.
nach einer vielzahl von beobachtungen ist er überzeugt, vor ankunft eines schiffes am horizont entsprechende zeichen aufzeigen zu können, als sich jedoch herausstellt, dass seine vorhersagen in weniger als der hälfte der fälle zutreffen, gibt er auf.

nach seiner versetzung auf die französische kolonialinsel mauritius ( damals isle de france ) 1764 führt bottineau seine untersuchungen fort. seine neue position erlaubt ihm viel freizeit, und der himmel ist an den meisten tagen klar. nach sechs monaten erfolgreichen übens fühlt sich bottineau als entdecker einer neuen wissenschaft, er nennt diese "nauskopie".

<img src="http://www.madosch.ch/mauritius/land_le ... france.jpg">
mauritius früher

bottineau macht seine entdeckung umgehend zu geld: er wettet, vornehmlich mit marineoffizieren, die mit ihren teleskopen nach aus europa eintreffenden schiffen ausschau halten, um die ankunft derselben. angeblich sind bottineaus vorhersagen, er benutzt dabei weder ein teleskop noch ein anderes instrument, verblüffend genau, mithin "sieht" er ein schiff vier tage, bevor es am horizont erscheint, herannahen.

1780 schreibt bottineau an den minister für marineangelegenheiten in frankreich, marechal de castries, und tut seine entdeckung kund. de castries weist daraufhin den gouverneur mauritius' an, bottineaus beobachtungen zwei jahre lang genau aufzuzeichnen. dieser kontrollierte versuch beginnt am 15ten mai 1782.
am 16ten sagt bottineau die ankunft dreier schiffe voraus, ausgesandte späher entdecken jedoch nichts. am 17ten wird ein gerade am horizont auftauchendes schiff gesichtet, am 18ten taucht ein zweites auf, und am 26sten ein weiteres.
nach diesem ereignis bietet der vicomte de souillac bottineau im namen der regierung 10 000 livre sowie eine jährliche pension von 1200 livre, wenn er sein geheimnis teile. bottineau erscheint dies jedoch zu wenig, und er lehnt ab.

<img src="http://freenet-homepage.de/bobsicle/wssw/bottineau.jpg">
deutsches dokument

in den aufkommenden wirren um die französische revolution schwindet das interesse an bottineaus fähigkeit. zwar setzt sich de souillac nochmals nachdrücklich beim französischen minister zugunsten der nauskopie ein, er erhält jedoch nie eine antwort.

ein frustrierter bottineau tritt indes die rückkehr nach frankreich an. während der schiffsreise sagt er dem kapitän dufour korrekt das herannahen von 27 schiffen vorher, ferner stellt er fest, dass er auf ganz ähnliche weise küsten erkennen kann, drei mal entdeckt er neuland.

nauskopie, die "kunst, das herannahen von schiffen, oder, von einem schiff aus, sich nähernde küsten, aus sehr grosser distanz festzustellen":
abgestorbene organische materie zersetzt sich in den ozeanen der welt und bildet grosse massen verschiedener gase, die im meerwasser eingeschlossen sind, bis sie von einem sturm oder dem rumpf eines schiffes freigesetzt werden, woraufhin sie in der luft eine dunstwolke um das schiff bilden. diese bewegt sich mit dem schiff und wächst stetig weiter, sie verbleibt jedoch so lange unsichtbar, bis sie sich mit gasen von land oder der dunstwolke eines anderen schiffs verbindet, erst dann kann sie vom geübten beobachter als schwache veränderung in der atmosphäre wahrgenommen werden.

bottineau stirbt, verbittert und verarmt, um 1802 in einer französischen kolonie in südindien, und mit ihm stirbt seine wissenschaft.


alles abgeschrieben von:
http://ken.me.com.au/cgi-bin/mbb_gen.cg ... us_lostart
Zuletzt geändert von bob am Do Jan 18, 2007 9:21 pm, insgesamt 3-mal geändert.

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Der Korrektor
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Die Hohlwelttheorie

Beitrag von Der Korrektor » Fr Okt 01, 2004 8:43 am

Die Hohlwelttheorie

Eigentlich wollen wir ja alle in den Mutterbauch zurück. Und so ist es kein Wunder, dass auch heute noch eine Theorie ihre Anhänger findet, die erstmals 1870 vom Homöopathen Cyrus Reed Teed formuliert und 1930 in "Das neue Weltbild" von Johannes Lang verfeinert wurde: Danach leben wir auf der Innenseite einer Hohlkugel, und innerhalb dieser Hohlkugel befinden sich dementsprechend auch Sonne, Mond und Sterne - das ganze Universum eben. Insofern folgt dieses Modell, wenn auch in paradoxer Verdrehung, einem geozentrischen und letztlich religiös motivierten Ansatz: Gott thront in der Mitte des Weltalls, die Erde bildet seinen Fußschemel.

Bild
Johannes Lang: Das neue Weltbild (1930)

[Um schnell ein wenig Begriffsverwirrung zu klären: Oft werden unter "Hohlwelttheorie" zwei unterschiedliche Theorien subsumiert, die andere besagt, dass es innerhalb der Erde eine zusätzliche Parallelwelt gibt. Im Deutschland der 30er Jahre vertrat besonders die okkultistische "Vril-Gesellschaft" dieses Denkmodell, die besonders unter Nazi-Anhängern großen Zulauf hatte. Von dieser Theorie soll hier aber nicht weiter die Rede sein.]

Das ganze Universum soll also in einer Kugel Platz haben, die gerade mal einen Durchmesser von 12.000 km hat? Wer dies direkt und voreilig als Quatsch abtut, muss sich von einem Hohlweltler erst einmal belehren lassen, dass man der irrigen Annahme aufsitzt, der Raum sei homogen und isotrop, weise also in jeder Entfernung und Richtung dieselben Eigenschaften auf.

Nicht so die Hohlweltler. Denn die sind keineswegs von gestern und bestreiten - im Gegensatz zu diversen Verschwörungstheoretikern - beispielsweise keineswegs, dass die Menschen bereits auf dem Mond gelandet sind. Dass der Mond 384.000 Kilometer von der Erde entfernt ist, muss kein Widerspruch sein, sondern - keine gescheite Theorie ohne Axiome! - führt uns direkt zum ersten Axiom der Hohlwelttheorie:

Axiom 1: Im Hohlweltmodell verkürzen sich die Längen umso mehr, je näher ein Körper dem Mittelpunkt der Hohlkugel kommt. Im Mittelpunkt selbst wäre jede Länge auf Null geschrumpft.

Also alles klar mit der Mondlandung, denn dieses Axiom lässt die Distanz Erdoberfläche zu Mond auf etwa 6.270 km schrumpfen, der Mond befände sich dann gerade mal 100 km vom Mittelpunkt der Hohlerde entfernt. Konsequent zu Ende gedacht eine richtig niedliche Vorstellung, denn der Mond selbst wäre entsprechend nur noch ein Kügelchen von ca. 1 km Durchmesser, und die Astronauten hätten auf ihm eine Körpergröße von wenigen Millimetern. Ein zum Glück reversibler Vorgang, sonst hätte man die Apollokapseln nach ihrer Rückkehr lange suchen müssen. Aber warum waren Armstrong & Co. dann so lange unterwegs? Dies erklärt sich, man ahnt es schon, aus dem Axiom 2:

Axiom 2: Die Lichtgeschwindigkeit wird im Hohlweltmodell umso kleiner, je näher das Licht dem Mittelpunkt der Hohlwelt kommt. Im Mittelpunkt selbst wäre die Lichtgeschwindigkeit c = 0 m/s.

Man darf sich also den Mittelpunkt der Hohlwelt durchaus als eine Art schwarzes Loch vorstellen, welches Distanzen und Geschwindigkeiten verschluckt. Um es mal ganz vereinfacht zu sagen.

Bild
Alles eine Frage der Anschauung: Modell der Hohlwelt

Denn das ist das Faszinierende an der Hohlwelttheorie, dass man einen seiner Vertreter praktisch alles fragen kann, es gibt auf alles eine Antwort. Bei fast keiner anderen Theorie trifft das geflügelte Wort "Der Wahnsinn hat Methode" so sehr zu wie hier. Nehmen wir nur das Phänomen, dass wir von einem Segelschiff, welches am Horizont auftaucht, zunächst den Mast mit den Segeln sehen und dann erst das ganze Schiff. Wie ist dies mit einer konkav, also nach innen gekrümmten Erdoberfläche vereinbar? Nun, dafür lassen wir ein drittes Axiom aufmarschieren, und das war es auch schon, denn diese drei Axiome reichen, um sämtliche Phänomene innerhalb der Hohlwelttheorie zu erklären:

Axiom 3: Licht, das genau auf den Mittelpunkt der Hohlwelt zusteuert, breitet sich geradlinig im herkömmlichen Sinne aus. In jedem anderen Fall bewegt es sich auf einer Kreisbahn, die durch den Mittelpunkt der Hohlwelt führt.

Also alles klar mit dem Schiff: Durch die Lichtbahn stimmt die Horizonterscheinung ziemlich genau mit dem überein, was wir sehen würden, wenn wir uns auf der Außenseite einer Kugel befänden.

Bild
Auch in der Hohlwelttheorie ist alles wie immer: Wir sehen, dass wir nichts sehen.

Und so geht es immer weiter bei den Hohlweltlern, die Kombination der drei Axiome ergibt eine Art physikalische und philosophische Wunderwaffe, mit der alle Phänomene erklärt werden können. Und entspricht nicht auch ein 1 km großer Mond viel besser dem nächtlichen Eindruck am Sternenhimmel? Sollen wir also an die Hohlwelttheorie glauben? Natürlich nicht. Zwar lassen sich alle Naturgesetze unserer Welt der Vollerde umrechnen in Naturgesetze, die in der Hohlwelt gelten, doch diese sind ungleich komplizierter.

Wir ziehen daher die Vollerde der Hohlwelt aus Gründen der Denkökonomie vor. Beweisen können wir nichts.

Es grüßt
Der Korrektor

Zusammenfassung von mir, Hauptquellen:
http://www.langw.de
http://www.weltbildfrage.de/geschichte.html
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Es war die Personifikation und Inkarnation des Grauens, des Abartigen, des Anderen. Doch bevor er diesen Gedanken vertiefen konnte, riss ihm das Monster gemütlich schmatzend den Kopf ab.

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bob
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Beitrag von bob » Di Okt 05, 2004 2:01 am

das besslerrad, der traum vom perpetuum mobile


erstmals öffentlich in erscheinung tritt der damals 32jährige gebürtige zittauer johann ernst elias bessler in gera im jahr 1712. dort stellt er sein sich angeblich selbsttätig bewegendes rad aus, eine knapp einen meter hohe und um die acht zentimeter starke konstruktion, die sich, einmal sanft angestossen, laut zeugenberichten ohne sichtbares zutun erst immer schneller und dann mit ungefähr 26 umdrehungen pro minute für unbestimmte zeit stetig weiterdreht. darüberhinaus ist es dem rad möglich, mittels eines um die achse geschlungenen seils kleine gewichte anzuheben.
schon bald finden sich neugierige gelehrte ein. bessler, dessen temperament später unisono als schwierig, jähzornig und unkontrolliert beschrieben wird, betrachtet diese aber umgehend als feinde und potentielle diebe seines geistigen eigentums, er gibt sich starrsinnig, streitsüchtig und aggressiv. enttäuscht wenden sich die besucher wieder ab, nicht wenige in der überzeugung, derartiges verhalten lasse per se auf einen versuchten betrug schliessen.

im folgenden jahr erlebt die stadt leipzig eine neue, grössere version des besslerrads. dieses zweite modell durchmisst fast zwei meter und ist ca 30 zentimeter dick, schweres, von felge zu felge straff gespanntes öltuch verdeckt den blick ins innere. wie sein vorgänger bedarf es nur eines geringen anschubs, um es in bewegung zu setzen. erst einmal in gang, beschleunigt es rasch auf seine maximalgeschwindigkeit, welche es offenbar unbegrenzt und ohne unterstützung beibehält.
über eines sind sich die beobachter dabei einig: aus dem innern des rads lässt sich ein deutliches rumpeln, wie es etwa von sich bewegenden gewichten stammen könnte, vernehmen.
die leipziger ausstellung wird, was die neuartige maschine betrifft, zum erfolg, für bessler selbst jedoch im zwist mit zweiflern zu einer persönlichen prüfung. um seine erfindung zu etablieren, beschliesst er, das rad am 31sten oktober 1715 einer gruppe von elf ausgesuchten gelehrten vorzustellen, welche dieses genauer in augenschein nehmen und einer reihe von untersuchungen unterziehen soll. sie befindet im dezember einstimmig, dass das perpetuum mobile echt sei.
besslers widersacher indes lassen sich davon nicht beeindrucken, sie verspotten sowohl bessler als auch seine untersuchungskommission, währenddessen sich das seltsame rad weiter und immer weiter dreht, beharrlich und konstant, mit etwa 26 rotationen pro minute.
zu dieser zeit beginnt sich johann bessler aus gründen die nur ihm bekannt sind "orffyreus" zu nennen.

1716 wird wird karl I, landgraf zu hessen- kassel, auf bessler aufmerksam. der graf verfügt sowohl über finanzkraft als auch prestige - im gegensatz zu orffyreus. als erstes verschafft karl I dem exzentrischen erfinder eine position als stadtrat und somit üppiges gehalt und unterkunft.

<img src="http://freenet-homepage.de/bobsicle/wss ... rnkarl.jpg">
bessler, johann, und karl eins

in einem gartenschuppen auf dem gelände der burg weissenstein, aus furcht vor spionen stets verschlossen und von mitgliedern der gräflichen garde bewacht, baut bessler sein letztes und grösstes rad. sein misstrauen selbst freunden und seinem patron gegenüber ist mittlerweile derart ausgeprägt, dass er eigene wachen zur bewachung der radswachen beauftragt:
wäre ein perpetuum mobile in unserer heutigen zeit auch sicherlich kaum mehr als eine wissenschaftliche kuriosität, in den anfängen des 18. jahrhunderts, als die primäre energiequelle aus muskelkraft, menschlicher sowie tierischer, bestand, wäre die entdeckung einer selbsttätigen maschine, die in den manufakturen spindeln und räder antreibt, eine sensation gewesen - und ihr erfinder ein gemachter mann.
das wundersame rad des orffyreus scheint die geforderten bedingungen zu erfüllen. es lässt sich leicht in gang bringen, es verstärkt selbständig seine energie, es arbeitet beharrlich allein aus sich selbst - sofern es sich nicht doch nur um einen geschickten betrug handelt.

besslers gegner sind hartnäckig und lautstark. der leipziger mathematiker claus wagner, der sich beharrlich weigert, das besslerrad selbst zu begutachten, besteht darauf, dass es eine derartige maschine, seinen eigenen berechnungen zufolge jedenfalls, nicht geben könne, die geschichte sei schlichtweg absurd und wider die natur. uhrmacher behaupten, die effizienz des rades durch geschickt verborgene federn und getriebe potenzieren zu können, versäumen jedoch, derartige auch herzustellen und ihre thesen zu beweisen.

der graf verlangt von bessler eine bereinigung des streits in form einer demonstration der maschine, diese soll die kritiker und zweifler endgültig zum schweigen bringen oder aber, im falle eines versagens, das langwierige und kostspielige patronat beenden.
im oktober 1717 lässt der graf das rad vom schuppen in das schloss bringen. am 12. november ist alles bereit, und eine handverlesene gesellschaft zeitgenössischer kompetenz der verschiedensten wissenschaftlichen gebiete findet sich ein.
inmitten eines grossen raums befindet sich ein rad, nach schätzungen etwa dreieinhalb meter hoch und einen knappen halben meter stark. die kommission beschreibt die maschine als leichte holzkonstruktion, deren inneres, wie bei ihren vorgängern, wegen straff gespanntem, schwerem öltuch nicht einsehbar ist.
ein baron fischer wird auserkoren, das rad zu starten, und dieses fällt ihm zu seinem eigenem erstaunen sehr leicht. ein leichter stoss mit nur einer hand, und das konstrukt setzt sich in bewegung, langsam zuerst, dann immer schneller, rasch bis zu seiner höchstgeschwindigkeit, den ungefähren 26 umdrehungen in der minute.
nachdem einige experimente durchgeführt sind, bei denen das rad mühelos und ohne geschwindigkeitsverlust verschiedene gewichte anhebt, beginnen die gäste, sorgfältig den raum selbst nach eventuell verstecktem, nach verborgenen kammern und ähnlich aufschlussreichem abzusuchen. als dies erfolglos bleibt entschliesst man sich zum gemeinschaftlichen rückzug und versiegelt die tür, während sich die maschine unverdrossen weiter dreht - was sie auch noch am 4. januar des jahres 1718 tut, als man beschliesst, das türsiegel zu brechen.

<img src="http://freenet-homepage.de/bobsicle/wssw/orignfraud.jpg">
zwei wenig aussagekräftige zeichnungen besslers, sowie ein böser verdacht

da die maschine offensichtlich funktioniert stellt sich nunmehr die frage, wie sie es denn eigentlich tut. bessler, dessen gemütszustand sich ob der anhaltenden zweifel an seiner bemerkenswerten entdeckung ständig verschlechtert, bringt der gedanke, jemand könne ihm seine idee doch noch stehlen, schier um den verstand. er beschliesst, seine erfindung für eine angemessene summe* zu offerieren, jedoch bietet ihm diese niemand.
jener misserfolg, die grobe verkennung seines genies, versetzt orffyreus endgültig in rage. der besorgte graf teilt ihm einen bediensteten zu, der den unglücklichen erfinder vor sich selbst schützen soll.
irgendwie gelingt es dem grafen, bessler zu überzeugen, ihn einen blick in das innere des rades werfen zu lassen, und soweit bekannt ist dies das einzige mal, dass der entdecker einen einblick zulässt: hinter dem öltuch, so berichtet karl I später, verbirgt sich eine sehr simple anordnung von gewichten und hebeln. bessler erklärt, er habe ein system erdacht, in welchem die gewichte auf einer seite des rades weiter entfernt von dessen achse rotieren als auf seiner entgegengesetzten, quasi ein rad im rad, und aufgrund dieser gegenbalance unter ausnutzung der schwerkraft funktioniere seine erfindung. das eigentliche geheimnis läge indes in der raffinierten art und weise, die gewichte einmal näher, einmal weniger nah an den felgen der konstruktion entlang zu führen.

bessler ist überzeugt, das klassische rätsel des perpetuum mobiles gelöst zu haben. er leidet unter der ignoranz seiner umwelt, befindet seinen geist für unterbewertet, die welt seiner entdeckung nicht würdig. sein zorn schlägt um in zerstörungswut. mit einem beil bewaffnet verschafft er sich zutritt zu seiner maschine und zerstört sein meisterwerk.
reumütig verspricht bessler im nachhinein dem grafen, ein neues, zumindest ebenbürtiges, wenn nicht gar besseres rad zu bauen, dazu kommt es jedoch nicht mehr.
für einige monate arbeitet er im gartenschuppen vor sich hin. er streitet mit dem grafen. und als die überreste des besslerrads in einem unglück in flammen aufgehen, trennen sich herr und schützling.
bessler alias orffyreus stirbt im november 1745.


anmerkung: das älteste überlieferte perpetuum mobile -das es auch nach heutigem theoretischem stand nicht geben kann- ist ca 1150 durch den indischen dichter, mathematiker und astronomen bhãskarã beschrieben. es handelt sich um ein rad mit langen gefässen, in denen sich quecksilber befindet. dank der verschieden weit entfernten gewichte soll es sich ewig drehen können.

*meine vorlage, ein -jedenfalls vorgeblicher- artikel aus dem jahr 1956, schreibt "twenty thousand pounds", was mir eben gerade weder nachvollzieh- noch übertragbar erscheint. ist spät geworden.

http://www.keelynet.com/energy/bessler.htm
http://www.besslerwheel.com
Zuletzt geändert von bob am Do Jan 18, 2007 9:23 pm, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag von Cherno Jobatey » Mi Okt 20, 2004 9:24 am

Welteis, Nauskopie, Hohlwelt, Besslerrad - - - ich bin begeistert.
Ein großer Strang.
Der General, der Korrektor und Bob seien herzlich bedankt.

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bob
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Beitrag von bob » Do Okt 28, 2004 12:12 am

der weltraumfahrstuhl, ein blick nach oben, zurück und nach vorn


"If the laws of celestial mechanics make it possible for an object to stay fixed in the sky, might it not be possible to lower a cable down to the surface and so establish an elevator system linking earth to space?"
Arthur C. Clarke, 1978,
The Fountains of Paradise/ Fahrstuhl zu den Sternen

vorgestern lachhafte utopie, übermorgen vielleicht gernhingenommene selbstverständlichkeit. zwar harrt der konsument 2004 nach wie vor unterozeanischer blitzreisen in vakuumröhren, behäbig vorwärtsmahlender bürgersteige oder ganz simpel des fliegenden grossstadttaxis, manch anderes ding, wie zum beispiel das praktikable atomgetriebene unterseeboot oder die leuchtzifferdigitaluhr sind, allen frühahnungslosen unkenrufen zum trotz, in unserem alltag längst fix, heimisch und sozusagen realität geworden. man weiss es vorher nicht.
die idee einer stabilen verbindung zwischen uns und dem anfang der räumlichen unendlichkeit beschreibt der aspirant des technologischen instituts leningrad yuri artsutanov zum ersten öffentlichen mal in einem artikel der prawda vom 31sten juli 1960:


"die vorbereitungen zum start einer zeitgenössischen weltraumrakete dauern nicht nur einen tag, sondern länger als einen monat. ja, natürlich, dies sind nur die ersten schritte der menschheit über die grenzen ihres eigenen planeten hinaus. dennoch wird sich die grundlegende konstruktion der raketen im prinzip nicht ändern, und selbst in der zukunft wird die anfangsphase eines raumflugs von der gewaltigen anstrengung überlasteter maschinen, der immensen kosten für treibstoff und dem schutz der passagiere vor übermässiger beschleunigung begeitet werden - welche maximal sein muss, um den fesseln der erdanziehung möglichst schnell zu entfliehen. reisen in den weltraum mittels einer rakete wird nie wie der ausflug per boot oder eine strassenbahnfahrt sein.
ist dies jedoch der einzige weg zum kosmischen flug ? gibt es nicht noch andere wege zum interplanetarischem raum ?
eine dieser methoden wurde bereits in wissenschaftlichen publikationen diskutiert. es handelt sich dabei um die erfindung des schwerelosen, von der erdanziehung nicht beeinflussten raumschiffs. jedoch sind selbst die aktivsten verfechter dieser idee nicht von ihrer umsetzbarkeit überzeugt. wir wissen nach wie vor zu wenig über das eigentliche wesen der gravitation.
ohne zweifel wird die rakete für viele lange jahre standard der weltraumforschung sein. derzeit kennen wir kein anderes mittel der fortbewegung im luftlosen nichts ausser dem prinzip des düsenantriebs. aber könnten wir den raketen nicht ihre aufgabe erleichtern ? sie in der zukunft nicht einfacher, zuverlässiger und billiger gestalten ? es existieren viele entwürfe zur schaffung ausserirdischer weltraumhäfen, deren himmlische liegeplätze andockmöglichkeiten sowohl für interplanetarische giganten als auch für weltraumsegler "lokaler linien" vorsehen: weltraumstation - erde, und zurück.
wir möchten einen weiteren entwurf für eine derartige station vorschlagen, eine die direkt mit der erde verbunden ist. die realisierung dieser idee könnte reisen in den raum nur wenig komplizierter als eine zugfahrt von moskau in den vorort mozhaika machen...
nimm ein kleines stück schnur und binde es an einen stein. bringe diese einfache schleuder zum rotieren. unter dem einfluss der fliehkraft zieht es den stein nach aussen hin weg und die schnur streckt sich.
was passiert wohl, wenn man eine solches "seil" am erdäquator festmacht, und ein angemessenes gewicht, weit ins all hinausgeschleudert, an dieses hängt ? berechnungen ( die jeder begabte realschüler ausführen kann ) zeigen auf, dass, ist das "seil" ausreichend lang, die fliehkraft dieses gewicht nach draussen zieht, es nicht zurück auf die erde fallen lässt, gerade so wie der stein unsere schnur streckt. in der tat nimmt die erdanziehung proportional zur weiteren entfernung ab, und die fliehkraft erhöht sich bei zunehmender distanz. und schon bei einer entfernung von etwa 42 000 kilometern gleicht die fliehkraft die erdanziehung aus. damit zeigt sich, wie lang unser "seil" ins all sein muss - fünfzig- oder vielleicht sechzigtausend kilometer ! und ja, das an ihm festgemachte "gewicht" sollte ziemlich gross sein - tatsächlich sollte die fliehkraft dem gewicht des seils gleich sein, und das bei fast 40 000 kilometern ! aber wenn dies geschafft ist, ergibt sich eine direkte kabelverbindung von der erde ins all !

<img src="http://freenet-homepage.de/bobsicle/wssw/future1960.jpg">
futuristisches um 1960

schon heute ist manches bauliche detail unserer "weltraumkabelbahn" vorstellbar. vor allem wird sie nicht aus nur einem strang, sondern aus einem ganzen band derartiger, parallel geführter stränge bestehen, die durch quergeführte träger miteinander verbunden sind. dies dient dem schutz vor meteoren, die einen einzelnen strang leicht durchschlagen könnten. weiterhin werden diese stränge an unterschiedlichen stellen unterschiedlich stark sein. die dünnste stelle wird sich auf der erdoberfläche befinden, die breiteste dort, wo die fliehkraft der der erdanziehung gleicht: auf diese art ist die spannung, der das band unterliegt, gleichmässig verteilt. drittens werden die stränge nicht von gleicher machart sein. vielleicht werden metalldrähte zur übertragung von elektrizität eingeflochten. vielleicht wird es auch stränge zur führung kosmischer züge geben...
ruhig, ohne eile und gedränge, werden die passagiere ihre plätze in den luftdicht abgeschlossenen waggons eines solchen zuges einnehmen, da es sich nicht um eine rakete handelt, deren abschuss bis auf sekundenbruchteile berechnet werden muss. vom zug ertönt ein letzter pfiff, erst langsam und dann immer schneller nimmt er fahrt an, schliesslich schiesst er senkrecht auf dem netz feinster stränge in die höhe. schon liegt die erste wolkenschicht hinter ihm. die geschwindigkeit erhöht sich weiter und weiter... fast schon hundert kilometer trennen zug und erde. die geschwindigkeit erhöht sich erneut: tatsächlich wird der widerstand der atmosphäre schwächer. erste funkelnde sterne blitzen auf im schwarzen samthimmel des weltraums.
nein, der zug klammert sich nicht mittels metallkrallen oder zahnrädern auf einer schiene hinauf ! ein beständiges elektromagnetisches feld bewegt ihn. [...]
der erste halt - in einem abstand von 5000 kilometern zur erde. hier, nicht weit vom kabelzug entfernt, ist eine riesige solarstation eingerichtet. ihr gigantischer spiegel, mit den feinsten folien beschichtet, fängt die flut der sonnenstrahlung ein und wandelt sie um in elektrizität. diese dient auch dem antrieb der kabelbahn.
und wieder bewegen wir uns vorwärts. die geschwindigkeit -sie nimmt langsam, fast nicht wahrnehmbar zu- erreicht gigantisches ausmass: mehrere kilometer in der sekunde. und in einigen stunden, nach sanftem abbremsen, ein erneuter halt - am punkt des gleichgewichts von fliehkraft und erdanziehung. von nun an verbraucht der zug keine energie mehr - allein die fliehkraft treibt ihn weiter voran.
noch einige stunden reisezeit - und der weltraumzug trifft am endpunkt seines kosmischen pfades ein. 60 000 kilometer zurück liegt unsere eigene erde. und hier ist eine ganze stadt angelegt, mit treibhäusern, observatorien, solarstromstationen, werkstätten, treibstoffdepots und an- und abfluganlagen für interplanetarische raketen. nein, die hier lebenden menschen sind nicht von der erde abgeschnitten. sie sind ihr im wortsinne fest durch ein weltraumseil verbunden...

<img src="http://freenet-homepage.de/bobsicle/wssw/laikansam.jpg">
frühe raumfahrt im tierversuch: laika und sam

die von dieser raumstation startenden raketen besitzen keinerlei ähnlichkeit mit denen, die von der erde mit ohrenbetäubenden explosionen aufsteigen. in der tat verfügen sie hier bereits über weltraumgeschwindigkeit, zusammen mit der die erde umkreisenden station. hier gibt es keine erdanziehung, die die irdischen raketen zu gewaltiger und massiver bauweise zwingt. hier werden keine übermotoren benötigt. kosmische raketen verlassen geschmeidig ihre liegeplätze und kehren ebenso zu diesen zurück, ozeandampfern in ihrem uneiligen tempo ähnlich...[...]

der komplizierteste aspekt dieser konstruktion ist wahrscheinlich der beginn. dafür ist es nötig, einen geosynchronen, künstlichen satelliten in eine erdumlaufbahn zu schicken, an welchem ein seil festgemacht ist - an seiner schwächsten stelle dünner als ein menschliches haar. und dennoch beträgt sein gewicht ungefähr tausend tonnen. und von diesem satelliten ausgehend ist es notwendig, gleichzeitig die beiden enden unseres pfades auszuschicken: ein ende in richtung erde, das andere in den weltraum hinaus.
wenn der erste strang mit der erde vertäut ist, liesse sich an diesem eine mechanische "spinne", die einen zweiten, parallelen strang mit sich zieht, nach oben schicken, anschliessend einen dritten, vierten, und so weiter.
es liessen sich auch weltraumpfade zwischen anderen planeten und satelliten schaffen. unser mond rotiert sehr langsam, deshalb ist seine nutzbare fliehkraft nicht sehr hoch. aber in einem abstand von 57 000 kilometern von der oberfläche unseres erdtrabanten überwiegt die anziehungskraft der erde die des mondes. dies bedeutet, wäre das kabel einmal im mittelpunkt der uns sichtbaren mondscheibe festgemacht und in richtung erde 57 000 kilometer weit gezogen, sowie mit einem entsprechenden gewicht versehen, es ergäbe einen vortrefflichen mondpfad. und mit zwei derartigen pfaden wird es möglich, eine erde und mond verbindende strecke ohne ausgaben für treibstoff zu schaffen.
vom merkur aus, der mit der einen, selben seite immer der sonne zugewandt ist, ist es einfach, ein kabel zu unserem zentralgestirn "herunterzulassen". eine kabelverbindung zum mars zu schaffen ist deutlich einfacher als zur erde - da seine anziehung deutlich die der erde unterschreitet. etwas über die geheimnisvolle venus zu sagen ist schwierig, da es keine gesicherten erkenntnisse über ihren umdrehungsablauf gibt. vielleicht wird es möglich, derartige pfade auf vielen monden grosser planeten einzurichten.

<img src="http://freenet-homepage.de/bobsicle/wssw/spaceelevs.jpg">
weltraumelevatoren im unterschiedlichen gedankenspiel

natürlich handelt es sich bei dieser angelegenheit um eine der entfernten zukunft. um sie zu realisieren müssen mannigfaltige hindernisse überwunden werden. es gibt immer noch kein material, dessen haltbarkeit dem gigantischen gewicht eines erd- weltraumkabels standhält. das haltbarste plastik und der stärkste stahl sind um ein vielfaches schwächer als verlangt. obwohl es schon möglich sein könnte ein mondkabel zu schaffen, da das material viel weniger beanspruchbar sein müsste.
es ist ausserdem nötig, viele weitere fragen zu erforschen: der einfluss von schwingungen, das verhalten verschiedener stoffe unter weltraumstrahlung, und so weiter. aber wissenschaft und technologie bewegen sich behende vorwärts, und vielleicht wird schon gegen ende unseres jahrhunderts die errichtung eines fahrstuhls zu den himmeln beginnen."
http://freenet-homepage.de/bobsicle/wssw/prawda1960.pdf


auch wenn die vorfreude auf das ende des mittlerweile vergangenen jahrhunderts eine verfrühte gewesen sein mag ist die idee des weltraumaufzugs lange nicht vergessen, im gegenteil. sowohl nasa als auch kommerzielle verbünde geben beharrliche <a href="http://flightprojects.msfc.nasa.gov/fd0 ... uskunft</a> über fortschritte, neue entwicklungen und materialen, und das diesige, heutige jahrhundert ist noch jung: zu den himmeln.

eine zeitgenössische weltraumfahrstuhlwerbeanimation:
http://www.isr.us/video/SE-INTRO_Final-1stream-384.wmv
Zuletzt geändert von bob am Do Jan 18, 2007 9:25 pm, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag von Der Korrektor » Do Okt 28, 2004 4:25 pm

Herrlich, diese Seilidee,

und theoretisch funktioniert das auch. Entsprechend geisterte dieses Konzept wohl immer wieder durch populärwissenschaftliche Magazine, ich erinnere mich, schon als Junge in den 70ern von dieser Weltraumfahrstuhlidee gelesen zu haben - und natürlich war ich fasziniert. Vielen Dank für die Auffrischung meiner Erinnerung durch diesen tollen Beitrag, bob.

Bild
Raumstation in Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum"

Besonders gefallen hat mir die abgebildete Raumstation*, die ja eine starke Ähnlichkeit mit Kubricks Entwurf aus dem 2001-Film von 1968 hat. Die dahinter stehende Idee ist natürlich, dass so eine Station durch ihre Eigenrotation eine Fliehkraft erzeugt, die die Schwerkraft ersetzt. Besonders gut an Kubricks Umsetzung hat mir dabei immer der realistisch anmutende Umstand gefallen, dass das Ding sichtbar noch nicht fertig gestellt war.

Stets Ihr ergebener
Korrektor

* Ein Begriff, der übrigens schon 1923 vom deutschen Raketenpionier und Visionär Hermann Oberth geprägt wurde.
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Beitrag von Dr. Dralle » Mi Nov 03, 2004 11:56 am

Der Korrektor hat geschrieben: ...ich erinnere mich, schon als Junge in den 70ern von dieser Weltraumfahrstuhlidee gelesen zu haben...
dann haben sie auch die legendären hobbyhefte gelesen? ich war damals von der visionären kraft dieser publikationen fasziniert. was da nicht alles für das ach so ferne und magische jahr 2000 vorhergesagt wurde... marskolonien... die industrielle ausnutzung des mondes... hat jemand von ihnen noch exemplare davon? das wäre eine goldader für diesen strang, der mir so sehr ans herz gewachsen ist!


....und schauen sie ab und zu mal spät abends bei n24 vorbei, da gibt es mitunter auch herrlich abseitige dokumentationen zu themen wie "die menscheit wird schon bald aufbrechen, um das all zu bevölkern" und "zeitreise? geht das? - und wenn ja, wie?"

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Beitrag von Olaf Ittenbach » Mi Nov 03, 2004 12:14 pm

Ich müsste hier noch irgendwo ein paar Hobby-Hefte aus den 60ern haben...
Der verbreitetste Ruffel ist der Unruffel!

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